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Donald Tusk - Der neue Präsident des Europäischen Rates

, von  Eva Weigel

Donald Tusk wird ab Dezember das Amt des Präsidenten des Europäischen Rates ausfüllen. Der Pole gibt dafür den Posten als Ministerpräsident seines Landes auf. Ein Blick auf seine Biografie zeigt, dass dieser Schritt nur konsequent ist.

Donald Tusk gilt als „leidenschaftlicher, überzeugter und überzeugender Europäer" - wichtige Eigenschaften für das Amt des Präsidenten des Europäischen Rates. – Foto: „Sejm: premier Donald Tusk o sytuacji na Ukrainie“ © Kancelaria Premiera / Flickr (https://www.flickr.com/photos/kancelariapremiera/12630788023/) / CC BY 2.0-Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/legalcode)

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Er ist so alt wie die Europäische Union selbst. 1957, nur wenige Monate nach Abschluss der europäischen Verträge in Rom, kam Donald Tusk im polnischen Danzig auf die Welt. In wenigen Monaten wird er das Amt des Präsidenten des Europäischen Rates übernehmen. Dafür hat er einen Schritt getan, der in der deutschen Politik unvorstellbar wäre: Tusk ist von seinem Amt als Ministerpräsident Polens zurückgetreten, um dem Ruf nach Brüssel zu folgen.

Dieser Entschluss zeigt, welche Bedeutung der Pole dem Amt und damit auch der Europäischen Union beimisst. Die Polen sind stolz, nur zehn Jahre nach ihrem Beitritt, mit einer solchen Spitzenposition in der Europäischen Union vertreten zu sein. Donald Tusk hat sein Land zu dem gemacht, was es heute ist - ein wirtschaftliches Schwergewicht in der Union - das als Vorbild für viele Mitgliedsstaaten fungieren kann.

Zwischen Neuanfang und Rückschritt

In Danzig aufgewachsen erlebte Donald Tusk seit seiner Kindheit die direkte Nähe zum deutschen Erbe. Als Sohn einer Krankenschwester und eines vom Krieg gezeichneten Schreiners wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Ruinen und Grabstätten unzähliger gefallener Soldaten als Zeugnisse des grausamen Krieges formten das Umfeld, in dem Donald Tusk aufwuchs. So wurde er bereits in jungen Jahren politisch sozialisiert. Preiserhöhungen besonders von Lebensmitteln trieben die Menschen der Arbeiterschicht Anfang der 1970er Jahre auf Danzigs Straßen.

Der 14-jährige Tusk solidarisierte sich sofort mit den Arbeiterprotesten, die von dem kommunistischen Regime gewaltsam niedergeschlagen wurden. Die Bewegungen in Polen und die erbarmungslosen Reaktionen des Regimes verhalfen Tusk zu einer frühen politischen Reife. Der schmale Grat zwischen Neuanfang und brutalem Rückschritt während der Straßenproteste faszinierten den jungen Polen. So gehörte Tusk auch zu den Mitbegründern der Gewerkschaft Solidarność, die sich aus den Auguststreiks 1980 in Danzig entwickelte.

Die Aufstände markierten das Ende des Kommunismus in Polen und demonstrierten gleichzeitig den tiefgreifenden Zusammenhalt des polnischen Volkes. Diese Volksbewegung und die damit verbundenen Veränderungen prägten das politische Bewusstsein Tusks nachhaltig und waren Nährboden für seine enge Verbundenheit und Bewunderung für Europa. Im gleichen Jahr schloss er sein Geschichtsstudium mit Diplom erfolgreich in Danzig ab. Tusk war stets dabei, wenn es auf die Straßen ging im Kampf gegen die Machthaber. So konnte der junge Pole seine liberalen Wurzeln festigen.

Auf politischen Abwegen

Nach der Wende 1989 folgten in Polen Jahre des Chaos angesichts eines politischen Neubeginns. Tusk versuchte in unterschiedlichen politischen Zusammenschlüssen sein Wirken fortzusetzen. Schließlich fasste er 2001 Fuß als Mitbegründer der Bürgerplattform (PO) und ebnete sich so den Weg zu seinem politischen Durchbruch.

Zwei Jahre später wurde er zum Vorsitzenden der PO. Die Niederlage 2005 im Stichentscheid der Präsidentschaftswahl gegen Lech Kaczynski (PiS) war ein Dämpfer auf seinem steilen Weg nach ganz oben. Grund für diesen Rückschlag könnten seine Äußerungen und Entscheidungen gewesen sein, die an seiner engen Verbundenheit und dem tiefen Glauben an die EU und ein vereintes Europa voller Vielfalt zweifeln ließen.

2004 unterstützte er einen Parlamentsantrag, der die polnische Regierung ermächtigte, Kriegsreparationen von Deutschland einzufordern. Außerdem stimmte seine Fraktion für die Todesstrafe, Tusk selbst sprach sich öffentlich gegen die Ehe Homosexueller und den europäischen Verfassungsvertrag aus. Als auf diesen nationalkonservativen Irrweg die herbe Schlappe in der Stichwahl folgte, kehrte Tusk zu seinen liberalen Wertvorstellungen zurück. 2007 wurde er schließlich zum Ministerpräsidenten Polens gewählt.

Gerade das Bekenntnis zu seiner prodeutschen Haltung und die öffentliche Abkehr gegenüber der mächtigen, rechtskonservativen Brüder Kaczynski - die polnischen Zwillingsbrüder, die zwischen 2005 und 2007 die Posten des Staats- und Ministerpräsident inne hatten und somit einen großen Einfluss auf die polnische Politik ausüben konnten - schienen seine politische Stärke zu zementieren.

„leidenschaftlicher, überzeugter und überzeugender Europäer“

Die Rückkehr zu pro-europäischen Werten, mit denen Tusk sich seit Beginn seiner politischen Karriere identifizierte, machte den Polen authentisch und damit wählbar für die Bürger. Auch Angela Merkel beschrieb Tusk als „leidenschaftlichen, überzeugten und überzeugenden Europäer“ als er 2010 den Aachener Karls-Preis erhielt. Ein Preis, der nur großen europäischen Persönlichkeiten verliehen wird.

Die Verbundenheit zum europäischen Gedanken prägten die Anfänge von Tusk politischer Aktivität und waren Voraussetzung für seine bislang größten politischen Erfolg. Die Entscheidung nun, sein Amt als Polens Ministerpräsident aufzugeben, um dem Ruf der EU zu folgen, steht für seinen tiefe europäische Überzeugung, die ihm auch im Amt des Ratspräsidenten als politischer und persönlicher Kompass dienen dürfte.

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