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Europäer auf die Straßen!

, von  Jonas Botta

Seit einigen Wochen demonstrieren in Dresden immer mehr Menschen gegen so genannte „Islamisten“ und angebliche „Wirtschaftsflüchtlinge“. Dabei nennen sie sich selbst „Patriotische Europäer“ – doch wie europäisch ist ihr Gedankengut tatsächlich?

Demonstration der PEGIDA in Dresden. – Foto: © Caruso Pinguin / Flickr (Link) / CC BY-NC 2.0-Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Autoren

  • studiert Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Menschenrechte und Demokratisierung.

Überzeugte, politisierte Europäer auf den Straßen? Was muss das doch für eine erfreuliche Entwicklung zum Ende diesen Jahres sein, in welchem selbst die Europawahl erneut nur viel zu wenig Menschen zu europäischem Handeln und Denken motivieren konnte. Wer hätte schon gedacht, dass über zehntausend Menschen in Deutschland mit der Selbstbezeichnung „Europäer“ für ihre Interessen demonstrieren. Doch was ist ihr Ziel, was sind ihre Beweggründe? Solidarisieren sie sich mit der arbeitslosen Jugend Spaniens oder Griechenlands? Streiten sie gemeinsam gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP oder fordern gar eine europaweite Energiewende?

Blinder Hass

Nein, diese vermeintlichen Europäer haben gänzlich andere Motive. Unter dem Namen „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ transformieren sie in Dresden ihre eigenen Existenz- und Abstiegsängste in einen blinden Hass gegen so genannte „Islamisten“ und angebliche „Wirtschaftsflüchtlinge“. Sie nennen sich Europäer, weil sie sich von ihrem abstrakten Feind abgrenzen wollen. Europa bedeutet für sie der Gegenpol zur islamischen Welt. Ihr Europa ist dieses mysteriöse christliche Abendland, welches sie beschützen wollen. Sie sind weder weltoffen noch an einem interkulturellen Miteinander interessiert. Es mag vergeblich sein, sich ein differenziertes Bild ihres Selbstverständnisses zu machen. Von den Wortbeiträgen der „PEGIDA“-Anhänger in der von ihnen diffamierten „Lügenpresse“ bleiben jedenfalls neben offenem rassistischen Gedankengut nur noch mehr Fragezeichen in den Köpfen der Zuhörenden zurück.

Demonstranten stehen nicht für unser Europa

Doch eins muss jedem mündigen Menschen, der sich selbst als Europäer und damit als Gegner jeglicher Ausgrenzung versteht, angesichts dieser neuen rechten Bewegung bewusst sein. Diese Demonstrierenden stehen nicht für unser Europa. Mit ihrem rückwärtsgewandten und verklärten Weltbild, in dem Europa nur eine leere Worthülle ist, dienen sie all denjenigen,die sich Macht durch die Ängste der Menschen erhoffen. Zwar mag es kein plötzlicher Zufall sein, dass ausgerechnet in Dresden diese neue Form der rassistischen Proteste so stark ist. Immerhin wählten 27.861 Dresdener NPD und AfD. Umso mehr muss es das Begehren aller progressiven Europäer sein sich gegen diese Bewegung eindeutig zu positionieren. Hier hilft kein Verständnis. Stattdessen müssen wir gemeinsam für ein Europa streiten, in dem alle Religionen und Menschen willkommen sind. Deswegen: Europäer auf die Straßen!

Die Position der JEF:

Im Anschluss an die PEGIDA-Demonstration mit 10.000 Teilnehmern in Dresden hat der JEF-Bundesvorstand am 10. Dezember 2014 eine Stellungnahme verfasst.

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