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Mr. Eurosceptic: Das Phänomen Nigel Farage

, von  Moritz Hunger

Seine Reden haben zehntausend Klicks auf YouTube. Seine Partei fährt einen Wahlerfolg nach dem anderen ein und wächst gegen den Trend. Nigel Farages UKIP könnte im Mai sogar stärkste britische Partei im EU-Parlament werden. Ein Porträt.

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  • lebt in Berlin und hat Europawissenschaften studiert. Unter @moritz_hunger twittert er über Politik und die Welt.

„Wir wollen unser Land zurück von Brüssel. Das ist unser oberstes Ziel. Und wir wollen unsere Grenzen kontrollieren, denn die Immigration ist völlig außer Kontrolle geraten“, erklärt Nigel Farage im britischen Fernsehen die Ziele seiner United Kingdom Independence Party (UKIP). Es ist Mai 2013 und gerade hat die UKIP bei den Kommunalwahlen in England und Wales einen erdrutschartigen Sieg errungen. Mit einem Viertel der Wählerstimmen liegt sie gleichauf mit der Regierungspartei der Konservativen.

Kein Paradebeispiel der Political Correctness

Farage sitzt seit 1999 im Europaparlament. Ehemals Mitglied der konservativen Tories, verließ er die Partei, als 1992 der Vertrag von Maastricht unterzeichnet wurde. Im EU-Parlament pfeift Farage auf jede Art parlamentarischen Protokolls. Im Internet gibt es eine Vielzahl an Videos der „Farage‐Show“: Dort attestiert er schon einmal Herman Van Rompuy das „Charisma eines Waschlappens“ – ein Hit auf YouTube. Durch dieses Verhalten führt Farage die Diskussionen im EU-Parlament weit ab von konstruktiver Sachlichkeit und attestiert somit dem EU-Parlament jene Sinnlosigkeit, die er zu Hause predigt.

Farage übt auch Kritik an den Politikern selbst und der Politik an sich. Er stellt sich gerne als einziger Politiker dar, der einmal einen richtigen Job hatte – 20 Jahre handelte er als Trader an der Londoner Rohstoffbörse. Damit hebe er sich von den anderen „Pappkartonpolitikern“, wie er es sagt, ab. Dass er rechts des Mainstreams steht, demonstrierte er schon als 17-Jähriger, als er durch die Straßen zog und Hitler-Lieder gesungen haben soll.

Durch die Krise zum Erfolg

Wie viele populistische Parteiführer in Europa macht sich Farage die Krisenstimmung um den Euro zunutze. Dabei füllt er medienpräsent ein politisches Vakuum, indem er die zunehmend fundamentale Anti-EU-Stimmung in der Bevölkerung aufgreift und als Person eine Projektionsfläche bietet – versetzt mit einer gehörigen Prise Polemik und Opportunismus.

Die Themen, denen sich Farage immer wieder bedient, sind Migration, Multikulturalismus, das Tragen von Gesichtsschleiern und die europäische Menschenrechtsgesetzgebung. Nach einem Besuch eines Roma-Lagers in Bulgarien sagte Farage, er könne die Bulgaren und Rumänen verstehen, die zu Hause „wie Tiere“ lebten und daher lieber in ein „zivilisiertes Land“ wie England wollten. England würde jedoch eine „rumänische Verbrechenswelle“ blühen, wenn die EU den Arbeitsmarkt für Rumänen und Bulgaren öffne. Er habe nichts gegen Ausländer, bloß sei es an der Zeit, sich zuerst um Briten, dann um alle anderen zu kümmern. Diese direkte Art scheint bei der Bevölkerung auf offene Ohren zu stoßen, die vor allem in England Politiker gewohnt ist, die um den heißen Brei herum reden. Während andere Parteien immer kleiner werden, steigt die Mitgliederzahl bei der UKIP stetig an - derzeit liegt sie bei knapp 30,000. Bald könnte die Pareit die Liberal Democrats überholen.

Heitere Aussichten

Die britischen Tories haben reagiert und positionieren sich mittlerweile weiter rechts. Dadurch will die Partei die Anhänger, die in Richtung UKIP abgewandert sind, zurückholen. Unterdessen hat Farage Zeit: Die Stimmung im Land ist auf seiner Seite. Wäre das Referendum zum EU-Austritt bereits 2014, würden etwas mehr als die Hälfte der Briten für einen Austritt aus der EU stimmen. Umfragen prognostizieren Farage und seiner Truppe, stärkste britische Partei bei der Europawahl in diesem Jahr zu werden.

Dieser Artikel erschien in einer längeren Fassung bei treffpunkt.europa, das Mitgliedermagazin der JEF.

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P.S.

Foto © European Union 2012

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