„Der Mensch ist, was der Mensch sein soll erst durch Bildung“

, von  Felix Alt

„Der Mensch ist, was der Mensch sein soll erst durch Bildung“
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) auf der re:publica 2013. Die bpb soll als Vorbild für eine Europa-Zentrale für politische Bildung dienen. Der Zweck einer solchen Zentrale soll es sein, die Politik in der Europäischen Union besser zu erklären. © re:publica (CC BY-SA 2.0) Flickr

Wie Euroskeptizismus begegnen? „Bildung“ ist ein Schlagwort, welches häufig Erwähnung findet. Eine konkretere Idee dazu stammt von Felix Alt. Er fordert eine Europa-Zentrale für politische Bildung - nach dem Vorbild der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Die bpb ist insbesondere durch den Wahl-o-Mat bekannt worden.

Die EU steckt, soweit man den meisten Leuten glauben mag, in einer Krise. Der Brexit, Populisten und die starken Interessen der Nationalstaaten zehren an ihren Kräften. Europa- Befürworter sehen sich teils verzweifelt nach Lösungen um. Wieso die Europäische Union in den letzten Jahren so ein negatives Image hat, ist vielen jungen Europäerinnen und Europäern unerklärlich: für uns sind die Vorzüge der Union nicht zu übersehen, aber vielen unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger geht es anders. Die Vorteile - wie die eines einheitlichen Binnenmarktes, europaweiten Regulierungen für Umwelt- oder Verbraucherschutz, des Schengener Abkommens oder allein der Abwesenheit weiterer militärischer Auseinandersetzungen nach Ende des Zweiten Weltkrieges - all dies sind Dinge, die es ohne die EU höchstwahrscheinlich nicht geben würde.

Ich bin der Meinung, dass es besser ist, uns auf das zu besinnen, was die EU schon herausragendes geleistet hat und was vielen Bürgerinnen und Bürgern noch nicht im Detail bewusst ist, als viele neue, komplizierte und darüber hinaus teure Projekte ins Leben zu rufen. Es ist natürlich klar, dass noch einiges schief läuft in unserem heutigen Europa und es ist auch durchaus sinnvoll, eine kritische Haltung der Union gegenüber einzunehmen. Aber meine These lautet: die Meilensteine, die wir bereits erreicht haben, sowie die positiven Effekte, die die europäische Einigung auf das Leben jedes Einzelnen hat bleiben zu oft im Dunklen.

Ein Grund für dieses Problem besteht darin, dass die Richtlinien für Europäische Bildungspolitik insgesamt noch immer recht schwach ausfallen. Was meiner Meinung nach viel zu wenig im Mittelpunkt unseres Bildungssystems steht, ist dabei die politische Bildung - nicht nur während der Schulzeit, sondern vor allem auch im späteren politisch aktiven Leben. Dieser Mangel an Wissensvermittlung ist es, der wirklich die Demokratie und das kulturelle Europäische Erbe gefährdet. Unwissenheit und fehlende politische Bildung derer, die doch die „Herren“ des Systems sind: der Bürgerinnen und Bürger Europas. Winston Churchill soll gesagt haben: „The best argument against Democracy is a five-minute conversation with the average voter“, und das ist das Argument, das wir entkräften müssen! Um in diesem Punkt etwas zu erreichen, plädiere ich für eine Europäische Institution, die der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) ähnelt. Um ein wirkliches „Europäisches Bewusstsein“ zu schaffen und den Gefahren der modernen Demokratie gegenüberzutreten brauchen wir eine hörbare europäische Stimme, eine Aufklärung über Europa von Europa!

Auch wenn uns dies in Deutschland nicht sehr bewusst ist - nicht überall ist die Politische Bildung institutionell so verankert, wie sie es bei uns mit der BPB ist. Frankreich beispielsweise, die zweitstärkste Wirtschaft in der EU und eines ihrer Gründungsmitglieder, gleichzeitig als Geburtsort der modernen Demokratie bekannt, besitzt keine solche Institution, geschweige denn verpflichtende politische Bildung im Schulsystem.

Eine Europäische Zentrale für Politische Bildung würde im Idealfall einen einfachen und sicheren Zugang zu objektiver Berichterstattung ermöglichen, was vor allem in Frankreich wichtig wäre, da die antieuropäischen Bewegungen dort immer mehr an Zustimmung gewinnen. Wir benötigen ein einheitliches Organ, das die noch auszufüllende Rolle einnehmen kann, denn Berichterstattung und Informationen über Europa bedienen zum großen Teil nur den rein nationalen Blickwinkel. Um eine Idee zu verbreiten reicht es jedoch nicht, dass sie gut ist, sie benötigt Gelder, Gebäude und Angestellte, um erfolgreich zu sein! All das wäre mit einer Institution für Politische Bildung auf Europaebene machbar.

Es ist wichtig, dass wir, wenn wir über Europa diskutieren nicht über etwas reden, was fern von uns existiert, nein - wir sind Europa! Besonders uns Bürgerinnen und Bürgern im wiedervereinigten Deutschland sollte das bewusst sein, wir alle brauchen einander und gehören auch zusammen! Um das auszudrücken und es uns im alltäglichen Leben immer wieder bewusst zu machen brauchen wir eine Europa-Zentrale für Politische Bildung!

Ihr Kommentar

  • Am 7. Februar um 15:26, von  mister-ede Als Antwort „Der Mensch ist, was der Mensch sein soll erst durch Bildung“

    Es wäre gut, wenn die Menschen endlich wüssten, dass…

    1.) Seit 2012 an den EU-Außengrenzen 20.000 Menschen gestorben sind.

    2.) Die EU die GFK verletzt und die Menschenrechte von Schutzsuchenden nicht achtet.

    3.) Die EU die Einschränkung von Kunst-, Presse- und Versammlungsfreiheit z.B. in Ungarn duldet.

    4.) Die EU nichts gegen die hohe Arbeitslosigkeit unternimmt.

    5.) Die EU nichts gegen das mangelnde Wirtschaftswachstum unternimmt.

    6.) Die EU ein neoliberales Projekt zum Lohn-, Steuer- und Sozialdumping ist.

    7.) Die EU die nationalen Egoismen befördert und die europäische Integration verhindert.

    Europa steht heute so schlecht dar wie seit 1945 nicht mehr. Die Demokratie ist in ernsthafter Gefahr, die Menschenwürde Makulatur – alles wegen dieser Eliten-EU.

    Ich stehe für ein Europa der Bürger und nicht des Kapitals, ein Europa der Solidarität und nicht des Egoismus, ein Europa der Freiheit und nicht der Unterdrückung. Kurz gesagt, ich stehe für die Europäische Föderation! Doch leider wird über die Europäische Föderation hier nicht berichtet.

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