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Europa steht zusammen

Kolumne „Europa im Blick“

, von  Marcel Wollscheid

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Das Attentat auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hat Europa erschüttert. Vor der Französischen Botschaft in Berlin bekundeten Menschen mit einem Meer aus Blumen, Kerzen und Spruchbändern ihre Anteilnahme. Drei Worte genügen, um zu beschreiben, dass die Europäer in ihrer Trauer um die Opfer wie in ihrem Bekenntnis zur Freiheit geeint sind: „Je suis Charlie“.

Kondolenzen und Solidaritätsbekundungen vor der Französischen Botschaft in Berlin. – Foto: privat.

Autoren

  • war von 2015 bis 2016 Chefredakteur von treffpunkteuropa.de. Heute arbeitet er für den Focus. Er absolvierte seinen Bachelor in Medien, Kommunikation, Gesellschaft und Politikwissenschaft an der Universität Trier und studiert im Master Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin.

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Am Tag nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ ist die Französische Botschaft in Berlin ein Ort, an dem Menschen ihre Bestürzung über die Ereignisse in Frankreich zeigen. Sie stellen vor dem Eingang des Gebäudes am Pariser Platz Kerzen auf, legen Blumen für die Opfer des Anschlages ab. Zwischen den hunderten Kondolenzen finden sich Karikaturen von „Charlie Hebdo“. „Satire darf alles, nur nicht sterben“, heißt es auf einem durchnässten Stück Papier. Manche Besucher haben Sticker mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ und dem Datum „07.01.2015“ auf ihren Windjacken angebracht. Ein Franzose bedankt sich bei den Menschen vor der Botschaft für ihre Solidaritätsbekundungen. Früher sei so etwas nicht denkbar gewesen angesichts der deutsch-französischen Geschichte, sagt der Mann.

Inmitten des Blumenmeeres flattern die Seiten des Buches „Candide oder der Optimismus“ im kalten Wind. Das Werk des großen Aufklärungsphilosophen Voltaire war eine scharfe Satire gegen die optimistische Weltanschauung seines Zeitgenossen Leibniz. „Wenn das hier die beste aller Welten ist, wie muß es dann erst auf den anderen aussehen?“, fragt der Protagonist Candide am Ende der Geschichte. Wahrlich vermögen die Bilder aus Paris den Optimismus der Menschen zu trüben. Doch die Reaktion der breiten Öffentlichkeit auf das Massaker ist nicht nur ein trostspendender, sondern sogar ein sinnstiftender Impuls.

Das Gefühl, von den Ereignissen in Paris unmittelbar selbst getroffen zu sein, erklärt sich nicht nur durch das unmenschliche Vorgehen der Täter. Umgebracht wurden die Menschen in Paris, weil sie ihre Freiheit zur Meinungsäußerung nutzten. Weil sie Intoleranz und Verblendung mit Karikaturen der Lächerlichkeit preisgaben. Weil sie ihren Glauben frei ausleben wollten. Oder weil sie sich in den Dienst zum Schutz der Gemeinschaft stellten.

Auch deshalb folgte auf den Terror von Paris eine derart starke Welle der Solidarität auf dem ganzen Kontinent. In das Mitgefühl mischt sich eine verbindende Besinnung auf die Werte, die das Zusammenleben in einem freien und demokratischen Europa erst ausmachen: zur Freiheit der Presse, zur Freiheit der Meinung, zu Toleranz und Vielfalt. Was auf den Terror des 07. Januars 2015 folgte, war der Aufschrei einer europäischen Zivilgesellschaft.

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