Der Brief an Europa geht an diesem Sonntag an uns alle. Martin Samse warnt vor dem Trump in uns. Die Mission unserer Generation lautet: Der aktive Kampf um den Erhalt der Demokratie.

Dieser Brief geht an uns alle, an uns Europäer. Genauer gesagt: An die jungen Wähler Europas, ob Männlein oder Weiblein. Die Informierten; jene die lesen, klicken und liken. An uns: die Liberalen, Grünen, Konservativen und Linken.

Auch wir lassen uns gerne unterhalten, auch wir ergötzen uns am Tabubruch. Wir lieben den Krawall und die Unterhaltung. Das dürfen wir auch. Doch seit diesem Freitag ist die Party offiziell beendet: Mit der Vereidigung Donald Trumps zum Präsidenten der U.S.A wird unser schlimmster Albtraum war.

Der Trump in uns allen

Mit einer Mischung aus Sensationsgier und Angstlust haben wir dabei zugesehen wie ein egozentrischer Baulöwe sich durch den schmutzigsten Wahlkampf der amerikanischen Geschichte gepöbelt hat. Und da war etwas in uns, das war nicht nur angewidert sondern auch fasziniert. Wir, die wir nach Außen hin seine Werte verabscheuen sind tief beeindruckt von seiner Dreistigkeit.

Wir haben gelesen und diskutiert, geklickt und gelacht, uns gewunden und gegruselt. Wir mussten einfach hinschauen weil Trump die Sau raus lässt die wir eingesperrt haben.

Zugegeben: Wer würde sich nicht gerne die größten Ziele setzen und diese im absoluten Größenwahn verwirklichen wollen? Wer würde nicht in einem fetten Tower wohnen, mit Geld um sich werfen und nebenbei die Topmodels abschleppen? Wer würde nicht gerne für einen Abend alle Etikette über Bord werfen und seine Gegner einfach von der Bühne pöbeln?

Trump war es in diesem Wahlkampf gelungen Freund und Feind in seinen Bann zu ziehen. Dabei ist es egal „Was“ er tat, solange das „Wie“ unsere tiefsten Bedürfnisse nach Krawall und Unterhaltung befriedigte. Trump faszinierte jeden von uns, weil er ungeniert die vulgären Phantasien auslebt die wir uns verboten haben zu träumen - weil wir’s eigentlich besser wissen.

Trump ist der Feind

Wir haben uns vor Trump gegruselt und über ihn gelacht. Aber wer lacht jetzt? Es sind die Chauvinisten und die Machos, die Rechten und die Faschisten - unsere Feinde. Sie sind die Nutznießer einer Verwahrlosung des demokratischen Diskurs. Sie profitieren nicht zuletzt von der Apathie einer jungen Wählerschaft die vor lauter Ironie und Sarkasmus zunehmend den Ernst der Lage verkennt.

Trump lacht nicht über die Fremden, die Schwachen und die Andersdenkenden - er verachtet sie. Er will keine Diskussion, keinen Austausch und keinen Kompromiss. Er hasst Politiker, Bürokraten und Journalisten. Kurzum: Der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten verabscheut die Institutionen unserer Demokratie.

Wer die Demokratie hasst, der hasst auch Demokraten. Das heißt: Er hasst uns. Es wird Zeit, dass wir das persönlich nehmen.

Wir müssen kämpfen

Unsere künftige Mission lautet: Der aktive Kampf um den Erhalt der Demokratie.

Eine Demokratie rettet man nicht mit einem ironischen Tweet oder einem Like unter einer Trump-Karikatur. Für die Demokratie zu kämpfen bedeutet aktiven Widerstand gegen die Vereinfacher, Krawallmacher und populistischen Showmaster zu leisten.

Das heißt: Wenn Wahl ist, dann geht man wählen und wenn die Rechten aufmarschieren dann zeigt man Präsenz. Und wenn ein Krawall-Entertainer wie Mario Barth aus der Gosse des Privatfernsehens hervorkriecht um seine ersten populistischen Gehversuche zu unternehmen dann heißt es: Einspruch, Widerrede, Richtigstellung!

Denn Journalisten sind keine Lügner und Andersdenkende sind kein Abschaum. Es gibt nicht eine Wahrheit sondern Hunderte davon. Und zwischen denen abzuwägen ist die Aufgabe, der wir uns stellen. Jeden Tag. Weil wir es wollen.

An alle jungen Wähler in Europa: Hören wir auf zu spotten und zu lachen. Schützen wir unsere Demokratie vor den Demagogen und Populisten. Sonst geht es uns wie den vielen verzweifelten jungen AmerikanerInnen an diesen unseeligen Tagen in den Vereinigten Staaten.

Ersparen wir uns das.

Hochachtungsvoll,

von einem der mitlachte bis es ihm im Halse stecken blieb.