Mario Draghi versprach vor drei Jahren, die EZB werde den Euro retten, und leitete damit eine umstrittene EZB-Politik ein. Wie ist der aktuelle Stand?

Der 26. Juli 2012 war ein bedeutsamer Tag für die europäische Wirtschaftspolitik. Mit den Worten „The ECB is ready to do whatever it takes to preserve the Euro“ definierte Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), auf der Global Investment Conference in London heute vor genau drei Jahren die Rolle der EZB in der Krise . Diese Politik wurde mittlerweile in verschiedenen Maßnahmen umgesetzt – aber immer noch genauso umstritten, wie für die Bürger ungreifbar. Allein durch seine Zusage fielen damals die zuvor stark gestiegenen Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen der Krisenstaaten drastisch. Seine Rede entfaltete so bereits unmittelbar deeskalierende Wirkung in einem Zeitpunkt, in dem die Angst vor dem Zusammenbruch der Währungsunion groß und berechtigt war. Draghi setzte seine Pläne in weiteren Maßnahmen um: Im September 2012 rief die EZB das Rettungsprogramm „Outright Monetary Transactions (OMT)“ zum Aufkauf von Staatsanleihen ins Leben. Im März 2015 startete das Programm „Quantitative Easing (QE)“ mit dem sie im Rahmen von 60 Milliarden Euro monatlich Staatsanleihen aller Eurostaaten aufkaufen kann.

Doch was ist das Ziel dieser Maßnahmen? Eine Staatsanleihe ist nichts anderes, als eine Schuldverschreibung eines Staates, die dieser an Investoren ausgibt. Indem die EZB von Banken und Großinvestoren große Mengen an Staatsanleihen kauft, erhöht sie zum einen die Geldmenge und hofft andererseits darauf, dass diese Investoren mit dem neuen Geld wiederum Realinvestitionen tätigen, die die Wirtschaft ankurbeln. Allerdings ist eine derartige Politik nach wie vor umstritten, denn das Europäische Recht untersagt der EZB grundsätzlich eine unmittelbare Staatsfinanzierung. Aus diesem Grund legte das Bundesverfassungsgericht dem Europäischen Gerichtshof die Frage zur Entscheidung vor, ob Staatsanleihenankäufe durch die EZB zulässig seien. Diese Frage wurde im Juni 2015 beantwortet: Die EZB darf im Rahmen des OMT-Programms Staatsanleihen ankaufen. Mit dem QE-Programm verfolgt die EZB allerdings noch einen weiteren Gedanken: So dürfen in diesem Programm nur Staatsanleihen gekauft werden, die als „sicher“ eingestuft sind oder von Ländern, die sich in einem Troika-Hilfsprogramm befinden. Wollen die Griechen also von QE-Programm profitieren, müssen sie sich mit den Gläubigern auf ein neues Hilfsprogramm verständigen.

Ob die Maßnahmen der EZB tatsächlich Erfolg haben, wird sich erst langfristig zeigen. Es scheint aber, als habe Draghi auch drei Jahre nach seiner aufsehenerregenden Rede noch immer einen Plan, den er hartnäckig und konsequent verfolgt: “Die Hummel muss sich zu einer Biene weiterentwickeln.” Ähnlich wie ein Bienenvolk kann auch die Eurozone nur durch Zusammenarbeit überleben.