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Das europäische Sprachenmosaik

Kolumne „Europa im Blick“

, von  Ivana Peric

Algheresich, saterfrisisch und tschango: drei von über 60 Regional- und Minderheitensprachen der EU. Wo werden sie gesprochen und was sind Regional- und Minderheitensprachen überhaupt? Eine Reise durch das bunte europäische Sprachenmosaik.

Gelebte Mehrsprachigkeit im Alltag: Straßenbezeichnungen auf Algheresisch und Italienisch. – © Ismael Alonso / Flickr (Link) / CC BY-SA 2.0-Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/)

Autoren

  • Ivana Peric studiert Kommunikationswissenschaft an der Universität Bamberg. Journalistische Erfahrungen sammelte sie unter anderem in der Unternehmenskommunikation von Großkonzernen und bei internationalen Organisationen in Europa und Südamerika. Seit März 2015 ist sie Koordinatorin Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei treffpunkteuropa.de.

Alghero, s’Allighera oder L’Alguer? In der Stadt Alghero an der Nordwestküste Sardiniens werden mindestens drei Sprachen gesprochen: Das Italienische als Amtssprache des gesamten Staates, das Sardische in seinen verschiedenen Varietäten und aufgrund der jahrhundertelangen Besetzung Sardiniens durch Katalonien und später durch das spanische Königtum auch ein Dialekt des Katalanischen, das Algheresische. Das von seinen Bewohnern liebevoll genannte „Barcelona Spaniens“ ist eine Insel auf einer Insel, nämlich eine katalanische Sprachinsel innerhalb Sardiniens. Ein Viertel der 38.000 Einwohner sprechen den archaischen Dialekt des Katalanischen. Italien ist eines der Länder in Europa mit der größten Anzahl an historischen Sprachminderheiten auf seinem Staatsgebiet.

Um mehrsprachige Regionen zu finden, müssen wir aber gar nicht in die Ferne blicken, ein Blick in den Norden Deutschlands genügt. Schinkenfleesbottram und Ackerschnacker: die Großeltern sprechen es noch, die Eltern verstehen es nur, die Kinder haben es nicht mehr gelernt. Die Rede ist von Plattdeutsch, offiziell Niederdeutsch. Im Volksmund milde belächelt und als Kauderwelsch abgetan, ist es mehr als nur ein Dialekt. Wie das Algheresische zählt es zu den über 60 Regional- und Minderheitensprachen, die in der Europäischen Union noch existieren. Weitere Beispiele reichen von Tschango in Rumänien über Livisch an der Küste Lettlands bis hin zu Okzitanisch in Südfrankreich. Von den insgesamt rund 40 Millionen Sprechern aller Regional- und Minderheitensprachen, besitzt das Katalanische mit sieben bis acht Millionen Menschen die größte Sprechergemeinschaft. Dagegen beschränken sich die Sprecher des Livischen nur noch auf 20 bis 30 Personen und auch das Okzitanische ist vom Aussterben bedroht.

Nicht alle Sprachen neben den europäischen Amtssprachen fallen automatisch unter die Minderheitensprachen. Welche dazugehören, regelt die 1992 eingeführte Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen. Danach sind Minderheitensprachen diejenigen Sprachen, „die von einer Minderheit in einem Staatsgebiet gebraucht werden, die sich von der Amtssprache unterscheiden und weder ein Dialekt noch die Sprache von Zuwanderern sind“. Die Charta war ein entscheidender Schritt in Richtung Schutz und Förderung dieser Sprachen, da sie zum ersten Mal defniert, was eine Minderheitensprache ist und fordert, vom Aussterben bedrohte Sprachen zu schützen.

Das Bewusstsein dafür, wie wichtig eine Sprache für den Erhalt einer Kultur und Identität sein kann, ist in den vergangenen Jahren in vielen europäischen Ländern gewachsen. Das ist eine positive Entwicklung und spiegelt aus der sprachlichen Perspektive das europäische Zusammenleben wider: „united in diversity“.

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Ihr Kommentar

  • Am 1. Februar um 09:24, von  agen poker Als Antwort Das europäische Sprachenmosaik

    The Charter was a decisive step towards the protection and promotion of these languages ​​because they defned for the first time, which is a minority language, and calls to protect endangered languages.

  • Am 13. März um 13:00, von  apx Als Antwort Das europäische Sprachenmosaik

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