In Zeiten von Euroskeptizismus und nationalem Rückzug bleibt er ein Fels in der Brandung. Erst kürzlich forderte er die Ernennung eines Kommissars für Asyl- und Integrationspolitik in der EU. Auf Europe 1 äußert er sich in seiner Kolumne regelmäßig zur EU. Ein Brief an Daniel Cohn-Bendit.

Lieber Dany,

auch mit 70 Jahren mischt du aktiv in der europäischen Politik mit. Selbst nach deinem Ausstieg aus dem Europäischen Parlament nimmst du kein Blatt vor den Mund. Du kritisierst die unzureichende Integration und Solidarität Europas, die nationale Zentriertheit in Eurokrise und Flüchtlingspolitik. Erst kürzlich fordertest du die Ernennung eines Kommissars für Asyl- und Integrationspolitik in der EU. Du forderst von Frankreich die Aufnahme von mindestens 150 000 Flüchtlingen, plädierst für Solidarität und eine gemeinsame Außenpolitik. Auf Europe 1 analysierst du allmorgendlich das Weltgeschehen und bringst deine Ideen wortgewandt und rhetorisch treffsicher auf den Punkt. Als in Frankreich aufgewachsener Deutscher bist du Grenzgänger, 68-er Revolutionär, europäischer Idealist. Und damit ein Symbol Europas.

Überzeugte Europäer wie dich braucht unsere Union, in Zeiten von Uneinigkeit in der Außen- und Einzelgängertum in der Innenpolitik, Aussetzung des Schengenabkommens und Verbreitung rechtspopulistischer Überzeugungen. Du setzt dich für eine föderale Verfassung Europas ein und forderst eine Europäische Republik, in der der Kommission als Exekutive und dem Europäischen Parlament und einem europäischen Senat weitere Aufgaben übertragen würden. Deine Überzeugungen sowie dein Lebensweg sind revolutionär....und europäisch!

Danke für die feuernden Reden im Europäischen Parlament, das verbale Steineschmeißen und dein unnachgiebiges Engagement für die EU. Für manch einen unserer europabegeisterten jungen Generation bist du sicherlich so etwas wie ein europäisches Vorbild. Bitte weiter so im neuen Jahr!

Bien à toi,


In „Ein Brief an Europa“ schreiben unsere Autorinnen und Autoren wöchentlich einer Person oder Institution, die zum Zeitpunkt der Kolumne im europäischen Rampenlicht steht.