Banksy rettet Migrant*innen im Mittelmeer – ein entschiedener Europäer und sein neues Projekt

, von  Jérôme Flury, übersetzt von Johanna Kamin

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Banksy rettet Migrant*innen im Mittelmeer – ein entschiedener Europäer und sein neues Projekt
Seenotretter der MVLouiseMichel Foto: mvlouisemichel.org/Chris Grodotzki/ zur Verfügung gestellt von Chris Grodotzki

Die Neuigkeit hat sich schnell herumgesprochen: Der mysteriöse Straßenkünstler Banksy hat ein neues Projekt. Auch diesmal war es wieder ein großes Geheimnis. Er hat ein Boot finanziert, um Migrant*innen im Mittelmeer zu retten. Das Schiff ist am 18. August 2020 von der spanischen Küste aus in See gestochen und hat schon jetzt mehrere Rettungsaktionen hinter sich – ein starker Akt des engagierten Künstlers und überzeugten Europäers.

Das Schiff wurde nach einer französischen Aktivistin des 19. Jahrhunderts benannt, ist von Spanien in See gestochen und wird von einer deutschen Kapitänin gesteuert. Finanziert hat es der britische Künstler Banksy mit der klaren Botschaft, möglichst viele Menschen im Mittelmeer zu retten. Auf der alten französischen Zollfregatte, ist nun in rosa und weiß ein Mädchen in einer Rettungsweste aufgemalt, das einen Rettungsring in Form eines Herzens hält. Die Botschaft des Straßenkünstlers ist eindeutig.

Die Louise Michel, die am 18. August 2020 ohne jegliche Ankündigung in See gestochen ist, hat bei ihrer ersten Rettungsaktion 219 Menschen gerettet. Das Schiff hat seit dem 25. August bei mehreren Gelegenheiten um Hilfe gebeten, während die europäischen Machthaber*innen dem Mittelmeer den Rücken zudrehen und die griechisch-türkischen Spannungen zunehmen.

„Eine Person auf dem Boot ist bereits tot. Andere weisen Verbrennungen von Treibstoff auf. Sie sind tagelang auf dem Meer getrieben und nun werden sie allein gelassen in einer SAR-Zone (Search and Rescue) der EU.“

Eine symbolträchtige Aktion

Die italienische Küstenwache ist am Samstag, den 29. August eingeschritten, um 49 der schutzbedürftigen Personen, die von der Louise Michel gerettet worden sind, an Bord zu nehmen. Dieses humanitäre Unterfangen ist von symbolischer Natur, und eine Hommage an die anarchistische und feministische Aktivistin des 19. Jahrhunderts, eine prominente Persönlichkeit der Pariser Kommune von 1871.

Das Projekt wurde mit einer E-Mail von Banksy an Pia Klemp im September 2019 ins Leben gerufen, wie die französische Tageszeitung La Croix berichtet.

Die deutsche Biologin und Aktivistin ist die ehemalige Kapitänin der Schiffe Iuventa und Sea Watch 3 und hat zwischen 2017 und 2019 mehrere Tausend Geflüchtete gerettet.

Der britische Künstler bot ihr Geld für ein Rettungsprojekt auf dem Mittelmeer

„Ich bin ein Künstler aus dem Vereinigten Königreich und habe einige Arbeiten zu der Migrationskrise gemacht. Dieses Geld kann ich natürlich nicht behalten. Können sie es benutzen, um ein neues Schiff zu kaufen? Halten Sie mich auf dem Laufenden. Banksy.“

Marie, die an diesem Projekt teilnimmt, erzählte La Croix, wie es zu dem Projekt gekommen ist: „Pia hat einige Leute kontaktiert, mit denen sie bereits auf See war. Wir haben ein Boot in der Nähe von Cannes gefunden, es ausgestattet und ein wenig dazu gebaut und Banksy ist gekommen und hat es angemalt.“ Das Team besteht aus ungefähr zehn erfahrenen Seenotretter*innen, die aus allen Ecken des Kontinents kommen. Gegen die Kapitänin Pia Klemp läuft aktuell noch ein Gerichtsverfahren in Italien wegen „Beihilfe zur illegalen Einwanderung“.

Banksy, ein entschiedener Europäer

Mit diesem Unterfangen im Herzen Europas erinnert der Künstler aus Bristol auch daran, dass er an diesem Kontinent hängt. Unter seinen zahlreichen Werken und Aktionen muss man unter anderem daran denken, dass er 2005 die Arbeiten des Franzosen Monnet und des Niederländers Van Gogh aufgegriffen hat. Darüber hinaus hat Banksy sich dem Brexit klar entgegengestellt. Der engagierte Künstler hat sich 2017 besonders hervorgetan, als er eine Anti-Brexit Freske in der Hafenstadt Dover realisiert hat. Die Darstellung eines Bauarbeiters, der damit beschäftigt war, einen Stern aus der europäischen Flagge herauszumeißeln, wurde jedoch im August 2019 entfernt.

Die Frage der Migration ist ebenfalls ein Thema, mit dem sich der Künstler in mehreren Werken auseinandergesetzt hat, wie zum Beispiel mit drei Bildern, die er 2015 in Calais anfertigte.

Eines seiner Werke aus dem Jahr davor zeigt eine Gruppe Tauben, die einer Schwalbe Schilder entgegenhalten, auf denen „Migranten sind nicht willkommen“, „Geht zurück nach Afrika“ und „Lasst uns unsere Regenwürmer“ zu lesen ist. Auch diese Wandmalerei wurde auf Anweisung des Bürgermeisters der britischen Stadt Clacton-on-Sea entfernt. Am Weltflüchtlingstag, am 20. Juni 2018, begann Banksy in Paris eine Serie von Werken zu erschaffen, die unter anderem die Politik der französischen Regierung in Migrationsfragen kritisierte.

In diesem einzigartigen Jahr 2020 haben bereits über 25 000 Menschen versucht, Europa über das Mittelmeer zu erreichen. Die Frage nach der Verantwortung der europäischen Regierungen bleibt jedoch ungelöst. „Italien muss sich allein um die Geflüchteten kümmern. Wir versuchen einen neuen Ansatz zu finden in Fragen von Migration und Asyl, während die aktuelle Lage dramatisch und inakzeptabel ist. Die EU könnte Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer direkt übernehmen“, meint die Abgeordnete im Europaparlament, Fabienne Keller, in einer Sendung von France Culture am 12. August.

Der Künstler Banksy hat jedenfalls nicht gezögert und durch die Finanzierung eines Rettungsschiffs ohne Zweifel eines der größten Engagements seiner Karriere geleistet.

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