„Schenkt Europa den nächsten Erasmus-Moment!“

#FreeInterrail

, von  Martin Speer, Vincent-Immanuel Herr

„Schenkt Europa den nächsten Erasmus-Moment!“

In einem Brief an die EU fordern mehr als 100 Prominente ein kostenloses Interrail-Ticket für junge Europäer. Dazu gehören etwa Joschka Fischer und Martin Walser.

Der Offene Brief von Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer ist zuerst auf Deutsch bei ZEIT Online und auf Englisch bei POLITICO Europe erschienen.

Ein Interrail-Ticket zum 18. Geburtstag – ganz umsonst? Genau dafür setzt sich die Initiative #FreeInterrail ein und erhält immer mehr Zuspruch. In einem offenen Brief an die EU-Kommission und den Rat der Europäischen Union fordern die Initiatoren, allen EU-Bürgerinnen und -Bürgern zum 18. Geburtstag einen kostenfreien Interrail-Monatspass zur Verfügung zu stellen. Nur wer Europa kenne, könne es auch schätzen. Und die Möglichkeit, Europa zu erfahren, dürfe nicht einer privilegierten Minderheit vorbehalten bleiben. Mittlerweile haben mehr als 100 Politikerinnen und Politiker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Schauspielerinnen und Schauspieler, Schriftstellerinnen und Schriftsteller und Aktivisten das Schreiben unterzeichnet. Hier lesen Sie den Brief der Initiative #FreeInterrail. Die Idee geht auf die beiden Aktivisten Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer zurück. Sie stellten das Projekt auf Konferenzen und in Zeitungsbeiträgen vor, unter anderem beim Festival Z2X von ZEIT ONLINE.

Sehr geehrter Herr Präsident Juncker,

sehr geehrte Mitglieder der Europäischen Kommission,

sehr geehrter Herr Präsident Tusk,

sehr geehrte Mitglieder des Europäischen Rates,

im Leben aller großen Institutionen und politischen Projekte gibt es Momente, in denen große Entscheidungen anstehen. Momente, die Mut und Visionskraft erfordern und Generationen nachhaltig prägen werden. Die Europäische Union befindet sich an der Schwelle eines solchen Moments. In den nächsten wenigen Jahren wird sich entscheiden, ob die Vision eines friedlichen, geeinten und solidarischen Europas das prägende Narrativ des Kontinents bleibt. Oder ob die Zeit vor uns von Nationalismus, Grenzen und oppositionellen Interessen geprägt sein wird. Der Schlüssel zur Zukunft Europas liegt in den Händen der zukünftigen Generationen. Es wird jetzt darauf ankommen, ob wir der jungen Generation Perspektiven eröffnen und es ihnen ermöglichen, Europa kennen- und schätzen zu lernen. Europäerin und Europäer wird niemand durch Schulbücher oder Werbebroschüren. Europäerin und Europäer wird man durch Erfahrung, durch Austausch, Freundschaften und Reisen. Universale Mobilität ist der entscheidende Faktor. Noch immer ist es nur einem Bruchteil der jungen Generation möglich, Erfahrungen in anderen EU-Ländern zu sammeln oder von Programmen wie Erasmus+ und dem Europäischen Freiwilligendienst zu profitieren. Europa kennenzulernen, seinen Menschen und Kulturen zu begegnen, ist weiterhin das Privileg einer Minderheit.

Wer Europas Zukunft und Zusammenhalt sichern und stärken will, muss das Privileg weniger zu einer Möglichkeit für alle machen

Dafür liegt ein konkreter und praktikabler Vorschlag auf dem Tisch. #FreeInterrail. Die Idee ist einfach: Alle EU-Bürgerinnen und Bürger erhalten einen Interrail-Gutschein zum 18. Geburtstag. Innerhalb von sechs Jahren kann dieser für ein 30-Tage-Ticket eingelöst werden. Die Briefe zum 18. Geburtstag kommen von Ihnen, aus der Europäischen Kommission, und stellen sofort eine direkte Verbindung zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und ihren europäischen Institutionen her. Die Vorteile von #FreeInterrail sind zahlreich: Jungen Menschen eröffnen sich neue Chancen und Erfahrungen, umweltfreundlicher Verkehr wird gefördert, Regionen und Kleinstädte gestärkt, Tourismus gesteigert und die Wirtschaft angekurbelt. #FreeInterrail befeuert kulturellen Austausch sowie Bildung und beugt Stereotypen vor. Auch wäre es der Einstieg in andere EU-Jugend- und Austauschprogramme. Zivilgesellschaftliche Organisationen, Jugendverbände und soziale Arbeit würden mit ihren Angeboten einen Rahmen schaffen, sodass wirklich alle jungen Menschen eine Reise ins Ausland machen können. Jugendnetzwerke, Onlineangebote und lokale Infospots können Reisende mit sozial schwächeren Hintergründen unterstützen. Die Verwirklichung ist möglich und realistisch: Die Infrastruktur steht, die Züge, Busse, Schiffe fahren. Lediglich die jungen Reisenden warten noch. #FreeInterrail wäre das erste EU-Programm für alle jungen Menschen und ein Türöffner zur Vielfalt und Schönheit unseres Kontinents. Der Vorschlag, der seinen Ursprung in der Zivilgesellschaft hat, begeistert Menschen in ganz Europa, lässt sie träumen und hoffen und hat mittlerweile auch die Mehrheit des Europäischen Parlamentes überzeugt. Das geplante Pilotprojekt für das Jahr 2018 ist ein erster wichtiger Schritt. Lassen Sie uns gemeinsam weitergehen. Jetzt liegt die Entscheidung bei Ihnen, Damen und Herren der Europäischen Kommission und des Europäischen Rates. Sie setzen die Prioritäten für die nächsten Jahre. Machen Sie #FreeInterrail zu einem Teil davon. Verwirklichen Sie den Vorschlag, und nehmen Sie die Gelder nicht aus anderen Jugendprogrammen, sondern vergrößern Sie die Mittel, die an junge Leute gehen. Es ist ein kluges und nachhaltiges Investment in Europas Zukunft. Mit Erasmus begann die Vision vom Austausch junger Menschen in Europa. Mit #FreeInterrail wird daraus eine Erfahrung für die gesamte Generation. Geben Sie der Jugend Zugang zu Europa, damit diese uns allen eine europäische Zukunft geben kann.

Hochachtungsvoll,

Die Unterzeichnenden

Auswahl der Unterzeichnenden

Robert Menasse, Schriftsteller, Österreich László Andor, ehemaliger EU-Kommissar, Ungarn Martin Walser, Schriftsteller, Deutschland Joschka Fischer, ehemaliger Außenminister, Deutschland Daniel Brühl, Schauspieler, Deutschland Til Schweiger, Schauspieler, Deutschland Benno Fürmann, Schauspieler, Deutschland Prof. Dr. Ulrike Guerót, Politikwissenschaftlerin, Deutschland Dr. Daniel Röder, Initiator von Pulse of Europe, Deutschland Prof. Dr. Philipp Hübl, Philosoph, Deutschland Andreas Mühe, Fotograf, Deutschland Felix Adlon, Filmproduzent, Deutschland Jochen Schropp, Schauspieler, Deutschland Sibylle Berg, Schriftstellerin, Schweiz/Deutschland David Crisóstomo, Political Thinker, Portugal Lena Morozova-Friha, EuropaNova, Executive Director, Frankreich Håkan A. Bengtsson, Journalist, Schweden Stavros Papagianneas, Schriftsteller, Griechenland Vedran Horvat, Institute for Political Ecology, Kroatien Vittorio Longhi, Schriftsteller, Italien Andrea Venzon, Präsident von VOLT Europa, Italien Dr. Erhard Busek, ehemaliger Vizekanzler, Österreich Nini Tsiklauri, Initiatorin von Pulse of Europe Vienna, Österreich Nina Adlon, Opernsängerin, Österreich Verena Ringler, Schriftstellerin, Österreich Katharina Moser, Europäische Aktivistin, Mosaik, Österreich Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik, Österreich Dr. Marek Hlavac, Politikwissenschaftler, Scholar Harvard Univ., Slowakei Vladimír Bartovic, Direktor, Europeum Institute for European Policy, Tschechien Martin Michelot, stellvertretender Direktor, Europeum Institute for European Policy, Tschechien Zuzana Stuchlíková, Chefin des Brüssel-Büros, 
Europeum Institute for European Policy, Tschechien Barbara Holzer, Präsidentin des Club Alpbach, Brüssel, Belgien Benjamin Bodson, Politikwissenschaftler, Belgien Silvan Wagenknecht, Initiator von Pulse of Europe, Berlin, Deutschland Christian Freudlsperger, Vizepräsident von Polis180, Deutschland Frank Trümper, CEO Baden-Badener Unternehmer Gespräche, Deutschland Natalya Nepomnyashcha, Gründerin von Netzwerk Chancen, Deutschland Dr. Steffen Siegel, Kunstkritiker, Deutschland Dr. Gunnar Wöbke, Präsident von Fraport Skyliners, Deutschland Katja Sinko, The European Moment, Vizepräsidentin der Jungen Europäischen Bewegung, Deutschland Dr. Dr. Alexander Görlach, Politikwissenschaftler, Deutschland Akilnathan Logeswaran, Beirat des World Economic Forum, Deutschland Dominik Schlett, Diem 25, Deutschland Julian Zuber, Politikwissenschaftler, Deutschland Peter Jelinek, The European Moment, Deutschland Christian Wittstadt, CEO RPM Revolutions per Minute, Deutschland Philipp Sälhoff, Progressives Zentrum, Deutschland Matthias Lefahrt, Haus des Familienunternehmens, Deutschland Dr. Alexander Freiherr Knigge, Pulse of Europe, Deutschland Peter Funk, Pulse of Europe, Eurovision Berlin, Deutschland Soscha Gräfin zu Eulenburg, Pulse of Europe, Deutschland Andre Wilkens, Die Offene Gesellschaft, Deutschland Alexander Wragge, Die Offene Gesellschaft, Deutschland Claudia Langer, Generationen Stiftung, Deutschland Prof. Dr. Annette Kreutziger-Herr, Schriftstellerin, Deutschland Damian Boeselager, Vizepräsident von VOLT Europa, Deutschland Dr. Mayte Schomburg, Vorsitzende des Publixphere e.V., Deutschland André Schmitz-Schwartzkopf, Vorsitzender der Schwarzkopf Foundation, Deutschland

Der Offene Brief von Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer ist zuerst auf Deutsch bei ZEIT Online und auf Englisch bei POLITICO Europe erschienen.

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