Europäische Perspektive: Gedanken aus Europa zum Brand der Notre-Dame

, von  Gesine Weber, Juuso Järviniemi, Maria Popczyk

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Europäische Perspektive: Gedanken aus Europa zum Brand der Notre-Dame
Foto: für unseren Medienpartner The New Federalist zur Verfügung gestellt von Filip Teodorowicz.

Gestern brannte in Paris die weltberühmte Kathedrale Notre-Dame, hunderte Jahre Kulturerbe sind zerstört. Gedanken von jungen Europäer*innen nach Paris.

Juuso Järviniemi, The New Federalist: Verschiedene Sprachen, geteilte Gefühle

Als ich diesen Text gestern am späten Abend schrieb, hörte ich noch immer die Sirenen der Polizeiwagen auf der Straße unter meinem Fenster. Als Notre-Dame Feuer fing, war ich in der Uni, und ich hörte von dem Brand durch einen kanadischen Freund, der mir aus Schottland eine Nachricht schrieb. Auf meinem Nachhauseweg schloss ich mich den Menschen an, die dieser Kathedrale beim Brennen zusahen, schickte meiner Mutter in Finnland eine Nachricht. Sie hatte die Nachricht schon vor mir gehört. Ganz Europa, die ganze Welt, sprechen über das Feuer, weil es die ganze Welt berührt.

Um 21:45 Uhr kamen hunderte Menschen auf dem Place Saint-Michel unweit der Notre-Dame zusammen: in Schweigen gehüllte Tourist*innen, vor Unglaube weinende Pariser*innen. Menschen sangen gemeinsam religiöse Lieder in dieser warmen Frühlingsnacht. In der Menge hörte man nicht nur Französisch, sondern genauso Deutsch, Englisch mit britischem Akzent, andere Sprachen. Die Sprachen waren unterschiedlich, das Gefühl aber geteilt. In seiner Ansprache unterstrich der französische Präsident Emmanuel Macron später die zentrale Bedeutung von Notre Dame für die französische Geschichte. Wie Europäer*innen über dem ganzen Kontinent ihren Gefühlen Ausdruck verleihen, zeigt, dass Notre-Dame nicht nur ein Teil des französischen Erbes ist - sondern auch Teil unseres gemeinsamen europäischen Gedanken.

Gesine Weber, treffpunkteuropa.de: Dass sie niemals fallen möge

Notre-Dame ist 865 Jahre Geschichte. Ihre Mauern haben so viele Konflikte, so viele Hochwasser der Seine, die Französische Revolution, zwei Weltkriege vorbeiziehen sehen. Als ein majestätischer Kompass im Herzen der Stadt hat sie unzählige Bilder, Literatur und Poesie, und endlose Träume inspiriert. Der Brand der Notre-Dame trifft direkt ins Herz des französischen, aber auch des europäischen und globalen kulturellen Erbes. Notre-Dame ist viel mehr als eine Kirche: Sie ist die bauliche Verkörperung der Geschichte von Paris, von Frankreich, in Teilen von Europa, aber auch von der kreativen Fähigkeit des Menschen, von architektonischer Perfektion, die ihre Bewunderer*innen immer wieder sprachlos macht, und deshalb ist dieser Brand so tragisch, so bitter, und so unfassbar traurig.

Doch die Geschichte ist nicht zu Ende. Die Grundmauern und die beiden Türme sind nicht gefallen; sie werden weiterhin für die Stärke dieses Monuments stehen und die Jahrhunderte überdauern. In einer solchen Situation scheint es, dass die Stadt Paris ihr Stadtmotto „fluctuat, nec mergitur“ - „Sie schwankt, aber sie geht nicht unter“ - weise gewählt hat. In den Armoiries de la Ville de Paris findet sich dazu folgende Erklärung: „Wie ein Schiff, das, vom Sturm geschlagen, stärker aus den Wellen hervortritt und die widrigen Winde nutzt, um schneller an den Hafen, das Ziel seiner langen und gefährlichen Reise, zu gelangen, so hat auch diese alte und ehrwürdige Stadt nicht nur alle Schäden überstanden; sie ist daraus mit der Überzeugung hervorgegangen, dass neue Gefahren, die noch auf sie warten mögen, sie als Siegerin hervorgehen lassen.“ Diejenigen, die Notre-Dame gestern als Siegerin hervorgehen lassen haben, waren Hunderte Feuerwehrleute; jetzt ist es an uns, das Verlorene in der Erinnerung zu bewahren und die Kathedrale im Wiederaufbau mit ihrer Geschichte und den Erinnerungen zu belegen. Notre-Dame mag in Flammen gestanden haben - aber fallen wird sie niemals.

Lorène Weber, The New Federalist: Sonnet for Notre-Dame

Paris grieving tonight, its Lady has vanished
The city’s soul and flesh were sorely wounded
And Parisians witnessed, powerless as I am
The flames, relentlessly, devouring Notre-Dame

Yet they shook themselves up, once the first blow had passed
Desperate but valiant, they tirelessly tried
To save their precious Saint, their Mary and their pride
But despite all their toil, the arrow fell and cracked

Now time has come to pray, to commune and to cry
As Palm Sunday’s branches disappear in the sky
For Passion and Easter, we will all be orphans

And yet resurrection will heal and come to light
The city today mourns, but will soon glorify
Rising from its ashes, Notre-Dame’s revival

Dieses Gedicht wurde auf Englisch geschrieben. Zur Bewahrung seines Charakters haben uns dazu entschieden, es nicht zu übersetzen.

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