2014 ist Stefan Bernhard Eck als einziger Abgeordneter der Tierschutzpartei ins Europaparlament eingezogen. Es war das erste und bislang einzige Mal, dass die Partei ein überregionales Mandat erkämpfte. Dann verließ Eck die Partei. Heute erklärt er wieso es für Europa notwendig ist, Tierschützer im Europaparlament zu haben.

Was hat Sie am meisten an der Arbeit im EU-Parlament überrascht?

Am meisten hat mich überrascht, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen im EU-Parlament nicht ihrem eigenen Verstand vertrauen, um Entscheidungen zum Wohle ihrer Wählerinnen und Wähler zu fällen, sondern stattdessen den Ratschlägen der Wirtschaftslobbyisten und Wirtschaftslobbyistinnen folgen.

Was nervt Sie an der Europäischen Union?

Dass sie in der Vergangenheit zu viele Fehler gemacht hat und in der Zukunft auch machen wird, weil jeder der 28 Mitgliedstaaten darauf bedacht ist, den größtmöglichen Nutzen für sich zu erzielen. Und wo es Gewinner gibt, da gibt es immer auch Verlierer.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit im EU-Parlament besonders?

Besonders gefällt mir, dass trotz unterschiedlicher politischer Sichtweisen ein kollegiales, fast freundschaftliches Verhältnis zwischen den meisten Abgeordneten besteht und man fraktionsübergreifend zusammenarbeiten kann.

Wie hat sich Ihre Partei durch den Einzug ins EU-Parlament verändert?

Die Partei Mensch Umwelt Tierschutz hat sich leider nach meinem Einzug ins EU-Parlament negativ verändert. Bei einigen Parteimitgliedern standen nach der erfolgreichen Europawahl nicht mehr unsere parteipolitischen Zielsetzungen, sondern nur noch ein „finanzielles Wunschdenken“ im Vordergrund, das in einzelnen Fällen regelrecht von Neid geprägt war. Die Tierschutzpartei ist inzwischen eine Plattform für profilierungssüchtige, aber auch rechtstolerante Personen geworden.

2019 endet ihre Zeit im EU-Parlament. Welches Projekt liegt Ihnen noch besonders am Herzen für die kommenden Jahre?

Es sind mehrere Projekte zu nennen: Der Massentierhaltung mit all ihren tierquälerischen und umweltschädlichen Aspekten muss entgegengewirkt werden, die Haltungsbedingungen für verschiedene „Nutztierarten“ müssen drastisch verbessert werden. Für Kaninchen zum Beispiel gibt es überhaupt keine verbindlichen Regelungen in der EU. Tierversuche müssen abgeschafft werden, wir brauchen ein Heimtierschutzgesetz, in dem auch der Umgang mit Streunertieren geregelt ist. Und Wildtiere müssen besser geschützt werden, wofür ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen unabdingbar ist. Außerdem müssen die immensen negativen Aspekte der globalen Fleischproduktion ein Schwerpunktthema im EU-Parlament werden.

Was haben Sie persönlich in Europa verändert? Was haben Sie erreicht?

Viele Kolleginnen und Kollegen erklärten mir kürzlich, dass noch nie zuvor so viel über das Thema Tierschutz im EU-Parlament gesprochen wurde. In der letzten Parlamentsperiode waren beispielsweise lediglich zwanzig Abgeordnete Mitglieder der Intergroup on the Welfare and Conservation of Animals, deren Vizepräsident ich bin, inzwischen sind es 102. Teilweise hat mein „Headhunting“ zu diesem Erfolg beigetragen. Als Vollmitglied im Umweltausschuss und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie im Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter und in vier Delegationen für die Länder Südasiens, Südostasiens sowie der koreanischen Halbinsel und der Delegation für die Beziehungen zur Volksrepublik China ist es mir immer wieder gelungen, meine Schwerpunktthemen einzubringen. Des Weiteren bin ich Gründungsmitglied der überfraktionellen und äußerst aktiven Gruppe „MEPs for Wildlife“. Zu fragen, was sich in Europa nach einem Jahr durch meine Arbeit verändert hat, ist sicherlich verfrüht. Fragen Sie mich doch im nächsten Jahr erneut.

Was bleibt Ihnen europapolitisch auch nach diesem ersten Jahr in Erinnerung?

In Erinnerung wird mir die menschenfeindliche Flüchtlingspolitik bleiben; laut Schätzungen sind über 3000 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ertrunken. Des Weiteren werde ich die Griechenlandkrise – ich war in den vergangenen 12 Monaten drei Mal in Athen – nicht vergessen. Dort herrscht nach wie vor bittere Armut, aber das Thema ist für die meisten Abgeordneten vom Tisch.

Was ist ihre Vision von Europa?

Meine Vision ist ein Europa der Werte und des Mitgefühls – Mitgefühl für Menschen und für Tiere. Meine Vision ist ein Europa der Solidarität mit all jenen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, ein Europa, das in Verantwortung für die kommenden Generationen mit den verfügbaren Ressourcen nachhaltig und angemessen umgeht. Wir haben nur eine Erde!

Warum haben Sie die Tierschutzpartei verlassen?

Da ich die ersten sechs Monate als „Neuling“ in Brüssel vollkommen eingespannt war und für parteiinterne Angelegenheiten sehr wenig Zeit hatte, ist es innerhalb des Bundesvorstandes der Partei Mensch Umwelt Tierschutz zu einer inakzeptablen, leichtfertigen Integration von Personen mit rechtspopulistischem, anti-emanzipatorischem oder sogar faschistischem Gedankengut bzw. rechtsextremer Vergangenheit und Hintergrund, gekommen, was letztlich zu meinem Rücktritt als Bundesvorsitzender und meinem Parteiaustritt am 31. Dezember 2014 führte. Ich konnte aufgrund meiner innersten Überzeugung keiner Partei angehören, die dies duldet. Es war nicht nur meine persönliche Wahrnehmung, sondern auch die vieler wichtiger Funktionsträger und aktiver Parteimitglieder, die ebenfalls aus der Partei austraten. Meine schlimmsten Befürchtungen haben sich mittlerweile bestätigt, man schaue sich nur den neuen Landesvorstand in NRW, die Zusammenarbeit mit den Freien Wählern Düsseldorf und den neu gewählten Bundesvorstand der Tierschutzpartei an.

Zuletzt drei Spontanantworten: Jean-Claude Juncker ist... privat sicherlich ein netter Mensch, ich würde gerne einmal mit ihm ein Bier trinken und offen reden.

Martin Schulz würde ich gerne sagen, dass...

ich ihn für einen Europa-Politiker mit Visionen halte. Mit ihm würde ich gerne einmal Kaffee trinken und ihn aufheitern, er ist immer so todernst.

Marine Le Pen sollte... mit mir weder Bier noch Kaffee trinken – ich mag keine Rechtspopulisten und keine Rechtsextremen.

Alexis Tsipras halte ich zugute, dass... er den Mut gehabt hat, gegen die „Großen“ einmal aufzubegehren. Mit ihm würde ich Bier, Kaffee und griechischen Wein trinken.