Ein Gastbeitrag von Res Publica Europa

Lasst uns Anti-Diskriminierungs-Quoten für EU-Trainees einführen!

, von  Res Publica Europa, übersetzt von Annabelle Bauer

Lasst uns Anti-Diskriminierungs-Quoten für EU-Trainees einführen!
Die EU-Institutionen sollten die Vielfalt Europas widerspiegeln. Foto: zur Verfügung gestellt von Helena Malikova

Die EU-Institutionen stellen sich oft als Kämpfer für Vielfalt und die Gleichstellung benachteiligter Gruppen dar. Jedoch leidet ihre eigene Belegschaft noch an mangelnder Diversität. Der überparteiliche Think Tank Res Publica Europa fordert, insbesondere bei der Auswahl für das Traineeprogramm der EU-Institutionen anzusetzen, um mehr Vielfalt zu forcieren. Ein Kommentar

Der Gastbeitrag wurde zuerst auf Englisch bei EUObserver veröffentlicht.

Wir sprechen oft von der Vielfalt der Europäischen Union als eine ihrer Stärken. Aber pro-europäische Slogans wie „Stronger Together“ klingen hohl, wenn sie sich nur auf die Solidarität zwischen Staaten und Regierungen beziehen. Wir sind wirklich gemeinsam stärker, wenn sich alle Bürger*innen - unabhängig von ihrer Hautfarbe und Ethnie – in Europa zu Hause fühlen. Einige Europäer*innen meinen, die Beachtung der Hautfarbe von europäischen Bürger*innen sei an sich schon rassistisch. Sie sagen, es sei richtig, blind gegenüber der Hautfarbe zu sein.

Wir sind anderer Meinung, wir entscheiden uns dafür, Farbe zu sehen, und wir wollen noch weiter gehen. Wir sind der Meinung, dass es die Aufgabe Europas ist, auf die Menschen zuzugehen, die einen Mangel an Solidarität seitens der öffentlichen Behörden erwarten könnten. Als Beamt*innen und Interessensgruppen der EU fordern wir unsere Institutionen auf, mehr Verantwortung dafür zu übernehmen, dass das europäische Projekt zu einem Projekt der Solidarität zwischen Menschen aus allen Lebensverhältnissen wird, angefangen bei seinem wichtigsten Gut: den Menschen.

Trainees sind Botschafter*innen des europäischen Projekts

In erster Linie sollte der Schwerpunkt auf der Jugend und dem bezahlten Traineeprogramm der Europäischen Kommission liegen, das im Brüsseler Jargon „Blue Book“ genannt wird. Das „Blue Book“ Programm bietet jedes Jahr Hunderten von jungen Europäer*innen die Möglichkeit, Zeit in den europäischen Institutionen zu verbringen. Ehemalige Praktikant*innen sind de facto junge Botschafter*innen des europäischen Projekts. Sie sprechen über ihre Erfahrungen mit Familien und Kolleg*innen, die die EU sonst wahrscheinlich nicht erreichen könnte. Einige ehemalige Praktikant*innen streben erfolgreiche Karrieren in anderen Organisationen und Unternehmen an.

Wir fordern die Anwendung positiver Diskriminierung auf das „Blue Book“ Programm. Quoten würden die Aufnahme von People of Colour, auch aus nicht-privilegierten Verhältnissen, gewährleisten. Die Auswahl der Praktikant*innen sollte sich somit auf ein vordefiniertes objektives Raster von Kriterien stützen. Um bei der Talentsuche zu helfen, könnten zivilgesellschaftliche Organisationen die Europäische Kommission bei der Umsetzung eines „Blue Books“ mit größtmöglicher Reichweite begleiten. Wir erkennen die Rolle an, die die Universitäten bei der Vorbereitung der nächsten Generation von Beamt*innen der europäischen Institutionen spielen. Indem sie die Unterrepräsentation von People of Colour in ihrer Studierendenschaft beheben, werden die Universitäten ihrerseits einer vielfältigeren Gruppe von Hochschulabsolvent*innen das Selbstbewusstsein geben, sich um Stellen in den europäischen Institutionen zu bewerben.

Schulungen zu unbewussten Vorurteilen

Sobald die EU-Beamt*innen eingestellt sind, sollten wir auch die Art und Weise, wie sie eingearbeitet werden, noch einmal überdenken. Viele kommen aus Ländern mit relativ geringer Beteiligung und Vertretung von People of Colour in öffentlichen Funktionen. Bewusstsein für diese unbewusste Voreingenommenheit zu schaffen, sollte unbedingt Teil der Einarbeitung sein. Einführende Lehrgänge stellen einen äußerst wichtigen Hebel für die Förderung von Toleranz und besserer Leistung am Arbeitsplatz dar. Beispielsweise sollten Neuankömmlinge in den EU-Institutionen und -Agenturen auf wissenschaftliche Erkenntnisse aufmerksam gemacht werden, die zeigen, dass vielfältige Teams in Bezug auf ihre Leistung besser abschneiden als rein weiße und rein männliche Teams.

Zu diesem Zweck sollten auch die mächtigen Gewerkschaften, die die EU-Beamt*innen vertreten, Schritte unternehmen, um das Verständnis für Fragen der Voreingenommenheit und der Vorurteile zu schärfen; die Gewerkschaften müssen bereit sein, den People of Colour zu dienen, die Europa dienen. Es ist längst überfällig, dass wir mehr People of Colour in unsere Reihen aufnehmen, damit die europäischen Institutionen die Vielfalt ihrer Bürger*innen voll und ganz repräsentieren.

Wir betrachten die Welle der Reaktionen, die durch die „Black Lives Matter“ Proteste nach dem Tod von George Floyd ausgelöst wurde, als einen wichtigen Weckruf für alle, denen die Stärkung unserer Gesellschaft und die Wiederbelebung des europäischen Projekts am Herzen liegt. Wir sind dankbar, dass die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, deutlich gemacht hat, dass die Europäische Union eine proaktive Haltung gegen Rassismus einnehmen muss. Wir erinnern auch daran, dass von der Leyen uns alle fragte: „Was können wir tun, damit unsere Institutionen die Vielfalt unserer europäischen Gesellschaften besser repräsentieren?“ Wir erkennen an, dass unsere Vorschläge nur kleine Schritte zu diesem Ziel sind. Die Anstrengungen, die erforderlich sind, um den strukturellen Rassismus zu beseitigen, der so viele Teile unserer Gesellschaft zerstört, sind von einer ganz anderen Größenordnung. Dennoch glauben wir, dass unsere Vorschläge wirkungsvoll sein können.

EU-Institutionen müssen diverser werden

Im vergangenen Jahr wurde von der Leyen die Präsidentschaft der Europäischen Kommission übertragen. Indem sie diese Rolle übernommen hat, ist sie für viele junge Frauen in Europa zu einem Symbol dafür geworden, dass auch sie ähnliche Macht- und Einflusspositionen anstreben können. Wir fordern die EU-Institutionen auf, die durch von der Leyens Ernennung entstandene Dynamik zu nutzen und den Fortschritt hin zu einer vielfältigeren Arbeitnehmer*innenschaft, die alle europäischen Bürger*innen repräsentiert, zu beschleunigen.

Schließlich kann man nicht sein, was man nicht sehen kann.

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