Die Römischen Verträge im Eurobarometer

Über die öffentliche Meinung zu den Römischen Verträgen

, von  Michael Vogtmann

Die Römischen Verträge im Eurobarometer
Themenschwerpunkt 60 Jahre Römische Verträge: der Piazza Trevi ist einer der meistbesuchten öffentlichen Plätze Roms © Giorgio Galeotti (CC BY 2.0) | flickr

Was denken die Bürger über 60 Jahre Römische Verträge?

Zum Anlass des 60-jährigen Jubiläums der Römischen Verträge beschäftigte sich der aktuelle Eurobarometer unter anderem mit der Frage, wie die Bürger zu dem Vertragswerk stehen. Das Eurobarometer ist eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene öffentliche Meinungsumfrage, die in regelmäßigen Abständen innerhalb der Union durchgeführt wird.

Emotion

Den Befragten wurde folgende Frage gestellt: “1957 wurden die Römischen Verträge von 6 Staaten unterzeichnet: Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg und Niederlande. Sie markieren den Ursprung der Schaffung der Europäischen Union von heute. 2017, dieses Jahr, feiern wir das 60-jährige Jubiläum der Römischen Verträge. Wenn Sie an dieses Jubiläum denken, welche Wörter kommen Ihnen als erstes in den Sinn?”

9% der Befragten beantworteten die Frage mit: “Ich weiß nicht.” Zwei Wörter wurden mit je 26% am häufigsten genannt: “Nichts” und “Hoffnung”. 12% der Menschen nannten “Zufriedenheit” als Antwort, jeweils 8% “Enttäuschung” und “Sorge”. “Stolz” erwähnten 7% und “Trauer” 3%, eine andere Antwort wurde von 1% gegeben. Während des Jubiläums im Jahr 2007, das in Berlin während der deutschen Ratspräsidentschaft gefeiert wurde, gab es eine vergleichbare Umfrage. Im Vergleich zu 2007 fiel der Wert von “Hoffnung” von 35% auf den aktuellen Wert. Die Anzahl der Menschen, die mit “Ich weiß nicht.” antworteten, verdoppelte sich. Die “Enttäuschung” stieg von 5% auf 8%. Bei den anderen Antworten gab es keine großen Veränderungen seit 2007.

Geschichtliche Bedeutung

Insgesamt kann man festhalten, dass sich die Gefühlslage der Bürger im Hinblick auf die Römischen Verträge leicht eingetrübt hat, was nicht verwunderlich ist, bedenkt man die Krisen, mit denen die Europäische Union in den vergangenen zehn Jahren konfrontiert war. Finanzkrise, Eurokrise, außenpolitische und Flüchtlingskrise haben ihre Spuren im Meinungsbild hinterlassen. Angesichts dessen ist es fast überraschend, dass mehr als zwei Drittel der Befragten den Römischen Verträgen mit einer positiven Grundhaltung begegnen. Bei drei möglichen Antworten, fragte die Kommission ob die Römischen Verträge ein positives oder ein negatives Ereignis in der europäischen Geschichte darstellen. Als dritte Antwortmöglichkeit wurde ein neutrales “Ich weiß nicht.” angeboten. 69% der Befragten empfanden die Römischen Verträge als positives Ereignis der Geschichte, 19% waren unentschlossen und lediglich eine Minderheit von 12% hielten die Unterzeichnung für ein negatives Ereignis.

Nationale Unterschiede

Aufgeschlüsselt nach Mitgliedstaaten ergibt sich ein interessantes Bild. Mit Werten zwischen 20% bis 24% ist die Gruppe der Gleichgültigen in Tschechien, Polen, Lettland, Portugal, Italien, Deutschland und Bulgarien stärker vertreten als im Durchschnitt der EU28. Am größten ist diese Gruppe mit je 30% in Estland und Großbritannien. Mit Werten zwischen 18% bis 25% wurden die Römischen Verträge am stärksten als negatives Ereignis in Kroatien, Slowakei, Österreich, Tschechien, Zypern und Griechenland gesehen. Hintergrund für die hier deutlich werdende Euroskepsis in Zypern und Griechenland könnten die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise sein. Insbesondere in Griechenland entfaltete die Krise große soziale Sprengkraft. Die geringste Begeisterung lösten die Römischen Verträge im Vereinigten Königreich und Tschechien aus, mit 59% und 58%. Mit Abstand das größte Wohlgefühl gab es in drei Staaten: Schweden und den Niederlanden mit je 89% und Luxemburg, mit einem beeindruckendem Wert von 91%. Demgegenüber war nur eine kleine Minderheit der Luxemburger neutral (6%) oder negativ (3%) eingestellt. Von allen Nicht-Gründerstaaten war das Bild in Schweden und Irland am positivsten.

In den Gründerstaaten

Die sechs Unterzeichnerstaaten von 1957 verbanden mit dem Vertragswerk insgesamt im EU-Vergleich überdurchschnittlich positive Gedanken. Eine Ausnahme bildet ihr hier Italien. Mit nur 60% lag das Land sogar deutlich unter dem EU-Durchschnitt und nur knapp oberhalb von Großbritannien. Im Mittelfeld der positiven Werte der EWG6 lagen Frankreich (71%) und Deutschland (72%). Neben den anderen BeNeLux-Staaten hatte Belgien ebenfalls einen hohen positiven Wert mit 80%. Verblüffend ist, dass die Gruppe der Neutralen mit 5% in Belgien sogar kleiner als in Luxemburg und der Niederlande ist, die negative Haltung mit 15% aber von vergleichsweise vielen Belgiern eingenommen wird. Eine große Polarisierung ist auch in Frankreich und Italien zu beobachten. In Frankreich ist die negative Haltung genau so hoch wie in Belgien. Der Anteil der Neutralen liegt mit 14% aber deutlich höher. In Italien ist mit 18% die negative Gruppe unter allen Gründerstaaten am größten. Demgegenüber ist die Zahl der Menschen mit negativer Einstellung in der Bundesrepublik mit 5% sehr klein. Dennoch bleibt als Wermutstropfen, dass mit 23% die Anzahl der Gleichgültigen unter allen Gründerstaaten in Deutschland am höchsten ist.

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