Foto-Story: Der Tag, an dem Macron Präsident wurde

, von  Jochen Sand

Foto-Story: Der Tag, an dem Macron Präsident wurde

Weiter hinten auf dem Place de la République spielt das Orchestre Debout (Orchester der Aufrechten) Maurice Ravel`s Boléro, während vorne enthüllt wird, was wirklich läuft. Ob man es nicht mitbekäme in Deutschland, dass Frankreich, ach was, ganz Europa von einer Mafia regiert wird. Bei den Anti-Faschisten der No Pasaran-Bewegung in Paris hatten Verschwörungstheorien am Tag vor der Präsidentenwahl Konjunktur. Die meisten der anwesenden Demonstranten werden wohl ungültig oder gar nicht wählen.

Dieser erste Sonntag im Mai sollte für ganz Europa ein wegweisender sein, hieß es im Vorfeld der Wahl. Ein Hauch von historisch lag in der Luft. Und Drama. Die Präsidentenwahl des Jahres 2017 in Frankreich war beides, aufgeladen mit allerhand Heilserwartungen und durchdrungen von düsteren Untergangsszenarien. Würde es einer der liberaleren Kandidaten schaffen, den rechten Ruck zu dämpfen, der Europa seit einigen Monaten wie ein seismisches Beben durchgeschüttelt hat? Oder würde Marine Le Pen rechtsnationalen Extremismus in einer der Welt-Ur-Demokratien im Rang eines Staatslenkers installieren?

Alle Vernunft und die allermeisten französischen, wie auch europäischen Medien, sprachen dagegen. Aber nach Brexit und Trump war auch in Frankreich alles denkbar geworden.

Hatten etablierte Erhebungsverfahren den Kandidaten Macron, bekannt als Wirtschaftsminister der Regierung Valls` und als Investmentbanker, schon erfasst? Gab es für das Phänomen En Marche überhaupt Methoden, es zu messen? Bis vor einem Jahr hatte man ihn als Bewerber für die Regierungsführung nicht auf dem Schirm. Über Emmanuel Macron ist die Grande Nation geteilter Ansicht. Für die einen ist seine Jugend Ausweis von Unerfahrenheit. Während gerade das, seine kurze Präsenz in einer als korrumpiert wahrgenommenen politischen Klasse, für die anderen seine Unverdorbenheit gewährleisten soll.

Die Relevanz der französischen Wahl als Fingerzeig auf die befürchtete Manifestation des Rechtsextremen in einer europäischen Regierungszentrale und einer folgenden Infizierung der deutschen Bundestagswahlen, war überdeutlich. Grund genug für mich nach Paris zu fahren, um dabei zu sein wenn hier der europäische Weg in einer Sackgasse enden oder aber neu verzweigen und in einen prachtvollen Boulevard münden würde.

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