In Griechenland herrscht Krise und die mediengefütterten Politiker und Öffentlichkeiten Europas schmeißen mit leeren Parolen um sich und versuchen so, von eigenen Fehlern abzulenken. Leider übersehen sie dabei, dass das ganze Boot sinken wird, egal in welcher Kajüte das Loch ist – wenn sie nicht endlich aufhören, sich an den nationalen Mast zu klammern.

Die faulen Griechen!

Griechenland – mittlerweile ist die Wahrnehmung, die wir mit diesem Begriff verbinden total verschoben. Niemand denkt mehr an europäische Kultur, Philosophie oder Urlaub am Mittelmeer. Griechenland ist vielmehr zu einem Synonym für faule Bürger, korrupte Beamte und egoistische Politiker geworden. Dass hinter den Bürgerprotesten neben der verständlichen Wut auf die Politiker vor allem eine Reaktion auf den griechischen „Versaille-Vertrag“ der Troika und dessen krassen Folgen für jeden einzelnen Griechen steckt, wird nicht reflektiert.

Nur wenige Berichte zeigen, welche Umstände seit dem Diktat von IWF, Weltbank und EU in diesem Land herrschen. Und Griechenland scheint wohl oder übel nur der kleine Anfang eines großen Bebens zu sein, das über Europa zieht und dessen Verhinderung der eigentliche Sinn der Gemeinschaftswährung Euro war.

Der Wettstreit der Nationen

Aus europäischer Sicht müsste das Eingreifen der Troika in Griechenland zum einen Scham hervorrufen und zum anderen alle Alarmglocken zum läuten bringen. Wie geht es weiter, wenn das Diktat einer keineswegs demokratisch legitimierten Gruppe von Wirtschaftsexperten, wie die des IWFs und der Weltbank, die europäische Wirtschaftspolitik lenkt. (Wie lächerlich erscheint dagegen die Diskussion über das Demokratiedefizit der EU-Institutionen).

Der Fall Griechenland zeigt: Der Euro hat versagt. Und zwar keineswegs, weil er eine schlechte Idee war, sondern weil die Idee sehr halbherzig umgesetzt wurde. Und vor allem, weil zu viel nationale Akteure ein Tauziehen um ihre Interessen veranstalten. Dass Eurobonds zum Beispiel heute eine wirtschaftlich sehr schwerwiegende Entscheidung darstellen, ist verständlich. Dass ausgebildete Volkswirte eine Währung mit verschiedenen Zinssystemen überhaupt einführen, ist Zeichen für gegenseitiges Misstrauen zwischen den Mitgliedern und, dass nationale Denkstrukturen über ein europäisches Projekt entschieden haben.

Die nationale Geldpolitik der einzelnen Eurostaaten hatte zu sehr das Ziel, selbst in gutem Licht zu stehen und hat nur ungern Blicke über den eigenen Tellerrand geworfen. In der Schule wurde das miserable italienische Defizitverhalten beispielsweise nur verwendet, um uns deutschen Schülern zu zeigen, wie „gut“ „wir“ selber wirtschaften. Dass daraus eine Gefahr für alle Europäer werden könnte, ließen die die EU propagierenden Lehrbücher offen oder verlegten es in ferne Zukunft. Der Euro war ein Projekt der Nationen, wenn nicht gar ein Wettrennen dieser.. Es war aber nie ein europäisches Projekt. Und nun ist der angebliche Schutzpanzer Euro schon nach 10 Jahren geknackt.

Eine europäische Lösung

IWF und Weltbank werden die Chance dieser Krise nicht auslassen ihre Interessen in Europa gnadenlos durchzusetzen. Heute die Griechen – morgen Du! Sie werden sich Griechenland vorknüpfen und Spanien und Italien und sich so langsam auch der europäischen Schatzkammer Deutschland nähern. Nicht der Grieche ist die Gefahr, sondern diese externen Eindringlinge.

Die Eurokrise kann vielleicht noch auf wirtschaftspolitische Weise eingedämmt werden. Sie ist aber vor allem ein Lehrbeispiel, dass allen Europäern lebhaft zeigen könnte, wozu sie Europa wirklich brauchen. Vielen Zweiflern könnte man die europäische Perspektive auf die Welt eröffnen. Das hängt davon ab, wie die Politiker in der Öffentlichkeit mit dieser Krise umgehen. Ein guter Anfang? Es sind nicht die Griechen, mit ihrer Krise, sondern es sind wir Europäer, mit der unsrigen.