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Campus Europa

, von  Patrick Haase

Es gibt kaum jemanden, der noch nicht von Erasmus, dem studentischen Austauschprogramm der EU, gehört hat. Viel weiter geht die Kooperation der europäischen Hochschulen untereinander aber nicht. Das muss sich dringend ändern, möchte die EU im Bildungsbereich nicht von den USA und Asien abgehängt werden.

Ein gemeinsames europäisches Hochschulranking würde vor allem Studenten und Arbeitgebern zugutekommen. Foto: © European Union 2006 PE-EP

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Was Brüssel will

Die Kommission möchte in Sachen europäische Hochschulpolitik Autonomie und Wettbewerb miteinander verbinden. Im Klartext heißt das: weniger staatliche Detailsteuerung, verbesserte Studienbedingungen, Forschungsförderung auf Spitzenniveau und die Durchsetzung notwendiger Innovationen. Hierfür schraubten die nationalen Regierungen konsequent das Budget für die Bildungshaushalte hoch. So wurde allein in Deutschland im letzten Jahr die Rekordsumme von 247,4 Milliarden Euro in Bildung, Forschung und Wissenschaft investiert. Das sind immerhin mehr als neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für das erweiterte ERASMUS+ sind es sogar 14,7 Milliarden Euro. Mehr wird für kein anderes europäisches Bildungsprojekt ausgegeben.

ERASMUS+: das neue Vorzeigeprojekt

Erasmus+ umfasst die bisherigen EU-Programme für lebenslanges Lernen, Jugend und Sport sowie die europäischen Kooperationsprogramme im Bildungsbereich. Das sind vor allem das Comenius-Programm (für den Austausch der Schulen), das Erasmus-Programm (für den Austausch der Hochschulen), das Leonardo-Programm (für den Austausch bei der Aus-, und Weiterbildung) und das Grundtvig-Programm (für den Austausch bei der Erwachsenenbildung). Ziel ist es, die Zusammenarbeit und den Austausch im Bildungsbereich inklusive Sport und Freizeitgemeinschaften entscheidend zu stärken und Aufenthalte im europäischen Ausland zu vereinfachen. Der Schwerpunkt des Programms liegt klar auf den Studenten. Trotzdem gilt: ein gemeinsamer europäischer Hochschulrahmen fehlt bisher. Das soll sich in Zukunft ändern.

Hochschulrektorenkonferenz vs. Europäisches Parlament

Jean-Claude Juncker, Kandidat der bürgerlichen Parteien im Europäischen Parlament für das Amt des Kommissionspräsidenten, sagt hierzu: „Zum Wirtschaftsraum Europa gehört die Hochschule ohne Frage dazu und auch wenn die Europäer dem Europäischen skeptisch gegenüberstehen, so ist das ein Blick von innen. Aus der Distanz, aus der Sicht von Afrika und Asien etwa, wird Europa immer schöner.“ Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler sieht das etwas skeptischer: „Die Ziele, die die EU-Kommission verfolgt, hören sich gut an, aber den Hochschulen dürfen keine europäischen Normlösungen übergestülpt werden, sonst könnten die Umsetzungsstrategien mehr Schaden anrichten als sie Nutzen bringen.“

Der Graben der zwischen den Hochschulverwaltungen und der europäischen Politik verläuft, ist ein durch Machtinteresse und der Angst vor europäischer Dominanz geprägter Riss in der europäischen Hochschullandschaft. Wenngleich vor allem die Dozenten und Studenten sehr von einem geeinten Hochschulsystem profitieren würden, überwiegt noch die Angst vor einem Macht- und Bedeutungsverlust der Hochschulvertreter. Die Unabhängigkeit der Wissenschaft scheint dabei nur eine Nebelkerze zu seien, die die Öffentlichkeit blenden soll.

„Generation Erasmus“

Junge Menschen, die in einem vereinten Europa aufwachsen und die Vorzüge der europäischen Zusammenarbeit genießen, wissen, was noch getan werden muss. Die Selbstverständlichkeit, den Hochschulstandort wechseln zu können und vielmehr die Möglichkeit, überall in Europa zu forschen, sind die großen Prüfsteine erfolgreicher Europapolitik in dieser Legislaturperiode des Europaparlaments. Ein gemeinsamer Hochschulrahmen scheitert dabei immer wieder an den nationalen Interessen, denn Bildungspolitik ist Sache der Mitgliedsstaaten. Von einigen Wissenschaftlern geht daher die Empfehlung aus, dort anzusetzen, wo der Bologna-Prozess – also die Vereinheitlichung und Implementierung des Bachelor/Master-Systems - und Erasmus nicht weit genug gegangen sind. Ein erster Schritt wäre die Entwicklung eines gemeinsamen Qualitätssicherungssystems, das die Hochschulen im europäischen Rahmen vergleichbar macht und mehr Wettbewerb unter den Bildungseinrichtungen schafft. Damit brächte ein gesamt-europäisches Hochschulranking nicht nur Vorteile für die Studenten, sondern auch für die späteren Arbeitgeber.

Hochschul-Wandel nutzen

Dafür ist zunächst ein Wandel von innen heraus nötig: Noch können die Hochschulvertreter und Universitätspräsidenten im Schatten der Politik schwimmen. Wenn die Stimmen der Studenten und Dozenten jedoch lauter werden, dann kann es bald schon anders aussehen. Zumindest wird Europa auf Dauer im bildungspolitischen Bereich nur gemeinsam mit US-amerikanischen und asiatischen Hochschulen mithalten können.

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Ihr Kommentar

  • Am 21. Juni 2014 um 08:06, von  Max Als Antwort Campus Europa

    Wettbewerb, Wettbewerb, Wettbewerb - und was passiert mit den „nicht wettbewerbsfähigen“ Studieninhalten und -einrichtungen?

  • Am 23. Juni 2014 um 22:42, von  Patrick Haase Als Antwort Campus Europa

    Hi Max,

    die nicht wettbewerbsfähigen Studieninhalte und -einrichtungen - nenne sie bitte dann auch, wenn du das anmerkst - werden wie heute eben auch von einer gemeinnützigen Trägerschaft getragen. Daran ändert die grundsätzliche an Vergleichbarkeit und Anpassung des Hochschulrahmens angelegte Strategie kaum etwas.

    Liebe Grüße Patrick

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