Interrail Diary: Unterwegs in Europa

, von  Annija Barbale, Hanne Hastedt, Katharina Menzel, Marie Menke

Interrail Diary: Unterwegs in Europa

Heute im Interrail Diary: Von Edinburgh über Marseille bis Florenz plant Katharina ihre Interrail-Reise, obwohl sie gar nicht damit gerechnet hat, eines der Tickets zu gewinnen.

Europa ist vielfältig: von der Küste Portugals über die Dolomiten Italiens bis zum Schwarzen Meer und von Madrid und Paris über Amsterdam und Warschau bis nach Bukarest und Riga. Diese Vielfalt kennenzulernen, ist ein Geschenk, das die Europäische Union in diesem Sommer 15 000 jungen Menschen gemacht hat: Mit einem Interrailticket durften sie ihre selbst gewählten Routen bereisen. Wir haben uns auf der Suche nach Blogger*innen gemacht, die aktuell unterwegs sind, bald aufbrechen oder gerade zurückgekehrt sind: In diesem Beitrag erzählen sie in den nächsten Wochen davon, wie es sich anfühlt, quer durch Europa zu reisen.

Du bist auch gerade unterwegs? Schreib eine E-Mail an Marie, um als Blogger*in für uns zu schreiben. Mehr Infos zum Projekt #DiscoverEU findest du außerdem auf der zugehörigen Webseite.

Katharina am 06.11.2018: „Mein Tipp: Möglichst früh die Züge reservieren!“


Stand auf Katharinas Liste mit Reisezielen: der Arthur’s Seat in Edinburgh

In der Zeit nach dem Abitur war die Freizeitplanung irgendwie ziemlich einseitig und weit weg von vollgeplanten Tagen, die genügend Beschäftigung boten. Deshalb erwischte ich mich auch hin und wieder, wie ich stundenlang durch belanglose Social-Media-Feeds scrollte und meine Zeit verschwendete. Rückblickend war das aber vielleicht doch nicht die schlechteste Idee, die ich hatte: Durch Zufall entdeckte ich die Werbung für „Discover EU“ und erstmal ahnungslos folgte ich dem zugehörigen Link. Für mich stand bald fest, dass ich mich bewerben wollte, allerdings nicht alleine. Aus meinem Freundeskreis boten sich aufgrund der Altersbeschränkung nur wenige Leute an, allerdings landete ich dann bei Jenny und Carolin, die auch recht angetan von einer Europa-Reise waren.

Vor einer Geburtstagsfeier saßen wir also alle am Laptop und widmeten uns dem „Bewerbungsverfahren“, welches aus fünf Wissensfragen rund um die Europäische Union und einer Schätzfrage bestand. Spontan entschied Jessica noch, sich uns anzuschließen: Also waren wir nun zu viert. Zugegeben, wir rechneten nicht wirklich damit, die Tickets wirklich zu gewinnen - vor allem, da unsere Schätzung wirklich mehr als willkürlich ausfiel. In den kommenden Tagen und Wochen verschwand „Discover EU“ also immer mehr aus unseren Köpfen... Am 28.Juni 2018 kam dann der „Schock“ - wir hatten tatsächlich gewonnen! Auf Ungläubigkeit folgte natürlich Freude und danach auch schon etwas Stress - es musste ja alles geplant werden. Nun stand es fest: wir würden einen Monat durch Europa reisen.

Wo geht’s hin? Diese Frage stellte sich als sehr kompliziert heraus. Noch komplizierter war es aber, ein gemeinsames Treffen auszumachen. So kam es schließlich dazu, dass Jenny und ich uns an die Planung machten und im Anschluss auf das „Okay“ von den anderen beiden hofften. Eigentlich war es mein Wunsch, die skandinavischen Länder zu bereisen. Das ließ sich aber leider nicht damit vereinen, dass wir gern auch einige südliche Länder bereisen wollten. Denn beim Interrail-Ticket gab es für uns einen großen Haken: Man darf nur zwei Tage mit Fahrten im eigenen Heimatland verbringen, also quasi einmal ein- und einmal ausreisen. Und da man zwangsläufig durch Deutschland fahren müsste, um von Dänemark zum Beispiel nach Frankreich zu kommen, fiel dieser Plan nun aus.

Unsere Methode zur Reiseplanung sah dann wie folgt aus: Wir druckten uns eine Europakarte aus und Jenny und ich suchten die Städte heraus, die uns auf Anhieb zusagten. Ursprünglich waren das: Amsterdam, Edinburgh, Marseille, Florenz, Palermo und Rom. Allerdings stellten wir später fest, dass die Zugreise nach Palermo doch etwas lange dauerte - deswegen wurde Palermo gestrichen und durch Wien ersetzt. Mit diesen Ländern und Städten entschieden wir uns für eine breite Vielfalt an europäischer Kultur: Wir freuten uns auf die kleinen Grachten in Amsterdam, die wunderschöne Landschaft in Schottland, die Wärme in Marseille, das italienische Essen in Florenz, viele geschichtsträchtige Sehenswürdigkeiten in Rom und kleine Leckereien aus Wien.

So weit, so gut. Es folgte die nähere Planung. Bei den Unterkünften wählten wir meist Ferienwohnungen oder einmal auch ein Hostel - ganz einfach aus Kostengründen. Weiterhin mussten gefühlt zig Reservierungen für die Züge vorgenommen werden, die dies voraussetzten. Wenn ihr einmal eine solche Reise macht: Beginnt frühzeitig mit der Planung - das kostet viel Zeit und Nerven und am Ende stellt man fest, dass man doch irgendetwas vergessen hat... Aber irgendwie klappt doch alles, also nur Mut uns auf ins Abenteuer!

Hanne am 11.10.2018: „Heute hier, morgen da: Auf einer Interrailreise fühlt man sich frei!“

Mit diesem Interrailpass ist Hanne quer durch Europa gereist.

Ohne konkrete Urlaubspläne zu haben, nahm ich mir drei Wochen Urlaub für den Sommer. Lust auf eine Reise hatte ich, aber als FSJlerin kann man keine (größeren) Reisen alleine finanzieren. Als ich dann las, dass die EU erstmals Interrailtickets für 18-jährige verlost, versuchte ich mein Glück. Man braucht schon einen guten Grund, um so eine Chance nicht zu nutzen, dachte ich mir.

Ein bisschen Geld hatte ich angespart, davon könnte ich die Übernachtungen bezahlen. So war mein grober Plan. Aber ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet zu gewinnen. Umso größer war die Freude als ich erfuhr gewonnen zu haben. Also machte ich mich an die Reiseplanung, ich startete von Berlin aus und fuhr nach Prag, Bratislava, Budapest und Wien. Eine schöne „Rundreise“, die ich nur empfehlen kann. Genau wie das Interraillen überhaupt.

Man kommt mit so einem Ticket eigentlich überall hin. Egal ob man wie ich eine Städtetour machen möchte oder lieber in die Natur bzw. kleinere Orte möchte, egal ob man eine Woche oder vier Wochen unterwegs sein möchte, alles ist möglich und eines ist man immer: flexibel. Außerdem kann man bei den Zugfahrten viel von einem Land sehen und man kommt gut mit Leuten ins Gespräch, vor allem mit Einheimischen. Sie können einem dann vielleicht auch noch den einen oder anderen Insidertipp geben.

Bei einer Interrailreise ist man so frei wie man sein möchte, heute hier, morgen dort, oder mehrere Tage am gleichen Ort. Hat man nicht gerade schon eine Unterkunft gebucht, kann man fahren wann und wohin man möchte und ist dadurch sehr flexibel. Diese Flexibilität hat mir in meinem Urlaub das Gefühl von Freiheit gegeben und ich konnte dem durchgetakteten Alltag gut entkommen. Noch dazu gibt es wahrlich klimaschädlichere Möglichkeiten zu reisen und man sieht viel von Europa. Meine erste Interrailreise war also auf jeden Fall nicht meine letzte.

Annija am 25.09.2018: „Die vielen kleinen Entscheidungen machten die Vorbereitungen spannend!“

Annija ist in diesem Sommer von Riga aus über Warschau nach Paris gereist: In ihrem ersten Blogpost erzählt sie von den Vorbereitungen darauf.

Ich hatte das Glück, zu den 15 000 jungen Menschen aus ganz Europa zu zählen, die ein Interrailticket bekamen - und damit die Chance, bis zu ungefähr 30 Länder zu bereisen. Als ich mich beworben habe, war ich mir sicher, dass ich diese Reise aber nicht alleine machen wollte, deshalb habe ich mich gemeinsam mit meiner Freundin Agate beworben. Im Juli erhielten wir unsere Tickets, beschlossen ein Datum für die Abreise und begannen die Vorbereitungen. Am Anfangen waren wir verwirrt: Wo würden wir übernachten? Wie viel Geld würden wir ausgeben? Mussten wir die Züge reservieren? Nach und nach hatten wir aber alle Informationen zusammen. Eines haben wir dabei gelernt: Umso weniger Sorgen wir uns machen, desto besser wird es.

Wir gehen beide noch zur Schule und es war für beide von uns das erste Mal, dass wir alleine verreist sind - deshalb waren wir total aufgeregt. Die ganzen kleinen Entscheidungen, die wir treffen mussten, machten alles noch spannender: Wie groß sollten unsere Rucksäcke sein? Welche Kleidung sollten wir einpacken? Wohin wollten wir überhaupt reisen?

Begonnen haben wir unsere Reise in Riga, aber weil es dort keine internationalen Zuglinien gibt, sind wir zuerst mit dem Bus nach Warschau gefahren, um in den Zug zu steigen. Danach ging es nach Paris! Unsere erste Unterkunft hatten wir uns auf der Plattform „Couchsurfing“ gesucht. Die junge Frau, die uns für eine Nacht aufnehmen wollte, war sehr hilfreich: Sie hat uns auch Tickets für die Metro gegeben, sodass wir sie nicht einmal selbst kaufen mussten. Wir hatten nur einen Tag, um uns Paris anzuschauen, und wollten natürlich so viel wie nur möglich sehen: Daher sind wir gefühlt durch ganz Paris gelaufen!

Hanne am 14.09.2018: „Das Beste daran, alleine zu reisen, sind die neuen Bekanntschaften.“

Dieses Foto hat Hanne in Bratislava aufgenommen. In ihrem ersten Blogpost erzählt sie, warum es für sie die perfekte Wahl war, alleine zu reisen.

Für viele klingt alleine reisen unattraktiv, einsam. Es fehlt jemand, mit dem man die Erlebnisse teilen kann. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die so empfinden. Eine Reise alleine erlebt man viel intensiver, ich zumindest. Und man kann seine Erlebnisse vielleicht nicht mit seinen Freunden oder seiner Familie teilen, aber man lernt neue Menschen kennen. Dafür gibt es so viele Möglichkeiten, sei es im Hostel, bei einem Stadtrundgang oder zufällig irgendwo anders. Genießt man seinen Urlaub mit offenen Augen und Ohren, lernt man schnell neue Menschen kennen, so habe ich es erlebt. Obwohl ich niemand bin, der schnell neue Kontakte knüpft.

Manche dieser Bekanntschaften bleiben flüchtig, aus anderen entwickeln sich Freundschaften. Aber eines ist sicher: Man lernt unglaublich viel über andere Kulturen und Regionen dieser Welt. Ich habe mit Menschen aus aller Welt darüber diskutieren können, was sie beschäftigt, was ihnen wichtig ist, wie die politische Lage in ihrem Land aussieht, über kulturelle Unterschiede und ganz viel mehr. All diese Gespräche haben meinen Horizont erweitert und mir neue Blickwinkel ermöglicht.

Was in anderen Ländern passiert, hören wir in Deutschland vorwiegend über deutsche Medien. Die Berichterstattung über etwas ist maßgeblich dafür, wie wir etwas wahrnehmen. Da auch mal einen anderen Blick zu bekommen, halte ich für sehr wichtig. Für mich bedeuten diese neuen Bekanntschaften auf Reisen immer auch die Erweiterung des eigenen Horizonts und ich denke, danach sollten wir alle streben. Außerdem hat man meist eine Menge Spaß zusammen und die Erinnerung daran verbindet einen ein Leben lang.

Reist man in Gruppen, ist man in der Regel nicht so offen dafür, neue Kontakte zu knüpfen. So empfinde ich es, wenn ich in Gruppen unterwegs bin oder auch wenn ich auf Reisen Gruppen treffe. Ich kann daher nur jeden dazu ermutigen, auch mal alleine zu reisen.

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