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Sechs Stimmen aus dem anti-rassistischen Aktivismus

, von  Clara C. Föller, Jula Lühring, Marie Menke

Sechs Stimmen aus dem anti-rassistischen Aktivismus
Ein Demoschild mit der Aufschrift „Weißes Schweigen ist Gewalt“ wird hochgehalten. Foto: Unsplash / Koshu Kunii / Unsplash License

In der vergangenen Woche haben wir mehrfach über rassistische Polizeigewalt geschrieben. Dabei ist klar geworden: Hinter den zahlreichen Todesfällen steckt weit über sie hinausgehender, struktureller Rassismus. Wann sich dieser zeigt, wie er entstanden ist und wie Menschen dagegen kämpfen, haben uns zahlreiche Aktivist*innen gelehrt. Daher haben wir sechs Follow-, Lese- und Hörempfehlungen gesammelt, die weder vollständig noch ein Best Of, aber ein Anfang für Recherchen und Lernen sein können.

Alice Hasters: Autorin, Podcasterin, Journalistin

„Darf ich mal deine Haare anfassen?“, „Kannst du Sonnenbrand bekommen?“, „Wo kommst du her?“ - Warum diese Fragen rassistisch sind, erklärt Alice Hasters in ihrem Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“. Die Journalistin, Autorin und Podcasterin ist eine Schwarze Frau in Deutschland und erzählt mit unendlicher Geduld davon, was das bedeutet: Sie beschreibt rassistische Alltagserfahrungen ihrer Kindheit, Jugend und ihres Berufsleben, was das Schwarzsein für ihre Identität bedeutet und warum sie sich manchmal wie die Figur Carlton aus der Serie „The Fresh Prince of Bel-Air“ gefühlt hat. Dabei erklärt sie gleichzeitig wichtige Konzepte wie “white fragility”, rassistische Dynamiken wie die Täter-Opfer-Umkehr sowie historische und politische Zusammenhänge, die zu der massiven Verankerung von systemischem Rassismus geführt haben. Ein Einsteiger-taugliches Werk ebenso wie für alle, die sich mit dem Thema schon beschäftigt haben und weiter dazulernen möchten.

Wer lieber hört, kann Hasters Stimme übrigens im Podcast Feuer & Brot lauschen, in dem sie seit 2016 gemeinsam mit der Schauspielerin Maximiliane Häcke über alles zwischen Politik, Popkultur und Feminismus spricht. Ihre journalistische Arbeit findet sich außerdem in zahlreichen Medien wie dem Deutschlandfunk und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Instagram: @alice_haruko
Twitter: @alicehasters


Aminata Belli: Moderatorin, Reporterin und laut RosaMag die wichtigste afrodeutsche Stimme

An Aminata Belli führt im deutschen Fernsehen kein Weg vorbei: Neben zahlreichen Moderationen für MTV, Warner Music, den NDR und das öffentlich-rechtliche funk, moderierte sie anlässlich der Europawahl 2019 das Gesprächsformat “Mein erstes Mal” im ZDF. Deutsche EU-Spitzenpolitiker*innen mussten sich dort den Fragen von Erstwähler*innen stellen.

Die über die Jahre erlangte Bekanntheit der studierten Modejournalistin spiegelt sich heute in etwa 100 000 Instagram-Follower*innen wieder. Belli nutzt die Aufmerksamkeit, um die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Alltagsrassismus, Empowerment und Feminismus immer wieder neu zu betonen. Einen tiefen Einblick in ihre Gedankenwelt gibt die gebürtige Schleswig-Holsteinerin im Porträt des RosaMags.

Instagram: @aminatabelli
Twitter: @AminataBelli


Aminata Touré: Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtags


Aminata Touré hat gleich doppelt Geschichte geschrieben: Sie ist nicht nur die erste afrodeutsche sondern auch die jüngste Vizepräsidentin eines deutschen Landtags. Bis zu den Europawahlen im Juni 2019 hatte Rasmus Andresen die Präsidentschaft im Landtag Schleswig-Holsteins inne. Als dieser ins Europäische Parlament wechselte, wählten die Abgeordneten Touré zu seiner Nachfolgerin.

Bei den Grünen war sie damals aber kein Neuling: Vor acht Jahren wurde sie Mitglied der Grünen Jugend in Kiel, nur ein Jahr später wählte die Gruppe sie zur Sprecherin. Dann war sie Beisitzerin im Landesvorstand der Schleswig-Holsteiner Grünen und arbeitete für die Bundestagsabgeordnete Luisa Amtsberg. Nach den Landtagswahlen 2017 zog Touré selbst in den Landtag Schleswig-Holsteins ein. Ihre Kernthemen: Migration, Antirassismus, Frauen und Gleichstellung, Kinder und Jugend sowie Queerpolitik.

Wer wissen möchte, wie Touré ticket, wird in Podcasts fündig: Gemeinsam mit ihrem Kollegen Lasse Petersdotter spricht sie in „Das nehme ich mal mit“ über Black Lives Matter-Proteste und Geflüchtete auf Lesbos ebenso wie über Arbeit im Home Office und Teamspirit in der Politik. Nicht weniger empfehlenswert: Am 16. Juni war Touré Gast in Eva Schulz Podcast „Deutschland 3000“ . Für alle, denen das noch nicht reicht, schreibt sie außerdem einen Blog.

Instagram: @aminajmina
Twitter: @aminajxx


Emilene Wopana Mudimu: Aktivistin, Poetin und Leiterin des Jugend- und Kulturzentrums KingzCorner in Aachen

Emilene Wopana Mudimu spricht, schreibt und lehrt zu Rassismuskritik und Schwarzem Empowerment. Sozial engagiert ist sie nach eigenen Aussagen schon immer. Ein Lesekreis an der Uni und vielleicht auch der Moment, als sie mit 19 beschloss, einem vermeintlichen Schönheitsideal den Kampf anzusagen und ihre Haare nicht länger einer ebenso schmerzhaften und wie gesundheitsschädlichen chemischen Glättung auszusetzen, weckten ihr politisches Interesse. Seitdem beschäftigt sie sich mit der Dekonstruktion westlicher Schönheitsideale und der Politisierung Schwarzer Körper.

Um einen Raum für interkulturellen Dialog zu schaffen und vor allem jungen Menschen aus der BIPoC-Community die Gelegenheit zu geben, ihre Stimme hörbar zu machen, gründete Wopana zusammen mit ihrem Mann Sebastian 2012 das Jugend- und Kulturzentrum KingzCorner in Aachen. Durch urbane Kunst- und Musikformen, etwa Hip Hop, Streetart und Graffiti, möchten sie Jugendliche in ihrer Lebensrealität abholen und darin fördern, sich selbst zu entfalten. Seit 2015 nimmt sich das Zentrum auch verstärkt unbegleiteten und minderjährigen Geflüchteten an. Persönlich verarbeitet Emilene Wopana Mudimu gesellschaftliche Themen vor allem über ihre Poesie. Ihre Arbeiten macht sie über Instagram, YouTube und ihren eigenen Blog der Öffentlichkeit zugänglich.

Instagram: black_is_excellence; wopana.words; kingzcorner_aachen
YouTube: WOPANA’S QUARANTÄNE POESIE


Noor: Was Europäer*innen jetzt machen können

Noor zeigte eindrucksvoll, wie politisch Instagram sein kann: Am 1. Juni lud die Niederländerin einen Instagram-Post mit der Überschrift „How can I help from Europe?“ („Wie kann ich aus Europa helfen?“) hoch. „Mir ist aufgefallen, dass viele Menschen (darunter auch ich) zum Kampf gegen Anti-Schwarzsein beitragen möchten, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen, weil sie nicht in den USA leben“, schrieb Noor in der Bildunterschrift über die auf den Tod George Floyds folgenden Proteste.

Die vier Tipps, die Noor gesammelt hat: sich aktiv gegen Rassismus aussprechen, sich selbst hinterfragen und weiterbilden, (Alltags-)Rassismus auch in Europa anerkennen und bekämpfen sowie sich in ungerechten Situationen auch für andere einsetzen. „Es geht nicht darum, perfekt zu sein und alles zu wissen, es geht um die Mühe, die man sich macht, wenn man dazulernt und anderen etwas beibringt, sodass wir alle wachsen und (ver)lernen können“, schreibt sie. Dabei stellt sie auch klar: Es ist nicht die Aufgaben von Schwarzen Menschen, kostenlose Anti-Rassismus-Bildung jederzeit zur Verfügung zu stellen. Über 400 000 Menschen haben inzwischen „Gefällt mir“ gedrückt, zahlreiche haben den Beitrag geteilt.

Instagram: @nnoorxo


Tupoka Ogette: Trainerin, Beraterin, Autorin und Podcasterin

Rassismuskritisch denken lernen - dazu stößt Tupoka Ogette als Beraterin, Autorin, Podcasterin im Format (tupodcast) und insbesondere als Anti-Rassismus-Trainerin in ihren Workshops an. Ihr Buch “Exit Racism” bringt den Workshop zu jedem*jeder nach Hause und sollte Pflichtlektüre für weiße Menschen sein. Neben der gedruckten Version gibt es “Exit Racism” auch als Hörbuch - zum Beispiel bei Spotify.

Der Zustand, in dem weiße Menschen leben, solange sie Rassismus nicht erkennen, bezeichnet Ogette als “Happyland”. Sie gibt uns einen Stupser, dieses Happyland zu verlassen und sich damit auseinanderzusetzen, was Rassismus ist, wie er sich heute manifestiert und historisch manifestiert hat sowie wo wir ihn systemisch, aber auch sichtbar im Alltag vorfinden. Nämlich überall: in unseren Kinderbüchern, in unserer Sprache, in uns. Wer Ogette zuhört versteht: Rassismus ist kein rechtes Problem, sondern eine Normalität, die von uns allen aufrechterhalten wird. Wichtiger Schritt der Rassismuskritik ist zu erkennen: Ich bin Teil der Mehrheit, ich bin Teil des Motors.

Ogette zeigt auf, wie wir Rassismen reproduzieren, und stößt uns auf einen Weg der Selbstreflektion. Dieser Prozess wird garantiert emotional, es geht schließlich um nichts weniger als die eigene Sozialisierung. Wir sind diesem Prozess aber nicht allein: Ogette nimmt uns kollektiv an die Hand und entlässt uns in die noch viel größeren Prozesse: lebenslang weiterzulernen und Verantwortung zu übernehmen.

Twitter: @Tupoka_O
Instagram: @tupoka.o


Rassismus kann unterschiedliche Gesichter haben und Teil von Mehrfachdiskriminierungen sein. Einen Anspruch auf Vollständigkeit haben die hier aufgeführten Empfehlungen nicht. Stattdessen können sie als Startpunkt auf der Suche nach Ressourcen dienen.


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