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Christmas, Boże Narodzenie, Noël, Ziemassvētki...Weihnachten in Europa

Junge Europäer erzählen

, von  Stéphanie-Fabienne Lacombe

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Ein Zwölf-Gänge-Menü, sprechende Kühe, Weihnachtsbäume aus Plastik oder nächtliches Bingospielen. Die Traditionen zu Weihnachten in Europa sind immer noch sehr verschieden. Alle Länder vereint jedoch die Feststellung: es wird zu viel gegessen! Junge Europäer erzählen von ihren Eindrücken jenseits von Santa Claus und Kommerzialisierung.

Foto: privat

Autoren

  • Stéphanie-F. Lacombe studiert Geographie und VWL in Berlin. Bei Praktika beim „Handelsblatt“ sowie „ParisBerlin“ entdeckte sie ihre Begeisterung für Journalismus. Im Sprachenmix fühlt sie sich zu Hause, daher ist sie seit April 2015 Koordinatorin der Übersetzungen bei treffpunkteuropa.de.

Madara kommt aus Riga, Lettland und feiert in den Niederlanden

In Lettland ist das Fest stark von seinem heidnischen Ursprung rund um die Wintersonnenwende geprägt. So gehen viele Letten genauso selbstverständlich in die Kirche, wie sie danach einen Holzblock um das Haus rollen und anschließend verbrennen, um alle Sorgen des vergangenen Jahres loszuwerden und böse Geister fernzuhalten. Es wird mit Masken auf dem Kopf dazu getanzt. Beim Essen sind neun Gänge obligatorisch, traditionell Erbsen mit Schinkensoße, sowie kleine Kuchen, gefüllt mit Fleisch, Lebkuchen oder Sauerkraut. Geschenke gibt es entweder am 24. abends oder am 25. Für jedes Geschenk muss man ein Gedicht aufsagen oder etwas vortanzen. Deshalb lernen Kinder vor Weihnachten viele Gedichte auswendig! Die Mischung der Traditionen zeigt, dass es bei der Wintersonnenwende und Weihnachten um das gleiche geht: die Rückkehr des Lichts. In den Niederlanden kommt Sinterklaas mit „Zwarte Pieten“ aus Spanien mit dem Schiff. Wer in seinen Schuhen Karotten für sein Pferd da lässt und brav war, bekommt Geschenke. Neuerdings gibt es Diskussionen, ob der schwarze Piet nicht rassistisch dargestellt wird. Daher wurde er in manchen Regionen weggelassen und durch Minions ersetzt.

Alexandra erzählt aus Chabarovsk, Russland:

Laut russisch-orthodoxem Kalender ist Weihnachten am 7. Januar. Es wird aber nicht von allen Russen gefeiert, da in der Sowjetzeit viele Traditionen verloren gingen. Am 6. Januar wird der Weihnachtsbaum aufgestellt. Der Gottesdienst, der im Stehen stattfindet und drei bis vier Stunden lang dauert, geht bis spät in die Nacht, weshalb dann erst am nächsten Tag Väterchen Frost zum Verteilen der Geschenke kommt. Ein sehr wichtiges Fest hingegen ist Silvester, wir feiern es spät am Abend mit viel Essen und die meisten Familien beschenken sich bereits an diesem Abend. Es gibt Huhn mit Kartoffelpüree, Obst, viel Alkohol, Oliven und einen Fischsalat mit Roter Beete, Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten namens „Hering unterm Pelzmantel“. Es werden nicht ganz so viele Feuerwerke wie in Deutschland gezündet.

Aphrodite schreibt aus Athen, Griechenland:

Am 24. laufen die Kinder Weihnachtslieder singend umher und sammeln dabei bei den Nachbarn Geld für ihre Ferien. Das gleiche machen sie an Silvester und am 5. Januar, am Abend vor Epiphanias. Am 25. Dezember trifft sich die ganze Familie zum Abendessen. Geschenke gibt es aber erst am 31. Dezember. In der Nacht versteckt Sankt Vasilis sie unterm Weihnachtsbaum. Zwischen dem Nikolaustag am 6. Dezember und Epiphanias am 6. Januar werden typische Kuchen gebacken: „Melomakarona“ und „Kourabiedes“ bestehen aus Grieß, Zimt, Nelken und Honig bzw. sind Butterkekse mit Rosenwasser und Puderzucker überzogen. An Neujahr wird „Vasilopita“, ein Kuchen, der mit einem Kreuzzeichen und der Jahreszahl dekoriert wird, serviert, und an alle Gäste gleichmäßig verteilt. Ein Geldstück ist darin versteckt und wer es findet, hat das ganze nächste Jahr Glück!

Ivana berichtet aus Slawonien, Kroatien:

Jede Region in Kroatien hat ihre ganz eigenen Sitten und auch das Essen ist regional sehr verschieden. An Heiligabend isst man mittags fleischlos, bei uns gibt es meistens Fisch oder Tintenfisch mit Kartoffelsalat und Gemüse. Es wird außerdem ein festliches Essen für die Weihnachtsfeiertage zubereitet. Ein traditionelles Essen ist Sarma (Krautwickel mit Hackfleisch in Tomatensoße), Suppe und Braten, Torten, Nuß-und Mohnschnitten. Während die Mütter das Essen zubereiten wird außerdem noch der Tannenbaum von den Vätern und Kindern geschmückt. Am Abend geht es dann in die Kirche, die gegen 23:30 Uhr anfängt, um in den 25. Dezember „reinzufeiern“. Nach der Messe bzw. dann am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags werden die Geschenke ausgepackt. Am ersten Weihnachtsfeiertag trifft man sich in der Regel bei den Eltern zum Mittagessen.

Eva schildert das Fest in Ptuj, Slovenien:

Das politische System Jugoslawiens lehnte religiöse Feiertage eher ab, bestärkte stattdessen die Neujahrsfeiern und erfand kurzerhand „Dedek Mraz“ (Väterchen Frost) als Ersatz zum Weihnachtsmann. Jetzt wartet man in einigen Familien auf Väterchen Frost, in anderen auf Santa Claus und in seltenen Fällen sogar auf beide, was die Kinder sicherlich freut, da sie dann doppelt beschenkt werden. Zu Weihnachten gehört natürlich auch der Nikolaus, „Miklavž“, der in der Nacht zum 6. Dezember Süßigkeiten, Früchte und süßes Brot in die Schuhe steckt. Wer nicht brav war, bekommt eine Rute. Miklavž ist nicht allein unterwegs, sondern wird von kleinen Teufeln begleitet, die mit Ketten rasseln und den Kindern Angst machen, bis diese ein Gebet aufsagen und ihr Geschenk bekommen.

Francesco berichtet von der Sorrentiner Halbinsel, Italien:

In Italien wird das Weihnachtsfest je nach Region unterschiedlich begangen. Die Feierlichkeiten in der Region von Neapel zeichnen gleich drei Herausforderungen für den Magen aus: das nächtliche Essen am 24. und die Mittagessen des 25. und 26. Dezember. Diese kulinarischen Höhepunkte werden durch Rituale, Spiele und andere Traditionen ergänzt. Der Weihnachtsbaum wird bereits am 8. Dezember, Tag der Mariä Empfängis aufgestellt und ist meist aus Plastik. Am Mittag des 24. Dezember beginnen die Vorbereitungen für das Abendbrot, das ja schließlich die gesamte Familie satt machen soll und dementsprechend aufwändig ausfällt. In Neapel bereitet man traditionell „Baccala´ fritto“ (gebratenen Kabeljau) oder Aal vor. Hinzu kommen eine Menge Desserts, wie „Struffoli“ (erbsengroße Teigbällchen mit einer Mischung aus Honig, Rum, Mandarinenschale und Rosmarin überzogen) sowie „mustacciuoli“, „roccoco“ und „susamielli“, allesamt traditionelle Plätzchen. Das wichtigste überhaupt sind Nüsse aller Art als Beilage. Um Mitternacht wird dann das Jesuskind in die Krippe gelegt und alle gehen zur Messe in die Kirche. Danach, mitten in der Nacht, bringt Santa Claus allen Geschenke und man feiert gemeinsam bis in die Morgenstunden. In Neapel werden die ganze Nacht eine Art Bingo („Tombola napoletana“), sowie Kartenspiele gespielt. Der 25. Dezember ist vom Ablauf hingegen recht simpel: man steht spät auf und isst Fleisch zum Mittag. Das Essen dauert bis 16 Uhr. Danach isst jeder weiter Nüsse und spielt die traditionellen Spiele, sodass der ganze Tag gemeinsam verbracht wird. Am 26. schwindet die Weihnachtsstimmung langsam, sodass die Familie die gemeinsame Zeit nochmal ausgelassen genießt. Normalerweise isst man die Reste der vorangegangenen Mahlzeiten. Für mich besteht ein Neapolitanisches Weihnachtsfest vor allem aus: Backen, Essen, Tombola und Fröhlichkeit.

Monika beschreibt Weihnachten in Warszawa, Polen:

In Polen ist es Tradition, für Heiligabend ganze zwölf Gerichte vorzubereiten. Für jeden Apostel eines. Es gibt Knödel mit Kohl und Pilzen, „Bigos“ (ein Krautgericht mit verschiedenen Fleischsorten), roten Borschtsch, Mohnkuchen und als Hauptgericht Karpfen. Für einen unerwarteten Gast wird immer ein Platz freigelassen. Um Mitternacht geht es dann zur Messe, bei der viel gesungen wird. Die beiden Weihnachtsfeiertage werden im Kreis der Familie verbracht.

Gudri aus Litauen feiert in Island:

Wir fasten den ganzen 24., putzen das Haus und bereiten zwölf kalte Gänge für das Essen vor. Meist isst man Rote Beete, Pilze und eingelegten Fisch, andererseits sollte bei uns das Essen möglichst vegan sein, das heißt, dass wir möglichst keine Milchprodukte oder Eier benutzen. Essenziel sind „Kuciukai“ (Mohnkuchen), Leinsamen mit Knoblauch und Salz, Kartoffeln, dunkles Brot und Honig. Unter dem Tisch verstecken wir Stroh, um vorauszusagen, wie das nächste Jahr werden wird. Wer den längsten Halm zieht, wird am meisten Glück haben. Es gibt immer ein Gedeck zusätzlich falls eine verstorbene Seele zu Besuch kommt. Das geweihte Brot wird geteilt, doch das ist fast das einzig christliche an der Feier. Die meisten Traditionen sind heidnischen Ursprungs. Jeder muss absolut alle zwölf Gerichte einmal kosten und es wird etwas für umherirrende Seelen auf den Tellern gelassen. Auf dem Land ist es Usus um Mitternacht in die Scheune zu gehen und zu hören, ob die Tiere in einer menschlichen Sprache Zukunftsvorhersagen offenbaren. Dann geht es noch zur Messe in die Kirche und am Morgen gibt es Geschenke. Weihnachten ist der Silvesternacht sehr ähnlich, man zahlt z.B. Schulden zurück und entschuldigt sich bei allen Menschen, mit denen man Konflikte hatte. Da ich gerade in Island lebe, vermischen wir die litauische Tradition ein wenig mit der isländischen. In Island hinterlässt an den 13 Tagen vor Weihnachten jeweils ein „Yule lad“ (Weihnachtsgeselle) in den Schuhen auf der Fensterbank ein Geschenk.

Gabriel aus Bacău, Rumänien:

Insgesamt gibt es drei Weihnachtsfeiertage. Auch wenn die Traditionen in den Regionen verschieden sein können ist Rumänien ein sehr religiöses Land: die meisten Menschen sind rumänisch-orthodoxe oder römisch-katholische Gläubige. Daher ist in Rumänien das Wichtigste an Weihnachten immer noch die religiöse Bedeutung des Festes für das Christentum. Die Vorbereitungen beginnen in der Regel eine Woche vor Weihnachten, das Fest selber dauert vom 25. bis einschließlich 27. Dezember. Auf dem Land schlachtet man am 24. meist ein Schwein. Jedes Familienmitglied hat an diesem Tag seine ganz besondere Aufgabe, die am Morgen von der Familienältesten verkündet wird: die Kinder laufen singend durch die Straßen, verkünden die frohe Botschaft und bekommen Süßigkeiten, Gebäck, Äpfel und in einigen Regionen sogar Geld geschenkt. Die Frauen bereiten den ganzen Tag das Abendessen vor, während die Männer den Weihnachtsbaum holen, Feuerholz hacken und den Glühwein mit einem Schuss Branntwein würzen. Die älteste Frau der Familie heizt den Ofen ein. Darin werden verschiedene Kuchen mit viel Butter, Brot und anderes Gebäck zubereitet. Die anderen Frauen bereiten das Hauptgericht vor: eine Suppe mit Fleisch und Gemüse, die recht sauer schmeckt. Dazu gibt es „Salata de Boeuf“ (ein Mix aus Kartoffeln, Karotten, Erbsen und Fleisch, eingelegtem Gemüse, Senf und Mayonnaise), „Sarmale“ (Kohlroulade mit Fleisch-, Gemüse- und Fleischfüllung) und Braten. Der Weihnachtsbaum wird von den Kindern dekoriert und ein Stern an der Spitze platziert. Danach geht es in die Kirche und anschließend gibt es Essen. Die Geschenke werden am Morgen des 25. verteilt und vor dem Mittagessen steht erneut eine Messe an. Die Kinder gehen nochmals Sternsingen, diesmal mit einem dekorierten Stern aus Pappe, der die Geburt Christi verkündet.

Karolína berichtet aus der Tschechischen Republik:

Am 24. wird der Baum aufgestellt und wir putzen das Haus. Es gibt viel selbstgemachte Süßigkeiten. Zum Abendbrot isst man dann Karpfen mit Kartoffelsalat. Davor gibt es Fischsuppe oder eine cremigere Version mit Pilzen und Kohl. Es ist wichtig den ganzen Tag zu fasten, um bei Einbruch der Dunkelheit das goldene Schweinchen „zlate prasatko“ zu erspähen. Gesehen hat es aber noch nie jemand. Die Geschenke bringt am Abend das „Ježíšek“ (das Jesuskind), das sich jedes Kind anders vorstellt. Für mich war es immer ein kleiner dicklicher Junge mit Flügeln! Das Äpfelschneiden ist eine weitere Tradition. Man schneidet ihn in zwei Hälften und schaut ob die Kerne in der Mitte einen Stern bilden. Dann hat die Familie im nächsten Jahr Glück. Aus Walnusshälften bastelt sich jeder ein kleines Schiffchen, in das eine Kerze gestellt wird. Die Schiffchen werden in einer Schüssel zu Wasser gelassen, wenn es weg vom Ufer treibt, wird die Person im nächsten Jahr reisen, wenn es hingegen an der Schüsselwand bleibt, bleibt man zu Haus. Nach der Kirche wird das „Licht aus Betlehem“ durch die Straßen getragen.

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