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Hallo Nachbarn!

, von  Karin Geupel

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Viele von uns wissen nur wenig über die Geschichte unserer Nachbarländer. Die Geschichtsbücher beinhalten nur wenige Informationen über Polen, Portugal oder Italien. Oft begnügen wir uns mit einfachen Details, wie gutem Wein und Essen, dass uns diese Länder zu bieten haben. Es wird also Zeit, dass wir einen Blick über den Tellerrand wagen und uns intensiver mit deren Kultur und Geschichte auseinandersetzen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Urlaub im facettenreichen Polen?

Die Kolumne „Wir in Europa“ erscheint jeden Sonntag auf treffpunkteuropa.de. Autoren berichten im Wechsel über ihre persönlichen Erlebnisse mit der EU, was es bedeutet, Europäer zu sein und welche Ängste und Hoffnungen sie mit der Gemeinschaft verbinden. Foto: © European Commission / 2004

Autoren

  • Jahrgang 1988, ist Master-Studentin an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und freie Journalistin für diverse Tageszeitungen und den Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb). Hier schreibt Sie über ihre Erfahrungen als Deutsche in Europa und als Europäerin in der Welt.

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Neues Semester und neue Mitbewohner im Wohnheim: Dieses Mal eine Portugiesin und eine Polin. Nach der Aufstellung des Putzplans, sitzen wir drei bei einem Glas Weißwein in der Küche und unterhalten uns. Es ist der 2. Oktober und unser Gespräch fällt auf den Grund des Feiertags am 3. Oktober. Während meine polnische Mitbewohnerin genau weiß, warum in Deutschland am 3. Oktober alle Geschäfte geschlossen sind, hat die Portugiesin nicht wirklich eine Ahnung. Ich bin ganz erstaunt: „Was, du weißt nicht, was die Wiedervereinigung für uns bedeutet hat?“ – „Nein, du weißt doch auch nichts über unsere Geschichte, oder?“ Und ja, sie hat Recht. Überhaupt, was wissen wir Deutschen denn von unseren europäischen Nachbarn. In unseren Geschichtsbüchern steht einiges zu Frankreich und Großbritannien, aber was findet sich da über Portugal, Spanien oder Italien?

Über Länder, die wir zwar regelmäßig in den Sommerferien besuchen, aber über die wir nicht viel mehr wissen, als dass sie guten Wein und gutes Essen haben und angeblich auf unsere großzügige Hilfe in der Euro-Krise angewiesen sind. Ist das nicht etwas peinlich? Ich finde schon. Viel peinlicher ist es aber noch, dass wir Deutschen noch weniger über unsere direkten Nachbarn wissen. Wo bleibt denn die Geschichte der Schweiz, Österreichs, Belgiens, Tschechiens und vor allem auch Polens. Ich habe das erste Mal von den polnischen Teilungen gehört, als ich ein Master-Seminar über deutsch-polnische Geschichte belegte. Frage ich bei meinen Freunden aus Baden-Württemberg nach, können die mir noch nicht einmal sagen, mit welcher Währung in Polen bezahlt wird oder wie das mit der Solidarnosc genau war.

Wenig Platz für polnische Nachbarn in deutschen Geschichtsbüchern

Vor kurzem las ich dann dazu in der Zeit ein Interview mit dem polnischen Außenminister Radoslaw Sikorski. Er beklagt darin zu recht, welchen Platz Frankreich im Gegensatz zu Polen in deutschen Schulbüchern eingeräumt wird. Außerdem gäben sich die Deutschen zu wenig Mühe, sich zu informieren, wie sich die Deutschen ehemals in Polen aufgeführt hätten. Ist es bei so viel Unwissenheit und Ignoranz der Deutschen gegenüber den Polen nicht erstaunlich, dass Angela Merkel als beliebteste ausländische Politikerin in Polen gilt und die Polen selbst sehr gerne nach Deutschland fahren?

Immer wieder treffe ich Polen, die in Deutschland Urlaub machen. Als ich in den Semesterferien daheim in Schwaben war, hat es mich überrascht, selbst dort auf Polen zu treffen, die gerade eine Deutschland-Tour machten. Sie erzählten mir, wie toll doch München und Köln seien, dass ihnen Berlin sehr gefallen hätte, aber dass sie dort schon oft gewesen wären, weshalb sie nun auf andere Teile Deutschlands neugierig geworden sind. Wie viele Deutsche können von sich sagen, sie wären schon häufig in Warschau gewesen und hätten bereits einmal eine Tour durch Polen gemacht? Jedenfalls kenne ich nur sehr wenige. Es ist an der Zeit, dass wir Deutschen uns etwas nach Osten wenden. Und für alle die das gerne tun wollen, hier ein paar kurze Lückenfüller im Polen-Wissen:

Nächstes Urlaubsziel: Polen

Polen war einst ein stolzes Königreich , bevor es unter die Räder der Großmächte Russland, Preußen und Österreich kam und geteilt wurde. Heute hat Polen eine parlamentarische Demokratie, dessen Parlament aus zwei Kammern, dem Senat und dem Sejm besteht. Der Sejm ist dabei eines der ältesten Parlamente der Welt und existiert mit Unterbrechungen seit 1493. Ansonsten hat Polen, wie wir Deutschen, einen Präsidenten, aktuell Bonislaw Komorowski, der unter anderem nach außen präsentiert und den Ministerpräsidenten, heute Donald Tusk, ernennt. Polen gehört seit 2004 zur EU aber nicht zur Euro Zone; es wird dort mit Zloty bezahlt.

Beliebte Ziele für Touristen sind die Ostsee-Küste, die Masurische Seenplatte und die wirklich schön restaurierten Städte Krakau. Wie wäre es also, im nächsten Urlaub mal nicht in die USA zu fliegen, sondern das Nachbarland bereisen? Polens Ruf als Land der Diebe ist längst überholt und die meisten Polen sprechen mittlerweile Deutsch oder Englisch. Es lohnt sich also, dem europäischen Nachbarn einen Besuch abzustatten. Beliebte Ziele für Touristen sind die Ostsee-Küste, die Masurische Seenplatte und die wirklich schön restaurierten Städte Krakau. Wie wäre es also, im nächsten Urlaub mal nicht in die USA zu fliegen, sondern das Nachbarland bereisen? Polens Ruf als Land der Diebe ist längst überholt und die meisten Polen sprechen mittlerweile Deutsch oder Englisch. Es lohnt sich also, dem europäischen Nachbarn einen Besuch abzustatten.

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Ihr Kommentar

  • Am 8. Oktober 2013 um 20:49, von  Andy Als Antwort Hallo Nachbarn!

    „Ich habe das erste Mal von den polnischen Teilungen gehört, als ich ein Master-Seminar über deutsch-polnische Geschichte belegte.“

    Oh Mann, wenn das schon so ist, sollte man das ja nicht unbedingt jedem erzählen...

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