Im europäischen Dorf der Jungen Europäer Frankreich

, von  Lydia Lamberty

Im europäischen Dorf der Jungen Europäer Frankreich
Die Kolumne „Wir in Europa“ erscheint jeden Sonntag auf treffpunkteuropa.de. Autoren berichten im Wechsel über ihre persönlichen Erlebnisse mit der EU, was es bedeutet, Europäer zu sein und welche Ängste und Hoffnungen sie mit der Gemeinschaft verbinden. Foto: © European Commission / 2004

Mit einem europäischen Dorf reisen die Jungen Europäer Frankreich durch ihr Land, um mit den Bürgern in den verschiedenen Orten über die Europawahl zu sprechen und dafür Werbung zu machen. Die Vorsitzende der JEF Trier, Lydia Lamberty, war am vergangenen Samstag in Metz dabei und erzählt von ihren Eindrücken. Dabei ist ihr besonders eines aufgefallen.

„Savez-vous qu’est-ce qui se passe le 25 mai? Ja, nein, eine kleine Idee vielleicht? Wir erklären es Ihnen.“ Diese und andere Fragen zur Europawahl beantwortete ich am Samstag, 22. März, non-stop im europäischen Dorf. Zusammen mit der JEF Saarland war ich als Vorsitzende der JEF Trier nach Metz gereist, um eine Aktion zur Europawahl der Jungen Europäer Frankreichs (JE-F) zu unterstützen.

Nach Marseille, Nizza und Toulouse war das europäische Dorf am vergangenen Samstag in Metz aufgebaut. Das Zeltdorf der Jungen Europäer Frankreich ist vor Ort um Fragen zu beantworten, die Institutionen der EU zu erklären und um zu begründen, warum die Wahlen zum Europäischen Parlament 2014 wichtiger sind, als alle bisherigen Wahlen.

Das Bureau National der JE-F veranstaltet die europäischen Dörfer an den 14 Wochenenden vor der Wahl und wird vor Ort von den lokalen Sektionen wie der JE Lorraine unterstützt. Auch die JE Strasbourg war in Metz dabei sowie die grenznahen Sektionen der deutschen JEF: JEF Saarland und JEF Trier/Rheinland-Pfalz.

Ein Baum der Wünsche begrüßt die Besucher am Eingang des europäischen Dorfs. Jeder darf seinen Wunsch für die Zukunft Europas auf ein Blatt schreiben und an die symbolträchtigen Äste hängen. Wünsche wie weniger Bürokratie und mehr Europa für die Bürger tauchen am häufigsten auf. Ein kritisches Bild haben die Besucher vor allem von der Kommission: von der Wirtschaftslobby beeinflusst und bürgerfern. Ein Bild, das nicht leicht zu entkräften ist, weil mehr Wahrheit darin liegt, als auch den Jungen Europäern recht ist.

Auf ihrem Weg durch das europäische Dorf treffen die Besucher auf die Mauer der Klischees, die voll ist mit Aussagen wie: „Der Euro zerstört Arbeitsplätze“, „Europa unterdrückt unsere nationale Souveränität“ oder „Le ParlAllemand – non, merci“. Diese Vorurteile galt es zu zerschlagen: Die krisengleiche Situation vieler EU-Mitgliedsländer ist relativ hausgemacht und welche berechtigten Vorwürfe man den Vertretern der Institutionen auch machen kann, am Ende des Tages ist Europa die Lösung, nicht das Problem. Wenn man im Binnenmarkt arbeiten kann, wo man möchte, wenn Unternehmen dort produzieren und anstellen, wo sie am effizientesten arbeiten können, braucht es dann nicht auch einen gemeinsamen Schutz im Binnenmarkt im Falle der Arbeitslosigkeit? Eine europäische Arbeitslosenversicherung, wie die JEF sie fordert, wäre ein entscheidender Schritt hin zur Verwirklichung der Wirtschaftsunion. Natürlich werden dann mehr nationale Rechte an die Gemeinschaft abgegeben, aber auch mehr Pflichten. Die Souveränität der Mitgliedsstaaten wird nicht untergraben, sondern verlagert und ausgedehnt.

Den Weg durch das europäische Dorf vervollständigt eine Station zur charakteristischsten Eigenschaft Europas. Beim europäischen Speed Dating lernen die Besucher des Dorfes andere Bürger Europas kennen. Europa hat mit seiner kulturellen, historischen, geografischen und kulinarischen Vielfalt einiges zu bieten. Die Bewegungsfreiheit, die uns Schengen und die EU gewähren, möchte keiner missen. Gerade in grenznahen Regionen sind Erinnerungen an Schlagbäume mit Kopfschütteln statt Nostalgie verbunden. In luxemburgischen Tabakläden und in französischen Bäckereien mit unterschiedlichen Währungen zu zahlen war für das kleine Portemonnaie vermutlich teurer. Schade, dass das nicht mal einer nachgerechnet hat, meint ein älterer Herr zu mir.

Mit der „Linken gegen Rechts“ konnte jeder Dorfbesucher einen farbigen Handabdruck für die Vielfältigkeit Europas und gegen Rechtspopulismus abgeben. Rechte Parteien gewinnen in Frankreich zunehmend an Stärke. Marine Le Pens Partei hat gute Chancen, aus den französischen Europawahlen als stärkste Partei hervorzugehen, wenn die UMP nicht noch Wähler im rechten Lager abgreift. „L’europe, c’est la merde“, schallt es einmal über den Platz. Doch bevor ich die Person erblicken kann, ist sie schon wieder verschwunden.

Das europäische Dorf brachte Abwechslung nach Metz und plötzlich war Europa überall zu spüren. Ich unterhielt mich mit vielen verschiedenen Menschen und konnte hoffentlich das eine oder andere Vorurteil gegen Europa aufklären. Doch eines fiel mir im europäischen Dorf in Metz besonders auf: Die Jugend fehlte. Die meisten Besucher waren zwischen 40 und 70 Jahre alt. Junge Menschen unter 25 machen einen Bogen um das Zeltdorf. Für die Jungen Europäer Frankreich und die JEFer bleibt also die Aufmerksamkeit der eigenen Generation die größte Herausforderung.

Ihr Kommentar

  • Am 4. März 2014 um 17:48, von  Jörn Knost Als Antwort Im europäischen Dorf der Jungen Europäer Frankreich

    Schön geschriebener Beitrag! Man konnte sich die Lage vor Ort sehr gut vorstellen.Ich glaube, die Ursache dieses Desinteresses bei jungen Leuten ist, dass sie den Zusammenhalt der europäischen Länder für selbstverständlich halten und daraufhin nur die (eher wenigen) negativen Aspekte sehen, welche die Europäische Union hervorbringt. Gerade darum sind solche Aktionen sehr wichtig. Dadurch wird vermittelt, dass wir alle darauf Einfluss nehmen können. Vorneweg durch die Teilnahme an den Europa-Wahlen sowie eine gute Aufklärung über die Funktion des Europäischen Parlamentes und seiner Macht.

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