Winter-Lektüre für Europäer*innen

, von  treffpunkteuropa.de

Winter-Lektüre für Europäer*innen
Winterzeit - Zeit zum Lesen! Foto: Pixabay / melkhagelslat / CC0 1.0

Die Weihnachtsferien stehen vor der Tür, man hat endlich wieder Zeit zum Lesen - nur das richtige Buch fehlt noch? Die Redaktion von treffpunkteuropa.de stellt hier ihre Favoriten vor.

Margaret Atwood: The Handmaid’s Tale (1985)

Nach einem Staatsstreich in Nordamerika zwingt die christlich-fundamentalistische Regierung Frauen dazu, ihr Eigentum an männliche Verwandte abzugeben, sich diesen unterzuordnen und ihre Pflicht, Kinder zu gebären, vor alles andere zu stellen. Ein dystopischer Klassiker, der nur so gut sein kann, weil alles, das Atwood beschreibt, in anderen Kontexten bereits geschehen ist. Sie versteht es, nacheinander zu fesseln, zu verstören und dann daran zu erinnern, warum Feminismus wichtig ist.

Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise (1779)

Während eines Waffenstillstands zur Zeit des Dritten Kreuzzuges (1189-1192) in Jerusalem: Als der jüdische Kaufmann Nathan von einer Reise zurückkehrt, hat ein christlicher Tempelritter, der zuvor von muslimischen Sultan begnadigt wurde, seine Tochter aus dem brennenden Haus gerettet. Der Sultan, bemüht um Frieden zwischen Christ*innen und Muslim*innen, konsultiert Nathan mit der Frage, welche Religion „die wahre“ sei - Nathan antwortet mit der berühmten Ringparabel. Warum diesen Klassiker aus dem Deutschunterricht nochmal lesen? Weil das Stück nach fast 250 Jahren heute vielleicht aktueller ist denn je und ein beeindruckendes Plädoyer für Humanität, Toleranz und Religionsfreiheit.

Natascha Wodin: Sie kam aus Mariupol (2017)

Für ihren Roman „Sie kam aus Mariupol“ hat Natascha Wodin 2017 zurecht den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. In ihrem fesselnd-poetischen Erzählstil rekonstruiert die Autorin darin das Leben ihrer Mutter, die die Nazis als ukrainische Zwangsarbeiterin 1944 nach Deutschland verschleppten. Ein Muss für jeden, der sich für europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert.

Erich Follath: Jenseits aller Grenzen (2016)

In seinem Reiseroman „Jenseits aller Grenzen“ reist Spiegel-Autor Erich Follath auf den Spuren von Ibn Battuta, muslimischer Weltreisender aus dem 14. Jahrhundert. Zusammenfassungen aus Battutas Reisebericht (Rihla genannt) setzt Follath Berichte seiner eigenen Reiseerfahrungen aus dem Jahr 2015 entgegen und beschreibt dabei auch die aktuelle politische Situation im jeweiligen Land. Ob Syrien, Iran oder China: Stets lernen Leserin und Leser etwas Neues.

Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Gut und Böse - Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind (2012)

„Der moderne Humanist, Vorsitzender der Giordano-Bruno-Stiftung, plädiert für die Loslösung von der religiösen Moral und eine Hinwendung zur weltlichen Ethik. Mit diesem Buch schafft es der Autor, seine humanistische Sichtweise verständlich und anschaulich zu erklären - an historischen Ereignissen, mithilfe aktueller Diskussionen, in Alltagssituationen. Nach der Lektüre sieht man die Welt mit anderen Augen!“

David Mitchell: Der Wolkenatlas (2004)

Die Protagonist*innen in „Der Wolkenatlas“ leben in unterschiedlichen Jahrhunderten, doch mit einer ungewöhnlichen Erzählstruktur gelingt es David Mitchell, ihre Schicksale miteinander zu verknüpfen. Jede der Geschichten wird dabei auf einzigartige Weise erzählt, zum Beispiel in Form eines Tagebuchs, in Briefen oder durch das Protokoll eines Verhörs. Wiederkehrende Themen sind der ewige Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung sowie der kollektive Glaube an eine bessere Welt und die Reinkarnation der Hauptpersonen. Tipp: Nach der Lektüre unbedingt den gleichnamigen Film (2012) schauen!

Yuval Noah Hariri: Eine kurze Geschichte der Menschheit (2013)

Warum sind Menschenbabys bei der Geburt im Vergleich zu Tierbabys so unselbstständig, warum war die Landwirtschaft ein Durchbruch in der Entwicklung der Menschheit, und welche Rolle spielt Wissen für Fortschritt? Diese und viele weitere Fragen beantwortet der Historiker Yuval Noah Hariri, Geschichtsprofessor an der Hebrew University Jerusalem, indem er die Geschichte der Menschheit mit Hilfe von vier zentralen Meilensteinen erklärt. Was das Buch besonders macht, ist nicht nur die unglaubliche Menge an (Allgemein-)Wissen in einem einzigen Buch, sondern vor allem Hariris Sinn dafür, dieses Wissen so humorvoll zu verpacken, dass auch an Nicht-Historiker*innen die gut 500 Seiten geradezu vorbeifliegen.

Viktor E. Frankl: Trotzdem Ja zum Leben sagen (Erstveröffentlichung 1946)

Viktor E.Frankl kommt als Psychologe in ein Konzentrationslager und schildert sowohl die dort herrschenden Umstände als auch die entstehenden Denkmuster der Insass*innen und die daraus resultierenden Handlungsweisen. Es ist ein hoch philosophisches und anregendes Buch, das wirklich allen ans Herz zu legen ist. Der Blickwinkel auf das eigene Leben verändert sich enorm, denn wenn sogar Frankl seine positive Einstellung zum Leben behalten konnte, dann kann das wirklich jeder.

Charles Dickens: Eine Weihnachtsgeschichte (1984)

Der Weihnachtsklassiker schlechthin: Dickens erzählt die Geschichte vom geizigen Geschäftsmann Ebenezer Scrooge, für den Weihnachten nur „Humbug!“ ist, wie er immer wieder erklärt. Nachts erhält der alte Mann dann Besuch von drei Geistern - und sein Leben ändert sich schlagartig. Immer wieder eine schöne Lektüre, die dazu anregt, sich die eigentliche Bedeutung des Weihnachtsfests nochmal in Erinnerung zu rufen.

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