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Immer mehr Europäer leben noch bei ihren Eltern

, von  Hallvard Barbogen, übersetzt von Friederike Graupner

Fast die Hälfte der Europäer zwischen 18 und 30 Jahren leben noch bei ihren Eltern – das belegen Zahlen von Eurofound. Die Zahl stieg in den letzten Jahren, da wirtschaftliche Probleme ihren Tribut forderten. Trotz des demographischen Wandels entsteht nun eine Kluft zwischen den Generationen in puncto Wohlstand und Chancen.

Foto: © kate hiscock: „Job search“,http://tinyurl.com/pp7hx62. CC Attribution 2.0 Generic: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/.

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Haushalte mit mehreren Generationen unter einem Dach weisen eine niedrigere Lebenszufriedenheit und ein höheres Niveau an sozialer Ausgrenzung auf. Dieses zementiert soziale Ungleichheit und verursacht zahlreiche andere Probleme für die Jugend und deren Eltern. Um diesem Trend zu begegnen, braucht es wirksame und aktive Maßnahmen.

Unterschiede zwischen den Ländern

Allerdings gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den Ländern Europas. Seit längerer Zeit gilt Italien als das Land, in dem die meisten jungen Menschen – vor allem Männer – im Haus ihrer Eltern leben, bis sie 30 Jahre oder älter sind. Laut der neuesten Studie von Eurofound betrifft das 79 Prozent der jungen Italiener. In Slowenien und Ungarn sieht es ähnlich aus.

Am unteren Ende der Skala befinden sich Finnland, Dänemark, Deutschland und Österreich. In diesen Ländern wohnen weniger als ein Viertel der 20-Jährigen noch bei ihren Eltern. Die Zahlen steigen aber auch dort, wo sie zuletzt eher niedrig waren, wie zum Beispiel in Schweden, Frankreich und Belgien. Damit wird die wachsende Abhängigkeit der Jüngeren von den Älteren zum länderübergreifenden Phänomen.

Bildung allein ist nicht genug

Zwar ist der Anteil der Jugendlichen mit einem höheren Bildungsabschluss größer denn je. Oft sind diese jungen Europäer besser ausgebildet als ihre Eltern. Ausgerechnet für sie wird es aber zunehmend schwierig, Erfolg zu haben. Die Realität zeigt, dass Bildung nicht ausreicht, um eine erfolgreiche und gleichberechtigte Gesellschaft zu schaffen. Das Fehlen von Möglichkeiten und Ressourcen verschließt immer mehr Jugendlichen den Weg aus ihrem Elternhaus. Meist können nur die aus wohlhabenden Familien ausziehen. Wenn nicht einmal mehr eine angemessene Bildung einen guten Job garantiert, dann leidet die Leistungsgesellschaft unter der Plutokratie – der Reichtumsherrschaft.

So droht das verloren zu gehen, was frühere Generationen im Kampf gegen die Ungleichheit erringen konnten – und den Wohlstand Europas mit sich zu reißen.

Was kann getan werden?

Was gebraucht wird, sind aktive Maßnahmen, um die steigenden Immobilienpreise zu senken und einen besseren Zugang zu den Arbeitsmärkten zu schaffen. In Großbritannien wurde vom Vorsitzenden der Labour Party, Ed Miliband, ein großes Hausbauprogramm vorgeschlagen: Damit wird anerkannt, dass die Bereitstellung von Wohnraum eines der größten Probleme unserer Gesellschaft darstellt. Weiterhin zeigt es, dass die Bereitschaft vorhanden ist, etwas zu unternehmen.

Auch hierzulande gibt es in diesem Bereich große Probleme: Nur die Hälfte aller Deutschen sind Eigentümer einer Wohnung. Zudem steigen die Mietpreise schneller als je zuvor. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich zuvor für einen Eingriff in den Wohnungsmarkt ausgesprochen und betont, dass die Mieten bezahlbar sein müssen. Auf der anderen Seite fallen die Wohnungspreise in Südeuropa: Im Zuge der Wirtschaftskrise verloren Immobilien in Griechenland, Italien und Spanien um fünf bis zehn Prozent an Wert im vergangenen Jahr. Dies bedeutet nicht, dass es in diesem Ländern einfacher ist, ein eigenes Zuhause zu bekommen: In Italien wurden etwa die Hypothekendarlehen im Jahr 2012 halbiert. Häuser, welche von Einheimischen nicht bezahlt werden können, werden stattdessen von wohlhabenden Ausländern gekauft und als Ferienhäuser genutzt.

Wenn Investoren Häuser aufkaufen und die Preise jegliche Reichweite für Bewohner verlieren, werden Kontrollinstrumente für den Häusermarkt nötig.

Die Jugendarbeitslosigkeit

Wohnungsbau und Regelimmobilienpreise allein sind kein Heilmittel, sondern eher das Rezept für weitere Finanzkrisen. Nur durch Beschäftigungssicherheit und höhere Löhne für die unteren Einkommensgruppen kann den Menschen wieder die Möglichkeit gegeben werden, ein Eigenheim zu besitzen. Hier werden politische Initiativen nötig.

In Griechenland, Spanien und Kroatien sind fast die Hälfte der Einwohner zwischen 15 und 24 arbeitslos. Am Ende werden wir möglicherweise eine ganze Generation haben, die den größten Teil ihres Arbeitslebens keine Anstellung hatten und bei Mama und Papa lebten.

Mit einem Wohnungsmarkt, der in Trümmern liegt, und einer minimalen Beschäftigungsaussicht ist es kein Wunder, dass die europäische Jugend noch zu Hause lebt. Die Vielzahl an Nesthockern ist nicht nur die Folge schwieriger Zeiten, sondern wird auch eine der Ursachen weiterer Probleme sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch bei OneEurope.

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