Die Wahl in Polen hat einen massiven Rechtsruck hervorgebracht.

Die konservative PiS (ECR-Fraktion) holt mit rund 39 Prozent des Wahlrechts wegen die absolute Mehrheit der Mandate. Trotzdem bleibt unklar, wer tatsächlich Ewa Kopacz im Amt des Regierungschefs folgen wird. Am Wahlabend hielt nicht die Spitzenkandidatin Beata Szydlo die erste Siegesrede, sondern der Bruder des Parteigründers und ehemalige Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski.

Regierungschefin Kopacz von der christdemokratischen PO räumte bereits nach der ersten Prognose ihre Niederlage ein. Ihre Partei rutsche um 16 Punkte auf 23 Prozent ab. Auch der Koalitionspartner, die christdemokratisch ausgerichtete PSL, verliert kräftig und erreicht mit 5 Prozent das schlechteste Ergebnis aller Zeiten. Die beiden Parteien sind Schwesterparteien von CDU/CSU und ÖVP.

Rockstar Pawel Kukiz erhält mit seiner Bewegung Kukiz ´15 mit auf Anhieb mit neun Prozent ein respektables Ergebnis, halbiert jedoch den Stimmenanteil im Vergleich zur Präsidentschaftswahl vor einigen Wochen.

Direkt bei der ersten Wahl gelingt auch der liberalen .N mit sieben Prozent der Einzug ins Parlament. Die gemäßigt rechtspopulistische KORWiN-Bewegung kann ebenfalls mit knapp fünf Prozent den Einzug ins Parlament noch schaffen.

Besonders bitter ist der Wahlabend für die sozialdemokratische ZL. Mit knapp sieben Prozent verfehlt das Parteienbündnis erstmals in der neueren polnischen Geschichte die nötige Hürde für den Einzug ins nationale Parlament. Damit ist praktisch keine linke Partei im Parlament vertreten. Allein die Minderheitenvertretung der Deutschen, die der EFA nahesteht, erhält einen der 460 Sitze. Auch die linke Bewegung Razem verfehlt den Einzug ins Parlament.