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Adios Spanien – Wirtschaftskrise löst Abwanderungswelle in Spanien aus

, von  Sabrina Vorbau

Gefährliche Halbwahrheiten: Die Arbeitslosigkeit ist in Spanien im Jahr 2013 um knapp zwei Prozent gesunken. Das ist jedoch nicht in erster Linie der Regierungspolitik zu verdanken, sondern der Abwanderung meist junger Leute. Das Land kämpft immer noch mit niedrigen Löhnen und befristeten Arbeitsverträgen - eine Besserung ist nicht in Sicht.

Foto: © R.Deischl / BMAS 2013

Spanien ist innerhalb der EU von der Jugendarbeitslosigkeit mit am stärksten betroffen. Rund 58 Prozent der unter 25-Jährigen sind dort ohne Job. Immer mehr junge Spanier kehren dem Land deswegen den Rücken. Das Ausland gilt für viele als einzige Alternative – seien es Handwerker oder Akademiker. Viele Jugendliche zieht es ins verwandte Lateinamerika, aber auch nach Deutschland: Laut Statistischen Bundesamt waren es bereits 2011 rund 7300 junge Spanier - Tendenz steigend.

Jugendarbeitslosigkeit auf Dauer hoch

Die seit Beginn der Finanz-und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 anhalten hohe Arbeitslosigkeit der jungen Leute in Spanien besorgt die EU seit langem. Dabei gelten die dortigen Jugendlichen als die am besten ausgebildete Generation, die es jemals in Spanien gegeben hat.

Eine Ursache dafür, warum es für die meisten unter 25 Jährigen keine Jobs gibt, ist der ungezügelte Bauboom der 1990er Jahre. Damals konnten selbst ungelernte Arbeiter in der Branche viel Geld verdienen. Etliche Jugendliche brachen daraufhin die Schule ab, um im Baugewerbe zu arbeiten. Als 2008 die Immobilienblase platzte, standen zunächst diese ungelernten Spanier auf der Straße.

Weiterhin waren schon vor der Krise rund 30 Prozent der Stellen in Spanien auf drei bis sechs Monate befristet. Meist gingen die Jobs an Menschen unter 30 Jahre. Selbst gut ausgebildete Jugendliche hangelten sich von Job zu Job in der Hoffnung, am Ende eine unbefristete Stelle zu bekommen. Als die Rezession kam, waren es diese jungen Spanier mit Zeitverträgen, die trotz guter Ausbildung ihre Jobs verloren.

Erst Anfang 2013 reagierte die Regierung auf diese Situation: Mit finanziellen Anreizen sollen nun junge Arbeitslose ermutigt werden, sich selbstständig zu machen. Gleichzeitig will der Staat Unternehmen finanziell belohnen, wenn sie Jugendliche einstellen. Arbeitsmarktforscher sehen die Erfolgschancen dieser Programme jedoch als eher gering. Ihrer Meinung nach wäre es besser, Zeitverträge ganz abzuschaffen. Interessante Lösungsansätze scheinen vorhanden, doch meist fehlen der politische Wille und das Geld, diese auch umzusetzen. Demnach bleibt den Jugendlichen ohne Job vorerst nur eine Möglichkeit: auswandern.

Junge Spanier versuchen ihr Glück in Deutschland

Die Organisation Jugend ohne Zukunft schätzt, dass jede Woche einige Tausend junge Spanier ins Ausland ziehen. Viele gehen skeptisch und frustriert, sehen sie den Umzug doch mehr als Rausschmiss anstatt Chance an. Statistiken der OECD zeigen, dass jeder dritte Spanier nach knapp einem Jahr wieder zurück in die Heimat kehrt. So gilt die Familie immer noch als stärkste gesellschaftliche Säule.

¡Hola, Azubi!

Ganz anders die Situation in Deutschland: Hierzulande ist die Jugendarbeitslosigkeit so gering wie nirgendwo sonst in Europa. Vielmehr herrscht schon seit Jahren ein massiver Fachkräftemangel vor. Gerade die Nachfrage nach qualifizierten Ingenieuren ist in Deutschland groß. Aus diesem Grund haben die spanische Arbeitsministerin Fátima Báñez und ihre ehemalige deutsche Kollegin Ursula von der Leyen im Mai 2013 ein bilaterales Abkommen unterschrieben. Dieses sieht vor, dass in Zukunft junge Spanier nach deutschem Modell dual ausgebildet werden. Ein bewehrtes Erfolgssystem, das junge Leute nach Deutschland locken soll. Rund 5000 Spanier werden in den nächsten vier Jahren auf dem Deutschen Arbeitsmarkt erwartet, um die etwa 33.000 unbesetzten Ausbildungsstellen zu füllen. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat gemeinsam mit seinen spanischen Partnern Programme aufgelegt, um junge Spanier für ein dreimonatiges Praktikum anzuwerben, mit der Aussicht auf eine Lehrstelle.

Zwischenstation oder Dauerlösung

Die Vorstellung in der Ferne ein besseres Leben zu finden ist oftmals härter als gedacht. Das Leben in Deutschland ist teuer, eine WG kostet Geld, so auch der Deutschkurs (obwohl dieser in vielen internationalen Unternehmen umsonst angeboten wird). Bei einem durchschnittlichen Lehrlingsgehalt von rund 800 Euro bleibt da nicht mehr viel übrig.

Viele Spanier empfinden die Sprache als die größte Hürde, sich an typisch deutsche Sitten zu gewöhnen scheint dagegen als Kleinigkeiten. Wie zum Beispiel, dass viele Deutsche schon um 11.30 Uhr Mittag essen. Spanier gelten als patriotisch und heimatverbunden, ob Deutschland eine Zwischenstation oder doch eine Dauerlösung ist, wird sich zeigen. Experten schätzen, dass viele Spanier zurückkehren, sobald die Wirtschaft wieder läuft. Schwierig bleibt es zunächst für die daheim Gebliebenen.

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