Freihandelsabkommen zwischen EU und Japan in Kraft

, von  Jonas Rudsinske

Freihandelsabkommen zwischen EU und Japan in Kraft
Mit dem EU-Japan-Freihandelsabkommen wird ein deutlicher Anstieg der Exporte und Importe erwartet. Foto: Pixabay / hectorgalarza / Pixabay License

Am 1. Februar 2019 trat das EU-Japan Economic Partnership Agreement (EPA) in Kraft. Das Freihandelsabkommen zwischen den beiden wirtschaftsstarken Regionen, die zusammen etwa 640 Millionen Einwohner*innen zählen und fast 30% der globalen Wirtschaftsleistung verkörpern, regelt den Austausch von Waren, Dienstleistungen, Investitionen und geistigem Eigentum neu. Sowohl Japan als auch die EU verfügen über umfangreiche Regularien, deren teilweise Angleichung neben dem Abbau von Zöllen nun den Handel vereinfachen soll.

Schätzungen ergeben, dass EPA zu einem Anstieg der Exporte der EU nach Japan um etwa 74% (73 Milliarden Euro) und zu einem Anstieg der Importe um etwa 64% (70 Milliarden Euro) führen wird. Dabei dürfte es sich aufgrund der Ähnlichkeit der Volkswirtschaften vor allem um wechselseitigen Handel innerhalb von Sektoren handeln, also zum Beispiel um Handel innerhalb des Automobilsektors. Japaner*innen würden mehr Autos aus Europa kaufen, aber Europäer*innen gleichzeitig auch mehr Autos aus Japan. Deshalb wird nicht mit einer relevanten Verschiebung von Arbeitsplätzen zwischen Sektoren gerechnet. Eine solche Umverteilung von Arbeitsplätzen zwischen Sektoren hätte aufgrund von verschiedenen Qualifikationsprofilen der Arbeitnehmer zu vorübergehender Arbeitslosigkeit führen können. Beim EPA wird entsprechend kein spürbarer Effekt auf die Beschäftigung erwartet. Bis 2035 wird aufgrund des Abkommen ein zusätzlicher Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um etwa 0,1% (13 Milliarden Euro) für die EU und um etwa 0,3% (16 Milliarden Euro) für Japan prognostiziert. Etwa 14% der Zugewinne sollen dabei auf den Abbau von Zöllen zurückgehen, die übrigen 86% entstehen durch den Abbau sonstiger Handelshemmnisse, worunter beispielsweise die Vereinheitlichung von Produktstandards fällt. Der Wachstumseffekt für die nicht an EPA beteiligten Länder durch eine mögliche Umlenkung von Handelsströmen wird als vernachlässigbar eingestuft. Außerdem wird erwartet, dass von dem Abkommen alle EU-Staaten profitieren werden und auch kein Sektor in der EU negativ betroffen sein wird. Die EU dürfte vor allem ihre Exporte von Agrarerzeugnissen, Maschinen und Textilien steigern, während mit einem Anstieg der Einfuhren insbesondere von Kraftfahrzeugen, Maschinen und sonstigen Ausrüstungsgütern gerechnet wird. Prognosen zufolge soll es durch die Handelsliberalisierung zu einem Reallohnanstieg für Arbeitnehmer aller Qualifikationsniveaus in der EU kommen.

Das Abkommen berücksichtigt auch potentiell negative Folgen einer zunehmenden Globalisierung und versucht diesen entgegenzuwirken. Insbesondere die Themen Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit standen bei den Verhandlungen im Fokus. Neben einer Reihe von ökologischen Zielen geht es dabei speziell auch um die Zukunft von kleinen und mittelständischen Unternehmen, denen es oft schwerer fällt, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Darüber hinaus wurde im Sinne der Verbraucher die Einhaltung eines angemessenen Datenschutzes sichergestellt, die insbesondere im Zusammenhang mit dem Dienstleistungshandel eine große Rolle spielt. Nach den Erfahrungen mit TTIP hat man zudem besonderen Wert auf Transparenz gelegt und alle Vertragsdokumente öffentlich zugänglich gemacht.

EPA ist für die wirtschaftliche Präsenz und die politische Relevanz der EU im asiatisch-pazifischen Raum strategisch bedeutsam. Es stärkt die Position beider Seiten bei der Mitgestaltung einer globalen Ordnung im Sinne der gemeinsamen Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Multilateralismus. Mit dem Bekenntnis zu einem regelbasierten globalen Handelssystem setzt es ein Zeichen gegen zunehmenden Protektionismus.

Zum Weiterlesen:

Felbermayr, G., Kimura, F., Okubo, T., & Steininger, M. (2019). Quantifying the EU-Japan Economic Partnership Agreement. Journal of the Japanese and International Economies.

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