Dänemark - das kleine Land im Norden Europas, bekannt für Wohlstand, Hygge, Lego und Wikinger. Doch auch bekannt für eine strenge Asylpolitik und strikte Einhaltung der Bürokratie. Dieses Jahr schaffte es das Land weltweit in die Medien, als Trump drohte, die zu Dänemark gehörende Insel Grönland zu beanspruchen.

Am 24. März diesen Jahres ging die dänische Bevölkerung zur Wahl. Die Stimmen wurden gezählt und die Ergebnisse wurden veröffentlicht. So viele Frauen wie noch nie wurden ins Parlament gewählt. Erst Ende Juni schaffte es Mette Frederiksen eine neue Regierung in dem kleinen skandinavischen Land zu bilden. Lasst uns einen Blick auf die politische Landschaft des Landes werfen.

Der Kampf um den Ministerposten

Es war ein knapp drei Wochen langer Wahlkampf, den die dänischen Politiker*innen führten. Es war eine kurze und intensive Wahlperiode.

Politiker*innen der 12 Regierungsparteien gaben ihr Bestes, um möglichst viele Stimmen für sich zu ergattern. Vor allem drei Personen kämpften um den Posten als kommende Ministerpräsidentin oder kommender Ministerpräsident des Landes: die vorherige Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (Sozialdemokraten), der schweigsame und unscheinbare Vize-ministerpräsident Troels Lund Poulsen, der der konservativ-liberalen Partei Venstre angehört, und Alex Vanopslagh, Vorsitzender der wirtschaftsliberalen Partei Liberal Alliance. Vanopslagh errang vor allem Aufmerksamkeit, in dem er eingestanden hatte, öfter gekokst zu haben, dafür, dass er sich selbst Daddy nennt und im Parlament einen Hitlergruß gezeigt hat.

Die dänische Blockpolitik

Die 12 Parteien sind aufgeteilt in“roter Block” und “blauer Block”. Im roten Block befinden sich die Parteien, die sozialliberal, links und grün sind. Zum blauen Block gehören die konservativen, wirtschaftsliberalen und rechtspopulistischen Parteien. Zwei der 12 Parteien befinden sich in der Mitte, Moderaterne und Radikale Venstre, und gehören keinem der Blöcke an.

Die Stimmenschlucker

Die meisten persönlichen Stimmen bekam der rechtsextreme Politiker Morten Messerschmidt, der der dänischen Volkspartei Dansk Folkeparti angehört. Seit den frühen 2000ern ist er einer der Frontfiguren der Partei. Bekannt ist er für seine abwertende Politik gegenüber Ausländer*innen, seine Pläne radikale Abschiebungen durchzusetzen und dafür, dass er im Jahr 2007 in einem Freizeitpark Nazi-Parolen gegrölt hat.

Ein anderer Politiker, der viele Stimmen erhalten hat, ist Pelle Dragsted. Er gehört der links-grünen Partei Enhedslisten an. Seine Partei war die beliebteste im Kreis Kopenhagen. Mit seinen Standpunkten gegenüber Asylpolitik, Klima, Klassenkampf und Wohlfahrt ist er ein starker Kontrast gegenüber Morten Messerschmidt. Messerschmidt wird als rechtsextrem bezeichnet, Dragsted als linksradikal.

In Dänemark hat die Macht ein weibliches Gesicht

Seit Juni 2019 regiert Ministerpräsidentin Mette Frederiksen das kleine Land im Norden Europas. Bekannt ist sie für ihr Auftreten, das Macht ausstrahlt, ihren Kampf für den Wohlfahrtsstaat und ihre, für Sozialdemokraten, strenge Ausländerpolitik.

Auf der internationalen Szene zeigt sie sich besonders gut: Gegenüber Trumps Drohungen, Grönland zu kaufen, setzte sie sich stark durch, sie betont weiterhin die Wichtigkeit der Unterstützung der Ukraine und pflegt starke Beziehungen zu Staatsoberhäuptern anderer Länder.

Frederiksen gehört zur Partei Socialdemokratiet und ist die zweite weibliche Ministerpräsidentin in der Geschichte Dänemarks. Bis 2024 standen mit Königin Margrethe und Frederiksen gleich zwei Frauen in den höchsten Machtpositionen des Landes. Königin Margrethe II. war 52 Jahre lang Herrscherin Dänemarks.

Frederiksens Partei Socialdemokratiet ist eine sozialdemokratische Partei, die den dänischen Wohlfahrtsstaat fördert und sich für den Kampf gegen soziale Ungleichheit einsetzt. Kernwerte der Partei sind globale Gleichheit, Freiheit, Solidarität und internationale Sicherheit. Die Sozialdemokratische Partei ist die älteste Partei Dänemarks und gehört dem “roten Block” an.

Ein halbes Jahr nach Beginn ihrer Amtszeit brach die COVID-19 Pandemie aus, für ihre Corona-Maßnahmen und Impfregelungen gewann Frederiksen viel Anerkennung und Unterstützung von ihrer Bevölkerung. Doch nach ihrem “Nerzskandal” - sie ließ alle Nerze des Landes hinrichten - und der Abschaffung des Buß- und Bettags verlor sie an Rückhalt.

Im Herbst 2022 wurde zur Wiederwahl aufgerufen und die Sozialdemokraten waren wieder die stärkste Partei. Frederiksen beschloss, eine Mehrheitsregierung bestehend aus drei Parteien zu bilden. Dies kam das letzte Mal in den 90er-Jahren vor. Die Regierung bestand aus den Sozialdemokraten, der Partei Venstre (Blauer Block) und der Partei Moderaterne (Mitte).

Das ewige hin und her

Am 26. Februar 2026 kündigte Frederiksen neue Wahlen an. Wie bei der letzten Wahl bekamen die Sozialdemokraten die höchste Anzahl Stimmen, gefolgt von Socialistisk Folkeparti, Venstre und Liberal Alliance. Die Mandatenverteilung sieht folgendermaßen aus:

Von den 175 Mandaten sind 86 an Frauen vergeben, also fast die Hälfte. So viele weibliche Mandate gab es im dänischen Parlament noch nie. Was Gleichstellung betrifft, ist Dänemark immer schon Vorreiter gewesen. Ob man Mette Frederiksen mag oder nicht, sie hat bewiesen, dass Frauen in die Politik gehören. Sie hat bewiesen, dass Frauen in Machtpositionen Männern in nichts nachstehen.

Noch immer keine neue Regierung

Den Regierungsparteien fiel es schwer sich einig zu werden und eine neue Regierung zu bilden. Einige Parteien wollen nicht mit anderen Parteien zusammenarbeiten. Liberal Alliance klagt Lars Løkke Rasmussen, Vorsitzender der Moderaterne und dänischer Außenminister, dafür an, Wahlbetrug gemacht zu haben. Socialistisk Folkeparti möchte nicht in eine Regierung mit Venstre und De Konservative. Die blauen Parteien wollen nicht eine Regierung mit den roten Parteien bilden und umgekehrt.

Und man konnte sich monatelang nicht darauf einigen, wer den Posten als Ministerpräsidentin oder Ministerpräsident besetzen soll. Seit dem 23. Mai ist Mette Frederiksen die“königliche Untersucherin”, das bedeutet, dass der König sie dazu ausgerufen hat, eine neue Regierung zu bilden. Frederiksen vereinte Anfang Juni schließlich ein Mitte-Links-Bündnis. In der dänischen Regierung sind nun die Sozialistischen Volkspartei, die Moderaten, die Sozialliberale Partei und natürlich die Sozialdemokraten vertreten.