Im Kreis der Sterne

, von  Dorothée Nowotny

Im Kreis der Sterne
Die Blickkontakt-Redakteure in Straßburg © Lena Konz

Europa. Europa bedeutet blau, bedeutet Sternenkreis, bedeutet mehr als Deutschland. Doch warum können wir Europa nicht greifen? Es nicht so erleben und erfassen wie das eigene Land? Fünf Redakteure der Schülerzeitung Blickkontakt aus Regensburg reisten vor ein paar Monaten mit ihrem Betreuungslehrer Michael Hartmann nach Straßburg, auf der Suche nach Europa.

Straßburg riecht und schmeckt wie Flammkuchen. Nicht wie die Sorte Flammkuchen aus dem Tiefkühlfach, sondern irgendwie besonders, speziell. Wie deutsch-französischer Flammkuchen. Deutsche Zwiebeln gratiniert mit französischem Käse. Und genauso fühlen wir deutschen „Zwiebeln“ uns auch zwischen den alten Fachwerkhäusern, den Boulangeries und Patisseries, die uns auch ein bisschen an zu Hause erinnern: Überzogen mit französischem Käse.

Abendessen auf elsässische Art: Flammkuchen

Wir lauschen den Worten unseres Stadtführers Jean-Phillippe, schlendern weiter durch die Gassen und haben langsam das Gefühl, dass das wohl der richtige Weg nach Europa ist. Diese Stadt fühlt sich nicht deutsch an, nicht französisch. Sie strahlt Gemeinschaft aus, gemeinsame Geschichte und Kultur. Unsere bunt gemischte Reisegruppe fühlt sich wohl in Straßburg und um ja nicht als Touristen abgestempelt zu werden, vertilgen wir den Flammkuchen beim gemeinsamen Abendessen auf elsässische Art, wie von Jean-Phillippe empfohlen.

Die 47 Fahnen des Europarates im Wind

In den nächsten Tagen kommen wir Europa immer näher. Beobachten die 47 Flaggen der Mitgliedsstaaten des Europarates im Wind, machen ein Nickerchen im Kreis der Sterne auf einer überdimensionalen Teppich-Europaflagge im Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und merken, wie gut sich Europa anfühlt. Interessanter und besser als in unendlich langweiligen Sozialkundestunden an einem Donnerstagnachmittag.

Der Betreuungslehrer der Schülerzeitung Blickkontakt, Michael Hartmann, freut sich auf den Besuch im Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Als wir dann nach der Sicherheitskontrolle und einem sehr aufschlussreichen Gespräch mit dem SPD-Europaabgeordneten Ismail Ertugim Europäischen Parlament sitzen, live eine Plenarsitzung über das Verbot des Handels mit Folterinstrumenten miterleben und uns durch die 27 simultan übersetzten Sprachen klicken, wissen wir, dass wir unser Ziel erreicht haben: Europa. Europa wie es leibt und lebt. Jeden Tag. Nur fünf Stunden von Regensburg entfernt. Dann das Highlight: Unsere Reisegruppe durfte ein zweites Mal in den Plenarsaal – ein historischer Moment – Ban Ki-moon, der noch amtierende Generalsekretär der Vereinten Nationen, hielt seine letzte Rede vor dem Europäischen Parlament; historisch auch, weil er zum Pariser Klimaschutzabkommen sprach. Vielleicht die letzte Rettung vor dem Klimakollaps. Ergriffen hören wir seine Worte im Original und können es nicht fassen: wir sind dabei.

Autorin Dorothée blickt nach Europa

Die Stimmung und die Atmosphäre des vollbesetzten Parlamentes ist magisch. Magisch, wenn man bedenkt, wie viele Menschen in Kriegen auf europäischem Boden gestorben sind bis es möglich wurde, dass die heutigen Generationen friedlich miteinander verhandeln und leben – sich über Grenzen hinweg bemühen, Probleme zu lösen, die kein Staat mehr alleine lösen kann. Wird es uns gelingen, das zu bewahren?

Wir haben Europa an diesem Tag gefunden und jetzt ist es an uns, Europa zu leben. Alleine und Zusammen.

Hinweis: Alle in diesem Beitrag veröffentlichten Fotos stammen von Lena Konz. Dieser Artikel erschien zuerst in der Schülerzeitung „Blickkontakt“ des Von-Müller-Gymnasiums in Regensburg. Die gesamte Ausgabe 2017/1 mit dem Titelthema „Tod“ kann hier nachgelesen werden.

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