Vom Immobilientycoon zum Präsidenten der USA? Multimillionär Donald Trump geht als aussichtsreicher Kandidat in die amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016. Seine Wahlkampagne ist ein absonderlicher Exzess von Vereinfachung, Polemisierung und Beleidigung. Donald Trump wurde lange als Witzfigur betrachtet, doch sein Populismus ist eine Gefahr für die Demokratie – auch in Europa.

Im Flynn Center for the Performing Arts in Burlington/Vermont trat am vergangenen Donnerstag ein Mann auf, der die Vorwahlen der amerikanischen Präsidentschaftswahlen seit Monaten komplett für sich vereinnahmt. Multimillionär Donald Trump sprach vor Tausenden von Anhängern, die ihm willentlich zu Füßen lagen. So wie alle seine Wahlkampfreden war Trumps Vortrag auch dieses Mal eine wüste Aneinanderreihung von Vereinfachung, islamophober Hetze und plumpem Geprolle. Atemlos sprang der Immobilientycoon von einem Themenkomplex zum nächsten: Er sprang von persönlichen Anekdoten hin zum globalen Terrorismus, von Islamismus zu Barack Obama, von Gesundheitsversorgung zu Grenzkontrollen und wieder zurück. Unterbrochen wurde er von ständigen Zwischenrufen und Sprechchören aus dem Publikum. In hitzig-aggressiver Atmosphäre inszenierte sich Donald Trump als vermeintlich letzte Hoffnung für die vom Untergang bedrohten USA. Mit diesem Narrativ steht er seit Monaten an der Spitze der Liste der republikanischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2016. Trumps Wahlkampf ist in Gänze ein populistischer Exzess, der den Europäern als Warnung gelten muss, in welche Richtung sich der demokratische Wettstreit auch auf dem europäischen Kontinent entwickeln könnte.

Der Antipolitiker

Donald Trump rühmt sich mit seinem Reichtum, den er mithilfe seiner Erfolge im Immobiliensektor erwirtschaftet hat. Er profitiert zudem von einer Popularität, die er seiner Rolle als harter Geschäftsmann in der Reality Soap „The Apprentice“ verdankt. Die Tatsache, dass er selbst früher die Wahlkämpfe anderer Politiker mit üppigen Spenden unterstützt hat, nutzt er heute als Beleg dafür, wie verkommen und korrupt die Demokratie in den USA sei. Trotz seiner Millionen positioniert sich Trump als ein Mann aus dem Volk. Es ist eine Taktik, die sich auch in Europa zunehmender Beliebtheit erfreut – die bewusste Polarisierung zwischen Volk und korruptem Establishment. Wie bei den Rechtspopulisten in Österreich, Deutschland oder Frankreich funktioniert der Trump’sche Populismus durch eine Herabsetzung und Entwürdigung des demokratischen Systems und der scheinbar notwendigen Widererlangung der Kontrolle durch das Volk.

Polemik gegen Einwanderer

Wie man das Thema Einwanderung emotionalisiert hat Trump schon in seiner Antrittsrede vom Juni 2015 gezeigt, als er Mexiko vorwarf, es würde Vergewaltiger über die Grenze nach Amerika schicken. Die Nachrichten über die Flüchtlingskrise und die Terroranschläge in Europa verrührt Trump zu einem Brei aus Ressentiments und Fremdenangst. Die sexuellen Übergriffe auf junge Frauen in der Sylvesternacht in Köln, dienen ihm dabei Einwanderer kollektiv als Sextäter zu brandmarken. Auch von europäischen Rechtspopulisten werden diese Vorfälle ausgeschlachtet und bisweilen zum deutschlandweiten Notstand verklärt.

Inszenierung anstelle von politischen Inhalten

Dabei geht Trump alles andere als zimperlich mit seinen weiblichen Kritikerinnen um. Politische Konkurentinnen und kritische Journalistinnen greift er regelmäßig unter der Gürtellinie an, und liefert den Medien somit kontinuierlich neue Schlagzeilen. Neben republikanischer Folklore (Steuersenkungen, Rücknahme der gesetzlichen Krankenversicherung etc.) unterhält er die Öffentlichkeit mit immer abstruseren Forderungen und Versprechen: Den IS will er „in die Hölle bomben“, um den Terror endgültig zu besiegen. Bis auf weiteres will er die Einwanderung von Muslimen komplett aussetzen. Er will eine Mauer zwischen Amerika und Mexiko errichten, um unliebsame lateinamerikanische Einwanderer fern zu halten. Das Internet will er an den Orten, an denen islamistische Terroristen kommunizieren, "abschalten“. Den amerikanischen Traum erklärt Donald Trump für tot und inszeniert sich selbst als den Einzigen, der ihn für das amerikanische Volk wiederbeleben könnte. Kurzum: Was Trump seit Monaten in die Öffentlichkeit pöbelt ist ein bizarrer Mix aus Vereinfachungen, unrealistischen Heilsversprechen und Hetze gegen Minderheiten.

Die Verachtung demokratischer Werte

In Burlington surft Trump mit diesen Forderungen auf einer Woge der Begeisterung. „Build-a-wall!“ (zu Deutsch: Bau eine Mauer!), skandieren seine Anhänger immerzu, wenn Trump seine Rede unterbrechen muss. Und das muss er oft, denn immer wieder mischen sich lautstarke Trump-Kritiker unter sein Publikum. Unter Sprechchören und tosendem Beifall werden die unliebsamen Zwischenrufer dann hinausgeworfen. In diesen Momenten zeigt sich das aggressive, ausgrenzende Potential in Trumps Wählerschaft.

Trumps Kandidatur und Wahlkampagne ist immer wieder verspottet und belächelt worden. Doch es ist ihm gelungen, seine überwältigenden Umfragewerte ins Jahr der Präsidentschaftswahlen zu tragen. Auch wenn ihn seine Kampagne am Ende nicht ins Oval Office bringen sollte, so schädigt sein Populismus fortwährend der Demokratie, indem er die elementaren Umgangsformen in einer demokratischen Gesellschaft mit Füßen tritt. Sein Populismus kennt keine Diskussion, keine Widerrede und keinen Kompromiss. Er kennt nur: Polarisierung, Diffamierung und Inszenierung. Um die Werte der Demokratie zu schützen muss dieser Populismus bekämpft werden – und zwar überall.