Ein Fünkchen Europa auf der re:publica

, von  Thomas Heimstaedt

Ein Fünkchen Europa auf der re:publica
Viel Interesse an Europa auf der re:publica Foto: Martin Teubner

Warum sollten traditionelle Medien das Social Web nicht ignorieren? Welchen Nutzen hat Social Media für NGOs? Und warum machen Onlinekampagnen vor allem im europäischen Kontext Sinn? Eine Suche nach Antworten auf der re:publica in Berlin.

Bereits im vierten Jahr versammelt sich die Netzgemeinde auf der Bloggerkonferenz re:publica. Angefangen hat es mit 700 Teilnehmern. In diesem Jahr sind bereits zweieinhalb Tausend auf der Bloggerkonferenz. Entsprechend vielfältig ist das Themenspektrum – von Netzneutralität, über Fußballblogs und iPhone Apps bis hin zu Online Journalismus.

Online- vs. Holzmedien

Auch die traditionellen Medien sind vor Ort. Spiegel Online beispielsweise berichtet über die Konferenz und die Deutsche Welle präsentiert ihre Onlineaktivitäten im eigenen Workshop. Schnell wird klar, dass die Redakteure die lästige Blog vs. Journalismus Debatte hinter sich gelassen haben. Die Frage ist nicht mehr ob die DW im Social Web aktiv sein sollte, sondern wie! Bei ihrer Multiplattform-Strategie steht klar der Nutzwert für die User im Vordergrund. „Produce once, publish everywhere“ lautet die Devise – aber bitte schön immer auf den Kanal anpasst. Denn Facebook ist nicht gleich Twitter und Radio tickt sowieso noch mal anders. Wichtig ist vor allem, nicht einfach nur zu broadcasten sondern immer auch erreichbar zu sein. Der menschliche Faktor zählt und ohne Dialogbereitschaft läuft im Netz wenig.

Euroblogger auf der Suche nach der Europäischen Öffentlichkeit

Selber Raum, nächste Session. Auf der re:publica geht es auch um europapolitische Themen. Wie erreiche ich 1 Millionen Europäer? Unter diesem Titel haben die vier Euroblogger Laurence Modrego (alias Eurosocialiste), Julien Frisch (der auch gleich dazu gepostet hat), Jon Worth und Martin Teubner erfolgreiche europaweite Kampagnen vorgestellt. Oneseat.eu beispielsweise erreichte über eine Million Unterzeichner, die sich für einen alleinigen Sitz des Europäischen Parlaments in Brüssel aussprachen. Für die „genderbalancedcommission“-Kampagne begeisterten sich binnen einer Woche 2.000 Fans auf Facebook, 800 Unterzeichner der Petition auf der spezifischen Webseite, verschiedene Frauennetzwerke und schließlich auch traditionelle Medien wie der britische Guardian. Die Sache mit der europäischen Öffentlichkeit geht also doch. Allerdings braucht es drei Voraussetzungen: Web 2.0 Aktivitäten, die klassischen Medien und eine Menge Lobbyarbeit in Brüssel.

Das dürfte auch für die gerade heiß diskutierte Europäische Bürgerinitiative (EBI) gelten, mit der sich die JEF schon mehrfach auseinandergesetzt hat (eine aktuelle Zusammenfassung zur Debatte im Netz gibt es bei Mathew Lawry). Die Europäische Kommission hat jüngst ihren Vorschlag für eine entsprechende EU-Verordnung vorgelegt. Das Papier geht derzeit durch die Brüsseler Instanzen und das Europäische Parlament wird sicherlich einiges nachbessern wollen, um das Instrument „bürger- oder nutzerfreundlicher“ zu gestalten. Die Referenten zeigen auf warum: Die EBI müsste deutlich niederschwelliger sein. Schließlich handelt es sich hierbei nicht um einen Wahlakt sondern um eine bloße Meinungsbekundung, durch die die Kommission im Übrigen zu gar nichts verpflichtet wird. Nur hat das in Brüssel kaum jemand verstanden. Wer unter den jetzigen Bedingungen eine Initiative unterschreiben möchte, darf gleich seine Mailadresse, Wohnort, Geburtsdatum und Personalausweisnummer mit abgeben. Persönliche Daten preisgeben zu müssen, schreckt ab! Und darum sollte es bei der EBI auch nicht gehen. Zukünftige Initiatoren wollen eine europäische Öffentlichkeit herstellen, Debatten über politische Themen anstoßen – und das europaweit. Vielsprachigkeit ist dabei zumindest keine Hürde. Das konnten die vier Euroblogger gemeinsam mit ihren Mitstreitern vom Bloggingportal.eu bereits in einem eindrucksvollen Experiment unter Beweis stellen. In allen anderen offenen Fragen braucht es jetzt politischen Druck auf die Kommission, ganz egal ob online oder offline.

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