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„Es gibt einen Solidaritätsgedanken zwischen den Jugendlichen“

, von  Alexander Steinfeldt, Johanna Uekermann

Johanna Uekermann ist Juso-Bundesvorsitzende. Dort kämpft sie für eine offene und solidarische Gesellschaft - in ganz Europa. Sie will weg vom Europa der Banken, hin zu einer EU, in der man Probleme gemeinsam angeht. Im Interview mit treffpunkt.europa erzählt sie von ihren Erfahrungen im Wahlkampf und wie Solidarität in Europa funktioniert.

Der SPD-Würfel in der Berliner Parteizentrale. In Umfragen zur Europawahl liegen die Sozialdemokraten derzeit bei 27 Prozent. Foto: © Christopher Jonck/ www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nd) http://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/deed.de

Autoren

  • Alexander Steinfeldt is member of JEF Berlin and works in the renewable energy sector in Berlin.

    Besides his interests for energy policy he is engaged with Central and Eastern European Countries.

    Twitter :

  • Seit 2013 Bundesvorsitzende der Jusos - die Jugendorganisation der SPD. Foto: Tobias Pietsch

Wo bist du am 25. Mai und was wirst du dort machen?

Ich werde in Berlin sein. Wir werden vormittags noch jede Menge Aktionen machen, um möglichst viele Menschen zu überzeugen, an diesem Tag wählen zu gehen. Dann werden wir gemeinsam mit dem ganzen Bundesvorstand dem Ergebnis entgegenfiebern und hoffentlich alle jubeln, weil die SPD die meisten Stimmen holt und Martin Schulz nächster Kommissionspräsident wird.

Denn es wartet viel Arbeit auf ihn. Die wohl wichtigste Aufgabe in den kommenden fünf Jahren wird der Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit sein. Junge Menschen brauchen Perspektiven statt Zukunftsangst. Die Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen müssen jetzt was bewegen, damit nicht noch mehr Vertrauen verloren geht und wir keine verlorene Generation hervorbringen. Wir müssen in die Zukunft, damit alle jungen Menschen in Europa einen Job, eine Ausbildung oder ein Studium aufnehmen können.

Ein viel zitierter Ausspruch von dir lautet: „Das heutige Europa ist ein Europa der Banken und Großverdiener, der Sparpakete und Jugendarbeitslosigkeit. Was meinst du damit genau? Und was muss sich ändern?

Zur Lösung der Krise wurde eine strikte Sparpolitik propagiert, die Folgen waren Sozialkürzungen, Rezession und massenhafte Kündigungen. Das trifft vor allem junge Menschen. Und so entsteht gerade eine Generation, die zwar top ausgebildet ist, aber keine Perspektiven auf dem Jobmarkt hat. Da muss es endlich einen Wandel geben!

Krisen werden in Europa oft im nationalen Alleingang gelöst. Wozu brauchen wir die EU eigentlich noch und wie siehst du die Zukunft Europas?

Es ist wichtig, dass man eine Vision von Europa hat, dass man weiß, wohin man will. Mit drei Attributen kann ich meine Idee von Europa zusammenfassen: das ist ein soziales Europa, ein gerechtes Europa und ein offenes Europa. Ich bin froh, dass das Wort Grenzkontrolle ganz vielen jungen Menschen nichts mehr sagt. Wir können frei durch Europa reisen, können arbeiten, wo es uns gefällt. Offen heißt für mich aber auch, dass wir die Asylpolitik ändern und humaner machen, legale Einreisen ermöglichen und vor allem Frontex abschaffen – und durch eine Agentur ersetzen, die Flüchtlingen hilft und schützt, statt sie im Mittelmeer abzuweisen. Gerecht bedeutet für mich, dass in ganz Europa ungefähr gleiche Lebensbedingungen herrschen und viele vom Wohlstand, den Europa bringt, teilhaben können. Es darf aber nicht nur um Wirtschaftsstandards gehen, sondern auch die Sozialpolitik soll sich angleichen, wie zum Beispiel durch einen europa-weiten Mindestlohn. Natürlich nicht pauschal 8,50 Euro für alle Menschen in Europa, doch aber ein am Durchschnittseinkommen der Länder bemessener Lohn.

Auf europäischer Ebene wünsche ich mir, dass die Nationalstaaten nicht mehr so viel zu sagen haben wie jetzt, das heißt, dass nicht mehr zwischen den Staats- und Regierungschefs verhandelt wird, sondern dass die Politik vom Europäischen Parlament, der Vertretung der Bürgerinnen und Bürger in Europa, gemacht wird.

Viele Menschen kritisieren, dass im Wahlkampf vor allem nationale Themen behandelt werden. Wie bringt ihr Europa ins Spiel und wie machen die Jusos einen europäischen Wahlkampf?

Wir machen einen Jugendwahlkampf, der nicht nur bundesweit läuft, sondern in einen europäischen Kontext eingebettet ist. Das ist einerseits durch Martin Schulz sowieso gegeben, anderseits haben die Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen auch ein gemeinsames, europaweites Wahlprogramm verabschiedet. Auch wir als Jugendorganisation arbeiten mit den Mitgliedern der YES – Young European Socialists – eng zusammen und machen gemeinsame Veranstaltungen. Wir setzen auch gemeinsam Themen und tragen sie mit unseren Partnerorganisationen auf die Straße.

Wo liegen die Herausforderungen in so einem internationalen Umfeld?

Bei uns war das nicht sonderlich schwierig, weil wir schon seit Jahrzehnten gemeinsam arbeiten. Und dabei waren wir auch ziemlich erfolgreich, wie zum Beispiel mit der Forderung nach der Jugendgarantie, die nun umgesetzt wird. Dies zeigt, wenn man europaweit für ein Thema streitet, kann es auch Realität werden.

Die Sorge aber gibt’s immer, dass Themen in einigen Ländern besser oder schlechter ankommen als in anderen. Zum Beispiel haben wir über Jugendarbeitslosigkeit diskutiert. In Deutschland empfinden viele junge Menschen das nicht als ihr drängendstes Problem. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 7,4 Prozent. Doch auch deutsche Jugendliche wissen, dass es jungen Menschen in anderen EU-Staaten nicht so rosig geht. Deswegen lohnt es sich auch für uns, sich dafür einzusetzen. Da gibt es schon einen Solidaritätsgedanken zwischen den Jugendlichen hier und dort.

Johanna, bist du Europäerin?

Ich bin erst mal Sozialistin, und deshalb Europäerin. Gefühlt war ich schon immer Europäerin. Vielleicht ist das auch ein Problem, dass es für viele junge Leute schon zu selbstverständlich ist. Aber durch die Arbeit bei den Jusos und den Austausch mit den anderen Partnern hat sich das verstärkt. Wir haben viele bilaterale Besuche gemacht und über die Dachorganisation uns regelmäßig ausgetauscht. Und wenn man dann feststellt, dass man über vieles diskutieren kann und sich im Ziel einig ist, dann entsteht dieses Gefühl, dass man an der europäischen Idee arbeitet und wir alle EuropäerInnen sind.

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