Europawahlen 2019: Junge Wähler fordern die Sitze ein?

, von  Laura Saarinen, übersetzt von Stefanie Hock

Europawahlen 2019: Junge Wähler fordern die Sitze ein?

Mein jüngerer Bruder ist im Jahr 2000 geboren (ja, und gerade 18 Jahre alt geworden, kannst du dir das vorstellen?) und hat sich nie wirklich für Politik interessiert. Als EU-begeisterte Politikstudentin habe ich versucht, ab und zu die Frage zu stellen, wen er bei den finnischen Wahlen wählen würde, wenn ihm jetzt die Chance gegeben würde. Seine Antwort vor sechs Monaten lautete: „Was kümmert es mich?“. Ich war verblüfft.

Natürlich solltest du dich dafür interessieren zu wählen: Das ist ein Teil der Demokratie! Nun, wer bin ich, dass ich einem Teenager sagen könnte, was er tun soll. Als er gerade 18 Jahre alt wurde, fragte ich ihn noch einmal und er antwortete zuerst: "Rate mal, ich bekam ein B- in einem Kurs zur EU in der High School!“ Dann hielt er mir eine zehnminütige Rede, warum Finnland so sehr darauf bedacht ist, die gemeinsame Verteidigungspolitik in der EU zu verteidigen, und danach, wen er bei den nächsten Wahlen zum Europäischen Parlament wählen sollte. Das brachte mich dazu, darüber nachzudenken, was der erste Schritt zur Förderung der jungen Generation ist: Die Antwort liegt in der Bildung! Normalerweise beginnt der Lernprozess in der Schule und deshalb kommt wohl die Wichtigkeit von Bildung und Kursen zur EU, die in der Schule und im Gymnasium stattfinden, deutlich zu kurz. Und nein, ich rede nicht von Gehirnwäsche. Die Sache ist die, dass EU-Prozesse so hart und komplex sind, dass wenn die jüngeren Generationen die EU- und Europaangelegenheiten verstehen sollen, muss die Bildung dafür in der Schule beginnen – auf eine motivierende, spielerische und interaktive Art und Weise, um das Interesse der Jüngeren zu wecken.

Es gibt noch ein anderes Beispiel für die Bedeutung der Bildung neben meinem kleinen Bruder: In der High School habe ich während des Euroscola-Tages vor 500 Menschen in Straßburg gesprochen. Seitdem haben mich die europäischen Angelegenheiten und Wahlen in ihren Bann gezogen, und jetzt würde es mich sehr freuen, wenn diese Art der Selbstentfaltung bei Jugendlichen in ganz Europa zunehmen würde.

Jüngere Generationen sind mobiler und stärker mit dem Rest der Welt verbunden als ich selbst: Der Unterschied zwischen mir und meinem kleinen Bruder beträgt nur sieben Jahre, aber er weiß trotzdem mehr über Social Media als ich. Der Einsatz von Social Media und Tools könnte auch dazu beitragen, mehr Menschen zu ermutigen, bei den künftigen Wahlen zu wählen. Über eine gute und verlockende Medienkampagne würden die anstehenden Wahlen das Vertrauen neuer Wähler absolut gewinnen. Aber es besteht darin auch eine Gefahr: in Finnland haben bei den letzten Parlamentswahlen die Kandidaten für die jüngeren Leute in allen sozialen Medien die Wichtigkeit von zum Beispiel Bildung hervorgehoben, und selbst ich war versucht, einen Kandidaten zu wählen, der gute Ergebnisse für finnische Studenten zu liefern schien. Die nächste Sache, die nach den Wahlen geschah war, dass derselbe Kandidat an der Spitze der Kürzung der studentischen Leistungen stand. Sprich, Social Media hilf nicht, wenn das geschaffene Vertrauen als Asche im Wind verschwindet.

Hier kommt daher mein nächster Appell direkt an die Politiker: Halten Sie sich daran, was Sie während der Kampagne versprochen haben! Ist das so schwierig? Ja, ich verstehe, dass das ein wenig old-school sein kann, aber wie wäre es diesen erfrischenden Wechsel mal zu versuchen? Ich bin sicher, es würde das Vertrauen langfristig verändern. Zumindest habe ich das Gefühl, dass dies schon seit geraumer Zeit nicht mehr versucht wurde, und gleichzeitig ist die Zahl der Wähler bei jeder einzelnen Europawahl bereits seit Jahrzehnten zurückgegangen. Ich schätze, was ich versuche zu sagen ist, dass Medien nichts nützen, wenn die Politiker widersprüchlich handeln. Ich glaube, dass die jüngere Generation nicht wählen wird, wenn sie nichts Konkretes von den Politikern erhält, im Vergleich zu der älteren Generation, die der Meinung ist, dass Wählen meist ein privilegiertes Recht und eine Verantwortung ist.

Die jüngere Generation in Europa ist also der Schlüssel für zukünftige Entscheidungen in Europa, und sie will für ihre Wählerstimmen etwas zurückbekommen. Was sind Dinge, die jüngere Menschen beschäftigen? Erstens: Es gibt nichts, was nur für die Jüngeren gilt. Die Themen in Europa sind uns allen gemein, egal wie alt wir sind. Das Problem liegt in der Distanz von europäischen Entscheidungen, die uns allen nähergebracht werden sollten, und vor allem auch früher im Leben eines jungen Menschen. Ich denke, das ist es, was man sagt: Was als Kind gelernt wurde, wird als älterer Mensch gemeistert.

Außerdem ist das Bild der EU sicherlich nicht die attraktivste Institution in den Köpfen der Menschen, aber vielleicht könnten wir die EU näher zusammenbringen: Erasmus+- Mobilität sollte in einer Art und Weise über Schulen ermöglicht werden, und wir könnten die Möglichkeiten erhöhen, europäische Kooperationen bereits in der High School zu finden. Darüber hinaus habe ich noch nie erlebt, dass parlamentarische Abgeordnete mehr als nur die Hauptstadt- und Europa-Gymnasien besuchen. Warum sollten wir uns die Mühe machen, die Arbeit der Abgeordneten kennenzulernen, wenn unsere Vertreter sich nicht die Mühe machen uns kennenzulernen? Es wurde erforscht, dass bei den Regionalwahlen die Menschen in den kleinen Städten aktiver wählen, da sie die meisten Kandidaten kennen, und ich bin sicher, dass junge Menschen in ganz Europa gerne ihre Abgeordneten im Europäischen Parlament kennenlernen würden.

Dieser Artikel wurde ursprünglich im Rahmen unseres Essaywettbewerbs verfasst

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