Brief an Europa: Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

, von  Hannah Illing

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Brief an Europa: Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Vytenis Andriukaitis. Foto: Chambre des Députés / Flickr/ CC BY-NC 2.0-Lizenz

Kommende Woche sollen die EU-Regierungen in Brüssel wieder über eine Neuzulassung des Umweltgifts Glyphosat abstimmen. Wir rufen den litauischen EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, dazu auf, eine Neuzulassung zu verhindern.

Sehr geehrter Herr Vytenis Andriukaitis,

für diesen Mittwoch, 25.10., haben Sie den ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel der EU-Kommission nach Brüssel geladen. Ziel ist es, gemeinsam mit den Regierungsvertretern der 28 Mitgliedsstaaten über die Neuzulassung des Umweltgifts Glyphosat abzustimmen. Sie befürworten eine Verlängerung von 10 weiteren Jahren. Glyphosat wird vom amerikanischen Großkonzern Monsanto verkauft und insbesondere großflächig von Landwirten genutzt. In der EU-Bevölkerung gibt es viele kritische Stimmen gegen Glyphosat, das in einer Reihe wissenschaftlicher Studien sowie von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend eingestuft wird.

Es wird nicht leicht sein, eine qualifizierte Mehrheit für oder gegen eine Verlängerung zu erhalten, da ein Votum verschiedener Mitgliedsstaaten mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren muss. Frankreich, Italien, Malta und Österreich werden eine Neuzulassung wohl ablehnen. Wie Deutschland abstimmen wird, ist noch unklar, da sich Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), der die Zulassung verlängern will, nicht mit Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) einig ist. Es könnte daher sein, dass die Entscheidung letztendlich an Ihnen hängen bleibt. Herr Andriukaitis, bereits vergangenes Jahr haben Sie die Glyphosat-Zulassung verlängert. Handeln Sie diesmal weiser und lehnen Sie eine erneute Zulassung ab, um den EU-Bürgern zu zeigen, dass Sie ihre Beschwerden ernst nehmen.

Glyphosat ist in der EU-Bevölkerung höchst umstritten. Es gibt verschiedene Petitionen gegen Glyphosat, unter anderem durch die europäische Bürgerinitiative „Stop Glyphosat“. 1.3 Millionen Menschen haben deren Petition bis Anfang Juli 2017 unterschrieben. Da die Petition damit erfolgreich war, kam es vergangene Woche zu einer Anhörung der EU-Kommission im europäischen Parlament. Wissenschaftler kritisierten dabei insbesondere die europäischen Lebensmittel- und Chemikalienagenturen EFSA und ECHA, die Glyphosat als „nicht krebserregend“ eingestuft haben. Vertreter des Monsanto-Konzerns hatten ihre Teilnahme an der Anhörung übrigens abgesagt.

Tatsächlich gibt es eine Reihe unabhängiger Studien, die belegen, dass Glyphosat alles andere als unbedenklich ist. Eine ARTE-Dokumentation, die einen symbolischen Prozess gegen Glyphosat am Internationalen Gerichtshof in Den Haag begleitet, veranschaulicht die gesundheitlichen Folgen von Glyphosat für den Menschen auf besonders eindringliche Weise. Laut Umweltbundesamt ist Glyphosat zudem mitverantwortlich für den Rückgang der Insekten- und damit auch Vogelpopulation in Deutschland. Pikant ist zudem, dass der Konzern Monsanto Studien zu Glyphosat geschönt sowie eine unbequeme Studie nicht veröffentlicht haben soll. Auch die EU-Organisation EFSA steht wegen unwissenschaftlicher Methodik in ihren Glyphosat-Studien in der Kritik.

Herr Andriukaitis, auch Ihnen wird der Vorwurf der Bürgerferne, den viele EU-Bürger der EU-Kommission machen, bekannt sein. Zeigen Sie, dass die EU-Kommission auch anders kann. Zeigen Sie, dass Sie die berechtigten Ängste der Bürger ernst nehmen und dass die Glyphosat-Anhörung im Parlament keine Farce war, um Interesse für ihre Sorgen zu suggerieren. Nehmen Sie die Bedenken der EU-Bevölkerung mindestens so ernst wie die der Agrar-Lobby - für ein demokratisches Europa, für die Gesundheit seiner Bürger und für die Artenvielfalt in der EU!

Hochachtungsvoll, Hannah Illing

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