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Der alte Mann und die Flüchtlinge

Kolumne „Europa im Blick“

, von  Sebastian Gubernator

Überall wird über Flüchtlinge geredet: Wie viele kann man aufnehmen? Wo soll man sie unterbringen? Jetzt hat sich ein alter Bekannter in die Debatte eingemischt.

Thilo Sarrazin spricht auf einer Veranstaltung der österreichischen ENF-Partei FPÖ 2013 – © Franz Johann Morgenbesser / Flickr/ CC BY—ND 2.0-Lizenz

Autoren

  • studiert Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Mainz. Journalistische Erfahrung sammelte er unter anderem bei der taz und der Süddeutschen Zeitung. Seit seinem Erasmus-Studium an der University of Glasgow ist er verliebt in Schottland und Europa.

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Im Moment reden alle über Flüchtlinge. In den Talkshows sitzen schlaue Menschen und sagen Dinge, denen andere schlaue Menschen widersprechen. An den Stammtischen werden die gleichen Fragen gestellt und in bierhaltiger Stimmung beantwortet. Viele haben eine Meinung, aber keine Ahnung. Auch Thilo Sarrazin hat sich in die Debatte eingeschaltet. Zur Erinnerung: Thilo Sarrazin ist der Typ, der vor ein paar Jahren dummes Zeug über intelligente Gene gesagt und ein unfassbar langweiliges Buch geschrieben hat. In einem Interview mit der Zeit forderte er jetzt mehrere Maßnahmen gegen die Zuwanderung weiterer Flüchtlinge. Und er beklagte, „dass durch die emotionale und völlig einseitige Berichterstattung der Medien, vor allem des Fernsehens, ein gewaltiger Meinungsdruck in dieser Frage hergestellt wird.“

Eine alte These, messerscharf auf den Punkt gebracht: Die Medien sind alle gleich! Diesmal zitiert Sarrazin nicht mal Statistiken, um seiner Meinung ein pseudowissenschaftliches Fundament zu geben. Die Menschen, das scheint für ihn klar zu sein, sagen nicht, was sie denken. Sie haben Angst davor, von schmierigen Journalisten an den Pranger gestellt und verhöhnt zu werden.

Dass sich ein gesellschaftspolitisches Schwergewicht wie Sarrazin gegen die Medien stellt, dürfte vielen gefallen: der leider immer noch existierenden Pegida-Bewegung, den Wählern der AfD und anderer rechter Parteien. Sie regen sich unentwegt über die Medien auf. Die gute Nachricht ist: Den meisten Journalisten ist es komplett egal, wenn sich ein Ex-Politiker mit fragwürdiger Reputation über sie beschwert. Sie werden sich weiter für Flüchtlinge einsetzen, von den Zuständen in Calais berichten und von Menschen, die an Bahnhöfen mit Brezeln und Teddybären auf Flüchtlinge warten. Viele Medien in Europa beteiligen sich gerade am Aufbau einer Willkommenskultur. Das ist nicht ihr Job, aber es ist gut.

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Ihr Kommentar

  • Am 11. Oktober 2015 um 13:34, von  mataruski Als Antwort Der alte Mann und die Flüchtlinge

    Gratulation, der Artikel liest sich wirklich sehr neutral. Hier mal ein kleiner Denkanstoß; ständig heißt es das die Ursachen welche diese Flüchtlingskrise ausgelöst haben, beseitigt werden müssen und das man verpflichtet sei, sich den Flüchtlingen gegenüber solidarisch zu zeigen. Um etwas mehr Sachlichkeit und Ruhe in derartige Diskussionen zu bekommen, wäre es sicher sinnvoll die Sorgen und Ängste der eigenen Bevölkerung, viel ernster zu nehmen. Das wäre sicher eine bessere Möglichkeit die AfD und Pegida Abweichler, wieder auf den Pfad der „Tugend“ zu bringen. Stammtisch ist ein gutes Schlagwort, denn dort hören Sie Volkes Stimme. Definition Demokratie = Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. ( Findet sich Im Grundgesetz. ) Und das diverse Medien sich am Aufbau einer Willkommenskultur beteiligen, das birgt arge Risiken. Vor allem ist es riskant, wenn man es mit derart plumpen und offensichtlich manipulativen Artikeln probiert.

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