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Einmal Pommes, europäisch bitte.

, von  Franziska Pudelko

Es gibt sie lang, kurz, dick und dünn. Sie sind goldgelb frittiert und schmecken am besten frisch. Pommes frites sind beliebt - weltweit und in Europa. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Name des beliebten Kartoffel-Snacks für so viel Konfliktpotential sorgen kann. Dabei wäre es doch so einfach.

Pommes frites heißen auf Englisch French fries, dabei stammen sie eigentlich aus Belgien. – Foto: „French Fries“ © Scott Ableman / Flickr (https://www.flickr.com/photos/ableman/441327270/) / CC BY 2.0-Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode)

Autoren

  • studiert an der KU Leuven im Master European/Global studies. Journalistische Erfahrungen sammelte sie unter anderem bei dem Onlinemagazin Utrikesperspektiv.se, bei der Süddeutschen Zeitung und beim ZDF. Bis Mai 2015 war sie Chefredakteurin von treffpunkteuropa.de.

Im Deutschen ist das einfach. Da sagen wir zu den goldgelben, frittierten, länglichen Stäbchen aus Kartoffeln umgangssprachlich einfach Pommes. In manchen deutschen Gegenden, wie zum Beispiel im Rheinland, kennt man sie als Fritten. Wer’s eher etwas förmlicher mag, bleibt bei Pommes frites. Ein harmloser Begriff, der wenig Ärger vermuten lässt.

Im Englischen sieht das schon anders aus. Da heißen Pommes nämlich French fries. Das schmeichelt den Franzosen und ärgert die Belgier. Denn der Name verleugnet die eigentliche Herkunft der beliebten Kartoffelstäbchen. In Belgien ist man stolz auf die kulinarischen Besonderheiten. Ob Bier, Waffeln, Schokolade, oder eben die Pommes frites – kein Tourist kommt daran vorbei. An jeder Ecke in den kleinen und größeren belgischen Städten duftet es abwechselnd nach frischen Waffeln oder dem verführerischen Geruch von Frittenfett. Meist ist dann eine Kneipe mit einer Auswahl belgischer Biersorten nicht weit. Manche Kneipen bieten sogar Cookie-Bier an. Ein Bier, das eigentlich mehr nach Schokolade und mit viel Fantasie nach Keksen schmeckt.

Die Pommes hingegen werden nur in einer Geschmacksrichtung angeboten. Dafür werden sie auf besondere Weise zubereitet. Und wie? Das ist ein gut gehütetes Geheimnis der Belgier, das sie aber spätestens nach dem ersten (belgischen) Bier rausrücken. Gleich zwei Mal werden die Kartoffelschnitzen in Fett ausgebacken und dadurch noch viel knuspriger. Auch handelt es sich nur um die „ganz echten“ Fritten, wenn der Fritteur Rinderfett verwendet. Der Unterschied macht dann die Soße: Die Belgier mögen Mayonnaise, die Besucher bestellen ihre Portion meistens mit „Andaluse“ – einer Tomaten-Mayonnaise-Mischung. Die Deutschen mögen es rot-weiß (Ketchup/Mayo).

Ob die Franzosen sich weigern die belgischen Pommes zu essen, hat bis dato noch keine Studie untersucht. Auch ist unklar, welchen Namen sie auf Englisch verwenden würden. In Wallonien, dem französischsprachigen Teil Belgiens, dürften sie damit keine Probleme haben und einfach nach „frites“ verlangen. Im flämischsprachigen Teil des Landes sind sie da schon eher vor ein Dilemma gestellt.

Die Amerikaner haben ihren Teil zur Geschichte beigetragen. Vor einiger Zeit benannten sie die French fries in Freedom fries um. Grund war nicht etwa eine neue Form der Solidarität mit Belgien, sondern eine sprachliche Rebellion gegen Frankreich, das den von den USA geführten Irak-Krieg ablehnte.

Aber eigentlich könnte es doch so einfach sein. Schließlich stammen die Pommes aus Europa – anders als die Nudeln, die ursprünglich aus China kommen. Ein neuer Name wäre an dieser Stelle schnell erfunden: European Fries.

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